#10 Das dritte Kind der Königsfamilie

Kapitel 1 – Der Traum der Königin

Die Nacht lag schwer über Sadala. Kein Laut durchbrach die
Dunkelheit, nur das gleichmäßige Atmen des schlafenden Königs erfüllte die
hohen Gemächer.

Doch in Mirellas Innerem loderte ein Feuer.

Sie träumte – nicht von Palästen, nicht von
Staatsgeschäften. Sondern von Asera.

Die Kriegerin stand ihr gegenüber, nicht als Untergebene,
nicht als Fremde. Etwas in ihrem Blick war unausweichlich – fordernd, aber
nicht bedrohlich. Ihre Bewegungen waren fließend wie Wasser, scharf wie
Klingen.

Faust gegen Faust, Blick gegen Blick – doch was sie verband,
war mehr als Kraft.

Es war Verlangen.

Kein Wort wurde gesprochen. Der Kampf wurde Tanz, der Tanz
wurde Nähe. Zwei Körper, gezeichnet vom Training, erhitzt vom Schlagabtausch,
trafen sich in einem Moment absoluter Wahrheit. Aseras Hände, stark und sicher,
fuhren über Mirellas Taille. Ihre Lippen berührten sich – erst zögerlich, dann
mit einer Inbrunst, die alles andere zum Schweigen brachte.

Der Traum verglühte in einem Lichtblitz.

Mirella schrak hoch. Ihr Herz hämmerte. Ihre Haut glühte.
Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war – nur, dass sie wach war. Wach
und hungrig.

Neben ihr ruhte Ralvek, in königlicher Gelassenheit. Sein
Gesicht war friedlich, vertraut. Doch sie spürte es – heute Nacht war sie es,
die die Richtung vorgab.

Langsam, entschlossen, glitt sie unter das Laken zu ihm.
Ihre Fingerspitzen berührten seine Haut, wanderten über seine Brust, sprachen
eine Sprache, die kein Wort brauchte. Ralvek regte sich, blinzelte –

doch ehe er etwas sagen konnte, lagen ihre Lippen auf
seinen.

Kein Befehl. Kein Warten. Nur Entschlossenheit.

In dieser Nacht war Mirella nicht die Königin von Sadala.

Sie war Saiyajin.

Und sie nahm sich, was sie wollte.

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Kapitel 2 – Der Besuch

Der Morgen über Sadala war klar und friedlich.

Die Hauptstadt erwachte langsam zum Leben –

Händler bereiteten ihre Stände vor, Krieger begannen mit dem
Training. Doch Mirella war längst unterwegs. Hoch oben in der Luft zog sie ihre
Bahn, kontrolliert, anmutig, die Augen wach. Doch unter dieser königlichen Ruhe
arbeiteten Gedanken – Gedanken, geboren aus einem Traum, der sich anfühlte wie
eine Offenbarung.

Asera.

Der Name hallte immer noch in ihr nach.

Sie landete außerhalb der Stadt – vor einem unscheinbaren
Holzhaus, das beinahe wirkte, als hätte es der Wind hierher geweht. Nichts
daran war majestätisch.

Und doch strahlte es etwas aus. Etwas Starkes. Echtes.

Mirella trat näher. Ihre Hand hob sich und klopfte.

Innen regte sich sofort etwas – ein Poltern, dann gedämpfte
Stimmen. Verschlafene Unruhe, gepaart mit plötzlich wachsamem Gemurmel.

Die Tür öffnete sich einen Spalt – und Reka trat heraus. Im
Schlafgewand, das lange Haar ein wenig zerzaust, der Blick zunächst müde… bis
sie ihre Mutter erkannte.

„Mutter?!“

„Ich hoffe, ich habe euch nicht geweckt“, sagte Mirella mit
einem Hauch von Lächeln.

„…nein… also… vielleicht ein bisschen…“ Reka wich
beiseite.

Im Nebenraum ruckte eine Decke, drei zerzauste Köpfe kamen
zum Vorschein. Nalli gähnte theatralisch, Junu setzte sich sofort gerade hin,
Cabba blinzelte – und erschrak, als er die Königin erkannte.

„Die… Königin?!“

Er sprang auf, verhedderte sich beinahe in der Bettdecke,
fing sich mit letzter Not. „Ich, äh – Frühstück! Ich kann was machen! Sofort!“

Mirella trat ein, ließ den Blick langsam durch den Raum
gleiten – schlicht, warm, ein Hauch Chaos, aber lebendig. Es roch nach Holz,
Schlaf und Nähe.

Keine Spur von Protokoll. Keine Spur von Fassade.

„Gern“, sagte sie.

Nalli, die inzwischen unter der Decke hervorlugte, flüsterte
trocken zu Junu:

„Ich wusste nicht, dass die Schwiegermutter einfach so
auftaucht…

ich hätte was anderes angezogen.“

„Du hast gar nichts an“, murmelte Junu trocken zurück.

„Ja eben!“

Während Cabba hektisch in der angrenzenden Küche Tee und
Brot vorbereitete, setzte sich Mirella an den schlichten Tisch. Ihre Haltung
war ruhig, ihr Blick wach – die Art von Blick, bei dem man nie wusste, ob er
prüft oder beschützt.

Dann wandte sie sich an Reka.

„Ich bin nicht nur zum Frühstücken hier“, sagte sie leise.

„Ich will mehr über Asera erfahren. Wer sie wirklich ist…
was sie für euch ist.“

Reka nickte langsam. Keine Überraschung – nur ein Moment des
Sammelns.

Cabba hielt kurz inne. Eine Sekunde, in der sich seine Hand
über der Teekanne versteifte. Als hätte er gewusst, dass dieser Moment
unausweichlich war.

Mirella verschränkte die Finger. „Ich habe sie gesehen“,
sagte sie – und ihre Stimme war weich. „Nicht mit den Augen. Mit allem, was ich
bin.“

Cabba begann zögerlich: „Majestät…“

Doch Mirella hob eine Hand. „Du darfst mich Mirella nennen.
Ich will keine Titel. Ich will Wahrheit. Was siehst du, wenn du sie ansiehst?“

Ein schweres Schweigen senkte sich über den Raum. Kein
peinliches – sondern bedeutungsschwer, als würde jeder Einzelne in sich
hineinhorchen müssen,

ehe er antwortete.

Und dann – ganz leise, beinahe scheu – flüsterte Nalli unter
der Decke:

„Ich glaub, ich zieh mir jetzt wirklich was an.“

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Kapitel 3 – Die Wahrheit über Asera

Der Duft von geröstetem Brot und gewürztem Gemüse erfüllte
den kleinen Raum wie eine beruhigende Decke. Nalli hatte sich ein übergroßes
Hemd übergeworfen und saß nun verschränkt auf dem Sofa, Junu ruhte mit
konzentrierter Haltung am Tisch, die Arme verschränkt wie ein stiller
Schutzwall. Reka schenkte dampfenden Tee in handgefertigte Tassen. Cabba, sonst
in jeder Bewegung selbstverständlich, war heute vorsichtig, beinahe ehrfürchtig

als bestünde das Frühstück aus heiligen Ritualen.

Mirella beobachtete sie – alle. Doch ihr Blick verweilte
immer wieder auf Reka. Ihre Tochter war stark, hatte mehr erreicht als viele
Krieger vor ihr. Doch in der Nacht war es nicht Reka gewesen, die sie im Traum
gesehen hatte.

Es war Asera gewesen. Und was immer diese Frau war – sie war
mehr als nur Kraft.

Die Königin hob ihre Tasse, nahm einen kleinen Schluck. Der
Tee war kräftig, leicht scharf, genau richtig für einen klaren Morgen wie
diesen. Dann sah sie zu Cabba.

„Ihr habt mir gesagt, sie ist stark“, begann sie ruhig.

„Aber was bedeutet das? Wie stark ist Asera wirklich?“

Cabba hielt inne. Seine Hände ruhten auf dem Holzteller, als
müsse er Worte aus dem Brot schneiden. Dann hob er den Kopf, langsam,

als wägen seine Gedanken jedes Wort.

„Ich weiß nicht, ob man das beschreiben kann, Mirella“,
sagte er schließlich. „Als ich ihr das erste Mal begegnet bin… ich konnte kaum
atmen. Nicht aus Angst – sondern weil ich etwas gespürt habe, das ich nicht
benennen konnte. Sie war still. Allein. Und doch hatte jeder das Gefühl: Sie
muss nicht sprechen.

Ihre Anwesenheit spricht für sie.“

Mirella neigte leicht den Kopf. „Wie anders war sie?“

Cabba atmete durch. „Ich war bereits ein Super-Saiyajin.
Aber sie… war nicht verwandelt. Und trotzdem stärker als ich.

Als wäre sie über solche Dinge längst hinaus.“

„Nicht verwandelt?“, wiederholte Mirella.

„Nein“, sagte er. „Ihre Grundform… ist reiner Wille.

Ihr Körper hat vergessen, was es heißt, schwach zu sein.“

Nalli nickte heftig. „Mit ihr zu trainieren ist wie… gegen
einen Sturm anzutreten. Du weißt, er wird dich nicht zerstören – aber du wirst
auch niemals bestehen.“

„Wie wurde sie so?“, fragte Mirella. Diesmal galt ihre Frage
Reka.

Die junge Frau hielt inne. In ihren Augen spiegelte sich ein
anderer Blick – weich, aber nicht verletzlich. Eher voll Mitgefühl.

„Sie war allein, Mutter“, sagte Reka leise. „Verstoßen.
Weggesperrt. Man hat sie für zu schwach erklärt. Und dann… wurde sie vergessen.
Sie hat 43 Jahre auf einem lebenden Planeten überlebt – allein mit dem Wissen,
dass niemand sie holen würde.

Der Planet hat versucht, sie zu verschlingen. Und sie hat
ihn getötet.“

Mirellas Gesicht blieb ruhig, doch ihre Augen verengten sich
leicht.

„Sie… war zu schwach? Das klingt wie eine alte Legende.“

„Ist es nicht“, sagte Junu. Ihre Stimme war nüchtern, aber
fest.

„Wir haben die Narben gesehen. Nicht auf ihrer Haut –
sondern in ihren Augen.“

Reka beugte sich vor, ihre Stimme weich wie Stahl.

„Sie ist kein Mythos. Sie ist das, was aus Schmerz entsteht,
wenn man ihn nicht aufgibt – sondern formt. Sie ist Zorn. Aber ein Zorn, der
gelernt hat zu schützen. Nicht weil sie muss – sondern weil sie niemanden mehr
verlieren will.“

Mirella schwieg. Ihre Finger ruhten auf dem Rand ihrer
Tasse, leicht angespannt. Dann fragte sie leise:

„Und sie ist stärker als ihr alle?“

„Sie hätte uns alle gleichzeitig besiegen können“, sagte
Cabba ruhig.

„Selbst wenn wir in unseren höchsten Formen gewesen wären.

Und dabei war sie nicht einmal wütend.“

Mirella blinzelte. „Und… wenn sie wütend ist? Was ist dann
ihre wahre Form?“

Reka antwortete. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch:

„Zorn. Nicht das rohe Toben – sondern gezähmte Kraft.

Wie eine Sonne, die gelernt hat, nicht zu verbrennen.“

Die Worte hingen einen Moment in der Luft. Doch diesmal war
es kein bedrückendes Schweigen. Es war Ehrfurcht. Staunen. Und vielleicht auch
ein Hauch von Furcht.

Dann sagte Mirella leise, fast zu sich selbst:

„Ich möchte sie wiedersehen. Nicht als Königin. Sondern als
Kriegerin.“

Cabba nickte langsam. „Sie ist gleich nebenan. Aber… ich
weiß nicht, ob sie schläft.“

Mirella legte die Hand auf den Tisch und schloss die Finger
sanft.

„Dann warte ich.“

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Kapitel 4 – Zwei, die einander sehen

Asera stand bereits draußen.

Sie hatte nichts gesagt. Keine Ankündigung, kein Geräusch.
Sie war einfach da – wie ein fester Punkt in der Welt, der keinen Grund mehr
braucht, zu bestehen. Ihr Körper war ruhig, ihre Haltung gerade, die langen
schwarzen Haare fielen lose über ihre Schultern. In der Morgensonne wirkte sie
fast unwirklich – nicht entrückt, sondern so gegenwärtig, dass alles andere zu
verblassen schien.

Mirella trat hinaus.

Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss, drinnen verblassten
Wärme und Duft des Frühstücks. Draußen aber begann etwas anderes –

etwas, das nicht zwischen Wänden stattfand.

Sie sah Asera an – und wusste, dass diese sie bereits
gespürt hatte.

„Du hast mich gespürt“, sagte sie leise.

Asera nickte kaum merklich. „Schon in der Luft.“

Kein Stolz. Kein Misstrauen. Nur eine schlichte Wahrheit.

Mirella trat näher.

Sie war Königin, Mutter, Kriegerin – und dennoch spürte sie
in diesem Moment eine seltsame Demut. Nicht aus Unterlegenheit, sondern aus
Anerkennung. Vor ihr stand jemand, der nichts mehr beweisen musste.

Eine Frau, die Schmerz und Stärke nicht trennte, sondern
miteinander trug.

„Ich habe mit deinen Gefährten gesprochen“, sagte Mirella
ruhig.

„Sie haben mir erzählt, was du bist. Was du getan hast.“

Asera antwortete nicht. Doch sie wich auch nicht aus.

Ihre Augen ruhten auf Mirella – still, durchdringend, nicht
bewertend.

Mirella ließ den Blick über ihren Körper gleiten – muskulös,
gezeichnet, aber nicht verhärtet. Da war keine Pose, keine Geste. Nur Präsenz.

„Und doch…“, fuhr sie fort, „verstehe ich es nicht. Nicht
ganz.

Vielleicht muss man es sehen, um es zu begreifen.“

Ein Windstoß fuhr durch das Gras, ließ einzelne Halme tanzen

doch die beiden Frauen standen still.

Wie zwei Pole, gleich stark, gegensätzlich.

Und doch verbunden durch etwas Unsichtbares.

Mirella hob das Kinn. Ihre Stimme war leise, aber klar:

„Heute Abend. Komm in den Palast. Allein.

Kein Empfang. Kein Hofstaat. Nur du und ich.“

Asera schwieg einen Moment. Dann kam ein einziges Wort –

fast zu ruhig, um als Antwort zu gelten.

Und doch war es mehr als Zustimmung:

„Ich komme.“

Mirella nickte.

Einmal.

Dann wandte sie sich ab.

Mit einem kraftvollen Satz erhob sie sich in die Luft.

Ihre Aura entfaltete sich mit glänzender Klarheit –

kein Zeichen von Macht, sondern von Entschlossenheit.
Wortlos verschwand sie zwischen den Wolken – zurück zu den Hallen des Palastes,

zurück zu Fragen, für die es keine Protokolle gab.

Und Asera?

Sie blieb stehen.

Still.

Ihr Blick folgte dem Lichtstreifen am Himmel – nicht als
Zeichen von Unterwerfung, sondern als stilles Anerkennen.

Denn heute Abend würde sich nichts ändern.

Aber vielleicht… würde etwas beginnen.

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Kapitel 5 – Die Grenze zwischen Kraft und Nähe

Der Abend lag schwer und still über dem Palast.

Im abgelegenen Trainingshof, fernab von goldenen Hallen,
aufdringlichen Blicken und höfischen Stimmen, wartete Königin Mirella. Ihre
Rüstung war schlicht – Leder, Stoff, Metall. Keine Krone. Keine Insignien.

Nur eine Kriegerin, die wissen wollte, was jenseits ihrer
Grenzen lag.

Der Blick zum Himmel. Die Hände offen. Das Herz bereit.

Dann kam sie.

Kein Licht, kein Knall – nur das feine Knirschen von
Stiefeln auf Stein.

Asera war da. Einfach da. Wie sie es immer war.

Mirella drehte sich um. Und da stand sie – schwarz-rote
Kampfkleidung, der braune Saiyajin-Schweif wie ein Gürtel um die Hüfte
geschlungen.

Ihre Haltung war aufrecht, ihre Augen ruhig, aber in der
Stille lag etwas Uraltes.

Etwas, das selbst die Sterne verstummen ließ.

„Ich will es wissen“, sagte Mirella. Ihre Stimme war fest,
fast fordernd.

„Wie groß der Unterschied ist.“

Asera nickte. Kein Zögern. Keine Worte.

Die Königin griff an.

Kein Test – ein Angriff. Schnell, technisch sauber, mit all
der Wucht, die ein Leben lang Vorbereitung hervorbringen konnte.

Jeder Schlag war ein Ausrufzeichen, jede Bewegung ein
Beweis.

Sie zwang Asera zur Reaktion – zum Ausweichen, zum Blocken.

Dann kam der erste echte Treffer: eine Faust, direkt auf die
Brust gezielt.

Asera hob eine Hand. Nur einen Finger.

Und blockte ihn.

Mirella erstarrte. Nur ein Hauch – aber genug, um zu
verstehen. Sie explodierte. Ihre Aura entlud sich, das Ki flackerte wie Feuer.
Der Hof bebte.

Wieder und wieder stürmte sie vor – Sprünge, Drehungen,
Tritte, Stöße.

Ein Tanz aus Wut und Würde.

Asera wich aus. Parierte.

Und schlug zurück.

Nicht hart. Aber absolut.

Ein einziger Treffer – direkt in die Seite. Mirella flog
quer über den Hof, schlug auf, rollte sich ab, kam auf die Knie. Ihre Brust hob
sich schnell. Sie zitterte.

Aber sie stand wieder auf.

„Noch nicht.“

Sie kam zurück – wilder. Nicht trotzig. Entschlossen.

Wie eine, die weiß, dass sie verliert – und es trotzdem tun
muss.

„Zeig sie mir… deine wahre Kraft“, keuchte sie.

Asera antwortete nicht sofort. Nur ihr Blick ruhte auf
Mirella.

Dann schloss sie die Augen.

Die Erde vibrierte.

Ihre Aura flackerte, dann verdichtete sie sich –
rot-violette Energie erhob sich, zuerst wie Nebel, dann wie züngelndes Feuer.
Kein Chaos, sondern Form. Kein Wüten, sondern Beherrschung. Als Asera die Augen
öffnete, waren sie weiß –

durchzogen von glühenden roten Pupillen.

Die kontrollierte Wutform.

Mirella sackte auf die Knie. Keine Berührung hatte sie
getroffen.

Und doch war ihr ganzer Körper angespannt, als würde das
Gewicht des Universums auf ihrer Wirbelsäule lasten. Ihre Hände zitterten, der
Atem war flach.

Sie keuchte. „Genug.“

Asera atmete einmal – und die Aura fiel in sich zusammen,
wie ein Sturm, der sich freiwillig zurückzieht. Die Luft beruhigte sich. Die
Nacht war wieder Nacht.

Sie trat zu Mirella.

Und reichte ihr die Hand.

Die Königin sah auf – in ein Gesicht ohne Arroganz, ohne
Triumph. Nur Ruhe.

Und etwas anderes, das sie nicht ganz deuten konnte.

Zögernd nahm sie die Hand. Asera zog sie sanft hoch.

Und erst jetzt spürte Mirella es – die Wärme.

Nicht die von Ki. Nicht die einer Waffe. Sondern die von
Nähe.

Von Gegenwart. Von jemandem, der nicht gegangen war, als es
alle taten.

Ihre Augen blieben an ihr hängen. Zu lange.

Und dann geschah es.

Kein Zögern.

Kein Plan.

Kein Befehl.

Nur ein Kuss.

Zuerst vorsichtig. Dann mit dem Gewicht all dessen, was sie
nicht sagen konnte. Kraft, Respekt, Hunger. Keine Verpflichtung – nur
Verlangen.

Als sich ihre Lippen lösten, sagte keiner etwas.

Asera hob sich in die Luft. Langsam, aufrecht, ohne einen
Blick zurück.

Mirella sah ihr nach, bis der Nachthimmel sie verschluckte.

Allein blieb sie zurück.

Mit bebender Brust.

Und einem Herz, das so laut schlug, dass selbst der Himmel
lauschte.

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Kapitel 6 – Nachklang

Die Nacht war noch jung, als Mirella den inneren
Trainingshof verließ.

Die Gänge des Palastes waren vertraut – in tausenden Tagen
durchschritten, in zahllosen Nächten durchquert. Und doch fühlte sich heute
alles anders an. Ihre Schritte waren langsamer, ihr Atem tiefer. Gedanken lagen
schwer auf ihr –

Gedanken, die nicht so leicht vergingen wie die Aura,

die noch vor kurzem den Boden erschüttert hatte.

Auf der Rückseite des Palastes, inmitten von alten Steinen
und gepflegten Bäumen, saß Ralvek auf einer Bank aus grauem Stein.

Die Arme lässig über die Lehne gelegt, das Gesicht halb im
Schatten.

Seine Stirn war gerunzelt – nicht aus Sorge, sondern aus
Nachdenken.

„Ich nehme an, das war sie“, sagte er, ohne sich umzudrehen.

Mirella blieb kurz stehen, trat dann neben ihn.

„Ja. Sie ist gegangen.“

„Und du hast gegen sie gekämpft?“

Sie ließ sich auf der Bank nieder. Einen Moment lang nur
Stille.

Dann nickte sie.

„Wenn man das so nennen kann.“

Er drehte den Kopf, sah sie an.

„Und?“

Mirella lehnte sich zurück, sah in den nächtlichen Himmel.
Ihre Stimme war leise – aber in ihr lag jene Art Klarheit, die nur aus Wahrheit
geboren wird.

„Es war… demütigend. Ich habe alles gegeben – jede Technik,
jeden Schlag. Und es fühlte sich an, als würde ich gegen ein Naturgesetz
kämpfen.

Sie war nicht mal angestrengt.“

Ralvek hob eine Augenbraue.

„Und dann?“

„Ich habe sie gebeten, mir ihre wahre Kraft zu zeigen.“

„Hat sie?“

Sie schloss kurz die Augen. Die Erinnerung war frisch – zu
frisch.

„Nur einen Augenblick. Aber es war, als würde der Raum
selbst sich verweigern.

Anfangs wollte mein Körper fliehen. Mein Geist – aufgeben.
Ich bin in die Knie gegangen, bevor sie überhaupt einen Schritt auf mich zu
machte.“

Ralvek schwieg.

Dann nickte er langsam. „Sie ist also wirklich so stark, wie
alle sagen.“

„Nein“, sagte Mirella. „Sie ist stärker.“

Ein weiterer Moment verging. Dann, ohne ihn anzusehen, sagte
sie:

„Ich habe letzte Nacht von ihr geträumt.“

Er schwieg.

„Kein gewöhnlicher Traum. Wir standen uns gegenüber… und
kämpften. Aber es war mehr. Etwas blieb zurück, als ich aufwachte. Und…

in diesem Traum habe ich sie geküsst.“

Ein Ast über ihnen knackte leise im Wind.

Oder war es nur die Spannung zwischen ihnen?

„Und heute“, fuhr sie fort, „nach dem Kampf… habe ich es
wirklich getan.“

Ralvek ließ sich das einen Moment lang auf der Zunge
zergehen.

Dann sagte er:

„Aha.“

Sie sah ihn nun direkt an.

Er zuckte mit den Schultern. „Wenn du mich im Schlaf weiter
so überraschst wie letzte Nacht, darfst du gerne öfter von ihr träumen.“

Dann, mit einem eindeutigen Grinsen: „Sag Bescheid,

wenn du sie nochmal küssen willst. Rein aus… politischem
Interesse.“

Knack.

Mirellas Faust landete auf seiner Schulter.

Nicht zerstörerisch – aber mit klarer Aussage.

Ralvek zuckte zusammen. „Auh—!“

Sie beugte sich zu ihm, ihre Stimme nun wärmer – aber
unverkennbar:

„Du bist vielleicht König. Aber ich bin deine Frau.“

„Und du bist stärker“, murmelte er und rieb sich die
Schulter.

„Verdammt.“

__

Kapitel 7 – Einladung

Die Morgensonne legte ein sanftes Gold auf die Türme des
Palastes von Sadala. Licht spiegelte sich auf poliertem Stein, während ein
einzelner Schatten sich näherte – schnell, lautlos, kontrolliert.

Asera landete wie ein Gedanke, der zur Realität wurde.
Direkt im Innenhof, wo noch die Spuren des gestrigen Kampfes im Boden sichtbar
waren.

Keine Wache kündigte sie an. Niemand musste es.

Denn alle wussten, dass sie kommen würde.

Die Diener zogen sich zurück – diskret, wie bei einer
Gewohnheit, die nie ausgesprochen wurde.

Und doch schien sie längst zur Ordnung des Palastes zu
gehören.

Am Rand des Trainingsplatzes wartete Mirella. In schlichter
Kleidung, das Haar halb zurückgebunden, stand sie ruhig, aufrecht. Ihre Haltung
war nicht königlich –

sie war persönlich. Menschlich. Bereit.

Asera verneigte sich leicht.

„Majestät.“

Mirella hob eine Braue. „Ich habe dich geküsst, Asera.“

Stille.

Nicht unangenehm. Nur bedeutsam.

Dann fuhr die Königin ruhig fort:

„Wenn du mich trotzdem noch Majestät nennen willst,

solltest du mich besser auch wieder schlagen.“

Ein feines Lächeln zuckte über Aseras Gesicht.

„Dann… Mirella.“

Mirella nickte leicht.

„So ist es besser.“

Asera trat näher. Keine Eile, kein Zögern.

„Ich bin nicht deshalb hier. Ich wollte dich informieren.“

Ihre Stimme war ruhig, wie immer. „Vados war heute früh bei
mir.“

Mirellas Blick verengte sich einen Hauch.

„Vados?“

„Sie will morgen aufbrechen – mit Caulifla, Cabba und Reka.

Ein paar Monate Training.“

Ein stiller Moment folgte. Man konnte fast spüren,

wie viele Gedanken gleichzeitig durch Mirellas Geist zogen.

„Nur die drei? Ohne dich?“

„Ja“, sagte Asera. „Vados will, dass sie sich ohne meine
Aura entwickeln.

Ihren eigenen Weg festigen.“

Mirella senkte den Blick – nicht aus Sorge, sondern aus
Respekt.

Ein langsames Einatmen, dann sagte sie:

„Meine Tochter wird also von einem Engel trainiert.“

Kein Zittern in der Stimme. Kein Zweifel. Nur Stolz – tief,
ruhig, voller Anerkennung.

Asera nickte.

„Sie ist bereit.“

„Ich weiß“, antwortete Mirella.

Ihr Blick ruhte einen Moment zu lang auf Aseras Gesicht –

zu lang, um höflich zu sein.

Aber keiner von beiden sprach es aus.

Dann:

„Bleibst du?“, fragte Mirella. „Oder fliegst du gleich
zurück?“

Asera sah sie nur an.

„Ich bleibe. Wenn du es wünschst.“

Die Königin antwortete nicht mit Worten.

Sie ging einfach los – langsam, gemessen,

mit einem leichten Dreh des Kopfes über die Schulter:

„Dann komm.

Ich frühstücke heute nicht allein.“

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Kapitel 8 – Ein Moment für sich

Der kleine Wintergarten des Palastes lag still im warmen
Morgenlicht. Sonnenstrahlen brachen durch das gewölbte Glasdach und warfen
helle Muster auf die glatten Steinplatten. Der Tisch war gedeckt –

schlicht, aber mit Sorgfalt. Frisches Brot, gebratene
Wurzeln, saftige Früchte von den Hochplateaus Sadalas. Der Duft war mild,
würzig –

und wirkte fast wie eine Umarmung.

Asera saß aufrecht, das Bein locker übergeschlagen, vor ihr
ein unberührter Teller. Ihre Hände ruhten auf dem Oberschenkel, entspannt, aber
aufmerksam. Mirella schenkte Tee ein – nicht mechanisch, nicht höflich. Sondern
mit Ruhe. Mit Zeit.

„Ich habe mit meinem Mann gesprochen“, sagte sie
schließlich,

ohne den Blick zu heben.

Aseras Augen wanderten zu ihr. Nur leicht hob sich eine
Braue.

„Ich habe ihm vom Kuss erzählt.“

Ein stiller Moment. Kein Schock. Kein Zögern.

„Und? Wird er mir den Krieg erklären?“, fragte Asera,

ein sichtbares Grinsen in den Mundwinkeln.

Mirella antwortete trocken:

„Er meinte, ich solle ihm nur vorher Bescheid sagen, falls
ich es wieder tun will.“

Sie hob nun den Blick, sah Asera direkt an.

„Offenbar hat er nichts dagegen, wenn seine Frau einer
anderen näher kommt.“

Ein leiser Laut entwich Asera – ein Lachen, zurückhaltend,
aber echt.

Kein Spott. Sondern Wärme.

„Dann richte ihm aus… dass ich beim ersten Mal lieber keine
Zuschauer haben will.“

Mirella blinzelte – nur ein Wimpernschlag – dann hob sie
leicht die Brauen.

„Du bist noch unberührt?“

Aseras Miene wurde ruhiger. Tiefer.

„Ja.“

Mirella schwieg. Keine Wertung. Kein Mitleid.

Nur das Erfassen einer Wahrheit, die viel mehr sagte, als
das Wort allein.

Sie wusste von Aseras Vergangenheit – zumindest Teile davon.
Und es war logisch.

Traurig vielleicht. Aber nicht schwach.

Nur konsequent.

„Das hätte ich nicht erwartet“, sagte sie schließlich –
ehrlich, ohne Urteil.

Asera sah zur Seite, hinaus in den Garten.

Die Zweige der Bäume wiegten sich sanft im Wind.

Ein Hauch von Frieden.

„Der Kuss war schön“, sagte sie dann.

„Aber ich denke, es ist besser, wenn es bei diesem einen
bleibt.“

Mirella rührte sich nicht. Doch sie hörte zu – spürbar.

„Auch wenn Ralvek nichts dagegen hätte“, fuhr Asera fort,

„bist du nicht nur Königin.

Du bist Rekas Mutter.“

Ihre Stimme war leise – aber bestimmt.

Nicht aus Unsicherheit. Sondern aus Klarheit.

„Ich sehe Reka wie eine Schwiegertochter. Eine Gefährtin
meines Sohnes.

Eine, die ich beschütze. Und wenn ich dich anders sehen
würde…

würde ich ihr etwas nehmen.“

Die Worte hingen in der Luft.

Nicht schwer. Nicht hart. Nur… aufrichtig.

Mirella senkte den Blick. Dann hob sie die Teekanne, goss
nach, ganz ruhig.

„Du bist wirklich kein Kind dieser Welt“, sagte sie leise.

Asera sah sie wieder an – sanft, fast schützend.

„Nein. Aber ich beschütze sie.“

Ein Moment. Ein letzter Blick. Keine Forderung. Kein
Bedauern.

Dann nahm Mirella ihre Tasse, hielt sie in beiden Händen.

„Gut“, sagte sie ruhig. „Dann war es ein schöner Moment.
Nicht mehr. Nicht weniger.“

„Genau das“, antwortete Asera.

Sie tranken – schweigend.

In stillem Einvernehmen.

Und mit einem Respekt, der keine Worte mehr brauchte.

__

Kapitel 9 – Zwischen Lächeln und Nachklang

Die Teller waren fast leer, die Teetassen längst getrunken.
Doch keine der beiden Frauen schien es eilig zu haben. Der Morgen lag weich und
golden über dem Garten, während das Gespräch in der Luft nachhallte wie der
letzte Ton eines vertrauten Liedes.

Asera saß zurückgelehnt, die Arme locker verschränkt, der
Blick zur Seite geneigt – nicht abwesend, sondern wach. Dann wanderte ihr Blick
zu Mirella.

Prüfend, aber ohne Kälte. Ein leises Schmunzeln zuckte über
ihr Gesicht.

„Deine Kinder… kommen eindeutig nach dir.“

Mirella hob eine Augenbraue.

„Das sagst du, weil sie kämpfen können?“

„Nein“, erwiderte Asera ruhig.

„Weil sie wissen, was sie wollen. Und sich nicht schämen, es
zu zeigen.“

Ein wissendes Lächeln stahl sich auf Mirellas Lippen.

„Du meinst, weil Reka sich nicht nur zu Cabba hingezogen
fühlt.

Sondern auch zu Nalli. Und Junu.“

Asera nickte.

„Ja. Aber nicht nur.“

Ein kurzer Moment der Stille. Mirellas Blick verengte sich,
neugierig, doch sie fragte nicht. Asera fuhr dennoch fort – mit jener trockenen
Gelassenheit,

die ihre gefährlichsten Sätze einleitete:

Sie beugte sich leicht vor.

„Dein Sohn Tarro scheint sich ebenfalls für die stärkste
Frau des Planeten zu interessieren. Er hat mich vor einiger Zeit in einer Bar
angesprochen.“

Mirella blinzelte.

„Was?“ Ein Herzschlag Pause. Dann lauter: „Mein Tarro?!“

Asera nickte, unbeirrt.

„Er war mutig. Oder… einfach der Einzige, der dumm genug
war.“

Mirella starrte sie an – zwischen Entsetzen und Unglauben –
dann presste sie sich eine Hand an die Stirn.

„Oh Götter. Was hat er gesagt?“

Aseras Miene blieb unbewegt.

„Das darf wirklich niemand erfahren. Aber… nennen wir es
‚direkt‘.“

Mirellas Stimme war kaum noch zu kontrollieren.

„Was hast du gemacht?“

„Ich habe ihn mit Nachdruck vor die Tür begleitet.“

Das Lachen der Königin war kurz, aber aus tiefstem Herzen.

„Dann war es wenigstens lehrreich.“

Sie atmete durch, schüttelte den Kopf.

„Mein Sohn hat eine Schwäche für starke Frauen.

Das hat schon am Hof für Gesprächsstoff gesorgt.“

Asera ließ den Moment wirken. Ihr Gesicht verlor das
Schmunzeln,

wurde wieder ernst. Nicht kalt –

nur fokussiert.

„Vegeta hat mal etwas gesagt, das mir geblieben ist“, sagte
sie ruhig. „Er meinte: Wenn ein Wesen wie ich auf einem Planeten erscheint,
gibt es nur zwei Reaktionen. Entweder wirst du begehrt – oder gefürchtet.“

Mirella schwieg.

Asera stand auf. Ihre Bewegungen waren leise, kontrolliert
wie immer.

„Ich werde gehen. Aber ich schicke dir Reka vorbei, bevor
Vados sie mitnimmt.“

Mirella sah zu ihr auf – und in ihrem Blick lag etwas Neues.
Keine Schwäche. Keine Sehnsucht. Sondern Respekt. Tief, leise, ehrlich.

„Tu das“, sagte sie. „Ich will sie noch sehen.“

Asera nickte. Dann hob sie sich lautlos vom Boden, schwebte
einen Moment auf Augenhöhe mit der Königin. Ihre Augen begegneten sich – kein
Spiel, kein Flirt, nur diese eine, klare Verbindung, die kein Name je ganz
erfassen würde.

Dann drehte sich Asera und verschwand – lautlos, wie der
Wind, der kam und ging, ohne gefragt zu werden.

Mirella blieb stehen. Lange.

Der Garten war still.

Dann – fast lautlos, mit einem leichten Kopfschütteln,

halb belustigt, halb ehrfürchtig – murmelte sie:

„Was für ein Wesen bist du nur…?“

__

Kapitel 10 – Stolz und Abschied

Leise Schritte hallten über die Marmorplatten des inneren
Hofs. Reka trat durch das schmiedeeiserne Tor, das zum privaten Gartenbereich
ihrer Mutter führte. Ihre Rüstung glänzte im Licht des Vormittags – violett,
weiß, gold. Sie bewegte sich wie jemand, der gelernt hat, nicht nur Haltung zu
zeigen, sondern sie zu sein.

Mirella stand bereits da, den Blick zum Himmel gerichtet –
dorthin, wo Asera vor wenigen Minuten verschwunden war.

Reka hielt kurz inne, dann räusperte sie sich sanft. „Du
wolltest mich sehen?“

Mirella drehte sich langsam um. Ihre Augen waren ruhig –
nicht distanziert, sondern wach. Und mütterlich. Sie musterte Reka nicht mehr
wie ein Kind, sondern wie jemand, der seinen eigenen Weg gewählt hat.

„Asera hat dich angekündigt.“

Reka trat näher. „Ich wollte es dir selbst sagen.

Ich gehe mit Vados. Für ein paar Monate.“

Mirella nickte. „Ich weiß.“

Ein Atemzug Stille – dann: „Und ich bin stolz auf dich.“

Reka blinzelte. Kurz. So deutlich hatte ihre Mutter das
selten gesagt.

Mirella trat näher. Ihre Stimme war sanft, aber mit
Nachdruck:

„Du gehst mit einem Engel ins Training. Aber das macht dich
nicht zu dem, was sie aus dir formt. Du bist das, was du selbst geworden bist.“

Reka senkte kurz den Blick. Nicht aus Unsicherheit – sondern
aus Demut.

Dann hob sie ihn wieder.

„Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wer ich bin.
Nicht nur die Tochter eines Königs. Nicht nur eine, die stark sein sollte.“

„Und jetzt?“

„Jetzt bin ich nicht mehr allein“, sagte Reka ruhig.

„Ich bin Teil von etwas. Mit Cabba. Mit Nalli. Mit Junu.“

Ein Lächeln berührte Mirellas Lippen. „Ich weiß. Und ich
habe es gesehen. Ihr seid mehr als ein Team. Ihr ergänzt euch.“

Reka nickte. „Asera hat uns gezeigt, wie viel mehr möglich
ist.

Nicht nur an Kraft. Auch an Verbindung. An Vertrauen.“

Mirella sah sie lange an. Dann legte sie ihr die Hand auf
die Schulter.

„Ich habe gegen sie gekämpft“, sagte sie leise.

„Und verloren. Vollständig. Aber nicht beschämt. Es war…
erhellend.“

Reka schmunzelte. „Ja. So fühlt es sich an.“

Mirella ließ die Hand sinken. Ihr Blick wurde weicher, aber
auch ernster.

„Und du? Hast du Gefühle für sie?“

Reka hielt inne. Dann: „Nicht wie für Cabba. Nicht wie für
Nalli oder Junu. Aber… ich bewundere sie. Und ich würde für sie kämpfen. Ohne
zu zögern.“

„Dann brauchst du keine Erklärung“, sagte Mirella.

Sie trat einen Schritt vor – und umarmte ihre Tochter. Kurz.
Fest.

„Mach aus dir das, was du selbst sein willst, Reka. Nicht
für Sadala.

Nicht für deinen Vater. Und nicht für mich.“

Reka schloss kurz die Augen. „Ich komme zurück“, sagte sie
leise. „Stärker.“

Mirella hielt sie einen Moment länger. Dann ließ sie los.
„Das glaube ich dir.“

__

Kapitel 11 – Unerwartetes Leben

Der Morgen auf Sadala begann wie so viele andere.
Sonnenlicht fiel durch die hohen Fenster der königlichen Gemächer, das leise
Wispern der Diener verhallte in den Fluren, begleitet vom Duft frisch
zubereiteter Speisen.

Und doch – irgendetwas war anders.

Etwas leiser. Etwas näher.

Königin Mirella saß auf der Untersuchungsliege in einem
abgeschirmten Flügel des Palastes. Der Raum war ruhig, medizinisch – aber nicht
kalt. Nur funktional. Still.

Die königliche Ärztin trat heran. Eine ältere Saiyajin, mit
weiß durchzogenem Haar, kühlem Blick und einer Stimme, die nichts beschönigte.
Sie legte ihr Pad beiseite. Ein leichtes Nicken.

„Die Ergebnisse sind eindeutig, Hoheit.“

Mirella runzelte die Stirn. „Sprich.“

Ein kurzer Moment – fast zu respektvoll, um zögerlich zu
sein. Dann kam die Antwort, sachlich, klar: „Ihr seid schwanger.“

Die Zeit hielt kurz den Atem an.

Mirella blinzelte. Einmal. Dann noch einmal.

„…Was?“

Die Ärztin blieb ruhig. „In der sechsten Woche.“

Ein Lautloser Moment. Die Worte hingen im Raum wie Nebel –
nicht greifbar, nicht fassbar. Mirella sagte nichts. Nur ein leises, kaum
sichtbares Kopfschütteln, als müsste sie innerlich die Welt neu sortieren.

„Ich dachte… ich könnte gar nicht mehr schwanger werden. Ich
bin fast fünfzig.“

Die Ärztin hob leicht die Schultern – wissend. „Das ist bei
den meisten Saiyajin-Frauen der Fall. Aber… je stärker eine Saiyajin ist, desto
länger bleibt sie fruchtbar. Und Ihr seid…“

„…stärker als jeder Mann am Hof“, beendete Mirella trocken.

„Deutlich“, bestätigte die Ärztin mit einem Anflug von
Respekt.

Mirella lehnte sich langsam zurück. Ihre Hand glitt über
ihren Bauch. Flach. Ruhig. Und doch…Da war etwas. Noch kein Leben, das sprach –
aber ein neues Kapitel, das sich öffnete. Ein Hauch von Wärme. Von Unruhe. Von
– Möglichkeit.

„Ich habe nicht damit gerechnet“, flüsterte sie.

„Es scheint, das Leben hat andere Pläne“, antwortete die
Ärztin.

Mirella sagte nichts. Doch in ihrem Blick lag keine Furcht.
Kein Zögern.

Nur stille Ehrfurcht. Und etwas, das fast wie Neugier
wirkte.

__

Kapitel 12 – Etwas erwacht

Mirella saß noch immer regungslos. Ihre Finger lagen leicht
auf dem Bauch, als wolle sie das Unfassbare dort greifen, wo es gerade erst
begonnen hatte. Die Ärztin stand am Rand des Raumes, das Pad in der Hand, die
Augen auf die Daten gerichtet – doch ihre Stimme blieb ruhig, beinahe
einfühlsam.

„Eure Reaktion ist nachvollziehbar, Hoheit.

Doch… in letzter Zeit kommt das häufiger vor.“

Mirellas Blick hob sich.„Was meinst du damit?“

Die Ärztin nickte langsam. „Es geschieht nicht nur Euch.
Auch andere Frauen, die längst glaubten, ihre Zeit sei vorbei, erwarten
plötzlich ein Kind. Eine ehemalige Frontkommandantin – fast sechzig. Und vor
zwei Wochen… eine Bäuerin aus dem Westen. Mit über siebzig.“

Ein leises Stirnrunzeln legte sich auf Mirellas Gesicht.
„Was verändert das plötzlich?“

Die alte Saiyajin sah sie aufmerksam an. „Es begann ungefähr
zur selben Zeit, als diese neue Energie spürbar wurde. Die Kraft, von der der
König in seiner Ansprache sprach. Er versicherte dem Volk, dass keine Gefahr
von ihr ausgeht.“

Mirella schwieg.

Natürlich wusste sie, wovon die Ärztin sprach. Jeder auf
Sadala spürte sie. Diese Veränderung. Diese stille, aber allgegenwärtige Kraft.
Ein Pulsieren in der Luft, ein Beben im Boden, ein Fluss im eigenen Ki, den man
nicht verstand – aber fühlte.

Eine Aura. Unsichtbar. Und doch durchdringend.

Die Ärztin trat einen Schritt näher, ihre Stimme blieb
sanft.

„Vielleicht verändert sie uns nicht direkt. Aber… sie löst
etwas aus.

In Körpern. In Köpfen. In Herzen.“

Mirella sah sie fragend an.

„Viele berichten, dass sie sich klarer fühlen. Jünger. Ihr
Ki fließt freier. Ihre Körper… erinnern sich an etwas, das sie vergessen
hatten.“

Sie legte sich die Hand auf die Hüfte, ein schwaches Lächeln
begleitete die Bewegung. „Ich bin fast 120. Und doch kann ich wieder vier
Stunden durchgehend trainieren, ohne das Gefühl, am nächsten Tag
auseinanderzufallen.“

Ein leises Lachen. „Und mein Mann… er überlegt, ob er wieder
zur Armee zurückkehrt. Ich habe ihn noch nie so oft beim Schattenkampf gesehen.
Er meint, wenn das Alter ihn einholen will, dann soll es laufen lernen.“

Mirella sah wieder hinunter – auf ihren eigenen Körper, auf
die Hand, die noch immer auf ihrem Bauch ruhte. Nicht tastend. Sondern…
schützend. Fragend.

„Also verändert diese Energie den Planeten selbst… oder die
Saiyajin passen sich schneller an als je zuvor.“

Die Ärztin nickte. „Vielleicht beides. Vielleicht ist es…
als würde jemand – oder etwas – uns daran erinnern, wozu wir fähig sind.“

Mirella antwortete nicht. Doch etwas veränderte sich in
ihrem Gesicht.

Ein Hauch von Verwunderung. Kein Zweifel. Keine Angst.

Ein stilles, inneres Staunen. Ehrlich. Tief.

Fast kindlich.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit… fühlte sie sich nicht
als Regentin. Nicht als Mutter. Nicht als Kämpferin.

Sondern als Frau, die etwas Wunderbares erlebt.

Gegen jede Erwartung. Gegen jede Regel. Ein neues Leben.

__

Kapitel 13 – Noch einmal

Ralvek saß wie so oft in den Nachmittagsstunden im Garten
hinter dem Palast – einem jener Orte, die der König dem Thronsaal vorzog. Hier
sprach der Wind leiser, und das Sonnenlicht war ehrlicher. Die langen Schatten
der Bäume tanzten auf dem alten Stein, und das hohe Gras raschelte wie eine
Erinnerung an einfachere Zeiten.

Er hörte sie, noch bevor er sie sah.

Mirella kam langsam näher.

„Du wirkst nachdenklich“, sagte Ralvek, ohne sich zu
erheben.

„Dann siehst du besser, als ich dachte“, erwiderte sie
trocken – und setzte sich neben ihn. Ein stiller Moment. Keine Eile. Keine
Zeremonie.

Dann drehte sie sich zu ihm, sah ihn direkt an.

„Ralvek… du wirst noch einmal Vater.“

Stille.

Ralvek blinzelte. Einmal. Zweimal.

Dann lehnte er sich zurück, atmete hörbar aus. „Du meinst…
wir?“

Ein feines Lächeln schlich sich auf Mirellas Gesicht. „Wer
sonst?“

Er schüttelte leicht den Kopf, halb ungläubig, halb
amüsiert.

„Ich dachte, das Kapitel sei abgeschlossen.“

„Ich auch“, sagte sie ruhig. „Aber offenbar hatte das Leben
andere Pläne.“

„Ist es sicher?“

„Die Ärztin ist sich sicher. “Sie legte ihm sanft die Hand
auf den Oberschenkel.„Sechste Woche.“

Ralvek starrte in die Ferne, dort, wo Himmel und Hügel
ineinander übergingen. Dann schnaubte er leise. „Na wunderbar. Ich dachte,
Tarro bringt uns irgendwann Enkel. Und jetzt wird er noch mal großer Bruder.“

Mirella lachte – ein ehrlicher, leiser Ton.

„Falls er sich nicht vorher selbst ins Aus manövriert.“

„Hat er ja versucht… mit Asera.“

Ein gequältes Stöhnen. „Bitte, erinner mich nicht daran.“

Ein weiteres Lachen – dann wurde sie stiller.

„Ich glaube… sie ist der Grund.“

Ralvek warf ihr einen fragenden Blick zu.

„Asera“, sagte sie. „Ihre Aura. Ihre Präsenz. Sie verändert
mehr als nur die, die bei ihr sind. Die Ärztin sagt, es häuft sich – ältere
Frauen werden wieder fruchtbar, Verletzungen heilen schneller , Ki fließt wie
in jungen Jahren. Selbst sie fühlt es. Ihr Mann will wieder zur Armee.“

Ralvek runzelte die Stirn.

„Diese Energie breitet sich aus“, fuhr Mirella fort. „Nicht
gewaltsam. Nicht fordernd. Aber sie ist da. Und Sadala… antwortet.“

Er schwieg. Lange.

Dann murmelte er: „Niemand wird sich beschweren,

wenn er plötzlich stärker wird.“

„Nein“, sagte sie. „Aber wir sollten begreifen, was das
bedeutet.“

Er drehte sich zu ihr, sah sie ernst an – und dann, ganz
langsam, wich der Ausdruck von Nachdenken einem Grinsen.

„Ich werde also noch mal Vater. Und der Planet wächst gleich
mit.“

„Ja“, sagte Mirella sanft.

Er legte seine Hand auf ihre – fest, ruhig.

„Na dann… hoffen wir, dass es diesmal kein Tarro wird.“

Sie lachte und boxte ihm leicht gegen die Schulter.

„Wenn’s ein Mädchen wird, nenne ich sie Rena.“

Ralvek grinste breiter.

„Und wenn’s ein Junge wird, hoffe ich,

dass er klug genug ist, nicht mit Asera zu flirten.“

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Kapitel 14 – Großer Bruder

Tarro war im alten Kampfplatz hinter dem Nordturm – seinem
Rückzugsort, verborgen zwischen verfallenen Steinsäulen und vermoostem Boden.
Kein offizieller Trainingsplatz. Aber genau deshalb perfekt. Hier glaubte er,
dass ihn niemand störte.

Sein Hemd war durchgeschwitzt, das Haar zerzaust, der Blick
fokussiert. Er hatte in den letzten Wochen öfter trainiert. Nicht nur wegen
Reka. Oder Cabba. Oder Nalli. Oder Junu. Auch nicht nur wegen Asera.

…na gut. Vor allem wegen Asera.

Gerade spannte er zum sauberen Rundschlag an, als er
Schritte hörte. Leicht. Sicher. Nicht wie ein Diener. Und auch nicht wie ein
Soldat.

Er sah auf. Seine Mutter.

„Was machst du hier?“, fragte er, während er sich mit dem
Handrücken den Schweiß von der Stirn wischte.

„Ich hätte dich fragen können, warum du hier so verkrampft
herumfuchtelst“, konterte Mirella trocken.

Tarro verzog das Gesicht. „Ich trainiere. Diszipliniert.“

„Sieht aus wie Reka, wenn sie wütend ist.“

„Er hat mir Reka weggenommen, das war ihre Schuld!“

„Reka gehört sich selbst, Tarro“, sagte Mirella ruhig. „Und
sie hat jemanden gefunden, der sie nicht besitzen will. Du hingegen… hast Asera
einen Spruch gedrückt, den ich bis heute nicht hören durfte.“

Tarro sah betreten zur Seite. „Ich war jung und… okay, ich bin immer
noch jung.“

„Und dumm.“

„Und mutig“, fügte er trotzig hinzu.

Mirella schmunzelte – aber ihr Ton wurde weicher.„Ich bin
nicht hier, um dich zu ärgern. Ich wollte dir etwas sagen.“

Tarro hob die Braue. „Wird Asera meine neue Ausbilderin?“

„Nein.“

„Heiratet sie mich, wenn ich’s nochmal versuche?“

„Definitiv nein.“

„Also… was dann?“

Mirella sah ihn an – ernst, aber nicht streng. „Du wirst
großer Bruder.“

Stille.

Tarro blinzelte. Dann nochmal.

„…Was?“

„Ich bin schwanger.“

Tarro starrte sie an, als hätte sie gerade verkündet,

dass sie mit Asera fusioniert hätte.

„Aber… du bist doch… also…“

„Alt?“, schlug Mirella vor.

„Also… erfahren!“

Er setzte sich langsam auf die Trainingsbank. „Okay… also…
Glückwunsch?“

„Danke“, sagte Mirella mit einem leisen Lächeln.

Tarro starrte auf seine Hände. „Ich krieg echt ein
Geschwisterchen. Noch eins. Und diesmal kein Überflieger wie Reka, oder?“

Mirella legte ihm die Hand auf die Schulter. „Das Kind wird
so, wie es werden soll.“

Tarro atmete durch. „Ich hab nix dagegen.

Ehrlich. Ich hab sogar ein paar Namensideen.“

„Oh nein.“

„Was hältst du von Tarsera?“

Mirella seufzte tief. „Wenn du willst, dass ich die Geburt
mit einem

Roundhouse-Kick einleite, mach weiter.“

„Okay, okay! War ja nur ein Vorschlag.“

Dann lehnte er sich zurück, sah in den Himmel, wo sich helle
Streifen durch das Laub zogen. „Aber sag mal…“, murmelte er.

„Glaubst du, das wird wieder so ein starkes Kind? Wie Reka?“

Mirella blickte gedankenverloren in die Ferne.

„Wenn diese Energie bleibt… vielleicht sogar stärker.“

Tarro schluckte. „Toll. Erst krieg ich die mächtigste
Schwester der Geschichte. Und jetzt auch noch ein Babygeschwister, das mich mit
drei Jahren verprügeln kann.“

Mirella grinste. „Dann solltest du weiter trainieren.“

Er sah sie mit hochgezogener Braue an. „Meinst du… Asera
hilft mir?“

„Nur wenn du diesmal nicht flirtest.“

„Kein Versprechen“, murmelte er.

__

Kapitel 15 – Ursprung

Die Einladung kam nicht als Brief. Kein Siegel, kein Befehl.
Nur ein leiser Satz eines Dieners: „Die Königin erwartet Euch im östlichen
Garten.“

Als Asera dort landete, wartete Mirella bereits. Keine
Rüstung, keine Krone – nur ein schlichtes dunkelrotes Gewand, das in der
Abendsonne fast schwarz wirkte. Sie lehnte mit lockeren Händen am steinernen
Geländer, der Blick schweifte über das weite, flache Land, das im goldenen
Licht zu glühen schien.

„Du bist gekommen“, sagte sie, ohne sich umzudrehen.

„Du hast mich gerufen“, erwiderte Asera ruhig.

Mirella drehte sich langsam zu ihr. In ihrem Gesicht lag
kein Befehl, keine Unsicherheit – nur ein Ausdruck von innerer Ruhe. Und etwas,
das Asera nicht sofort deuten konnte. Nicht Härte. Nicht Freude. Etwas
Tieferes.

„Ich bin schwanger“, sagte Mirella direkt.

Asera blinzelte. Einen Atemzug lang war sie reglos.

Dann erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht.

„Das freut mich“, sagte sie – ehrlich, ohne Zögern. „Aber…
das überrascht mich.“

„Mich auch“, antwortete Mirella mit leiser Selbstironie.
„Ich dachte, mein Körper wäre längst durch mit so etwas. Aber offenbar… hält
sich Kraft nicht an Zeitpläne.“

Sie trat einen Schritt näher. Ihre Stimme blieb ruhig: „Die
Ärztin sagt, bei starken Saiyajin-Frauen ist das nicht unüblich – selbst im
hohen Alter. Doch so häufig wie in letzter Zeit? Sie vermutet, es hängt mit der
Energie zusammen, die sich über Sadala gelegt hat.“

Asera schwieg. Sie hörte zu – aufmerksam, fast andächtig.

„Du spürst es doch auch“, sagte Mirella. „Seit du hier bist,
hat sich etwas verändert. Verletzungen heilen schneller. Kinder werden
schneller stärker. Alte Krieger… spüren neue Kraft. Es ist, als hätte der
Planet selbst begonnen, sich zu erinnern.“

Asera nickte langsam. „Ich habe es bemerkt.

Aber nie hinterfragt. Es war einfach… da.“

„Weil du da bist“, sagte Mirella.

Sie sah Asera ruhig an. „Deine Aura ist keine Welle. Sie ist
kein Angriff. Du tust nichts – und doch verändert sie alles. Nicht, weil du es
willst.

Sondern weil du bist, wie du bist.“

Aseras Stimme war leise, fast brüchig: „Das war nie mein
Ziel. Ich wollte nur, dass meine Familie stark genug ist, um zu überleben.“

„Und stattdessen stärkst du ein ganzes Volk“, antwortete
Mirella.

„Nicht durch Training. Sondern durch Anwesenheit.“

Sie stand nun direkt vor ihr. Kein Abstand mehr. Keine
Mauer.

„Du bist kein Gott“, sagte sie. „Und doch spürst du, was du
ausgelöst hast.“

Asera nickte. „Ja. Ich weiß es. Ich sehe es in den anderen.
Ich… frage mich nur, wie lange es anhält.“

Mirellas Stimme wurde leise. „Solange du bleibst.“

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Kapitel 16 – Zwischen Versprechen und Vorbereitung

Ein sanfter Wind zog durch den Garten und trug den Duft
blühender Hochlandpflanzen mit sich – frisch, lebendig, verheißungsvoll. Asera
hatte den Blick wieder in die Ferne gerichtet, dorthin, wo die Sonne langsam
hinter den Hügeln versank. Der Himmel brannte in goldenen Farben – still und
eindrucksvoll wie das, was gerade unausgesprochen zwischen ihnen lag.

Doch ihre Worte waren klar. Ruhig. Direkt.

„Wenn du es Reka selbst sagen willst… solltest du vielleicht
nicht mehr vorbeikommen, sobald man deinen Bauch sieht.“

Mirella hob überrascht eine Braue. „Oh?“

Asera schmunzelte kaum sichtbar. „Nalli und Junu werden sich
sicher nicht zurückhalten können. Und ich möchte vermeiden, dass Reka davon
erfährt, bevor du es ihr selbst gesagt hast.“

Ein leises, amüsiertes Lachen kam von Mirella.

„Du denkst wirklich, die beiden würden…?“

„Ja“, unterbrach Asera trocken.„Definitiv.“

Ein kurzer Moment des stillen Einvernehmens lag zwischen
ihnen – ein gemeinsames Bild, das unausgesprochen beide vor Augen hatten: zwei
junge Saiyajin, neugierig, direkt, wild entschlossen… und kaum zu bremsen.

Dann legte Asera leicht den Kopf zur Seite. Ihr Ton war
sachlich – aber nicht kühl.

„Wenn du mich brauchst – in dieser Zeit – schick lieber
einen Boten.“

Mirella nickte langsam, anerkennend. „Das ist… klug. Und
rücksichtsvoll.“

Asera trat einen halben Schritt zurück. Ihr Körper spannte
sich leicht, bereit zum Abflug – doch sie hielt noch einen Moment inne. Ihre
Stimme wurde weich:

„Aber du bist natürlich jederzeit willkommen.“

Mirella sah ihr nach. Ihre Haltung blieb aufrecht, königlich
– aber in ihren Augen lag ein warmer Glanz, wie man ihn bei ihr nur selten sah.

„Das weiß ich“, antwortete sie leise.

Asera hob sich in die Luft – langsam, ruhig, als würde der
Abend selbst sie tragen. Ihre Silhouette wurde kleiner, dunkler, ein Schatten
gegen das letzte Gold des Tages.

Mirella blieb allein im Garten zurück.

Die Hand auf ihrem Bauch. Den Blick auf die letzten Strahlen
der Sonne.

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Kapitel 17 – Maß und Wirkung

Die Sonne hing tief über den Hügeln außerhalb der
Hauptstadt. Ihr Licht färbte die Landschaft in

weiches Gold, zog lange Schatten über Bäume, Erde und den
schlichten Bau, den Asera ihr Zuhause

nannte. Kein herrschaftlicher Ort – eher ein Rückzugsort.
Voller Ruhe. Voller Kraft.

Drinnen war es still.

Nur aus der kleinen Küche kamen gedämpfte Stimmen. Nalli,
Junu und Kale saßen im warmen

Abendlicht beisammen, redeten leise über Techniken, Pläne,
nächste Schritte.

Der Geruch von frisch gebackenem Brot und gebratenem Gemüse
hing in der Luft.

Asera stand am offenen Fenster, die Arme hinter dem Rücken
verschränkt,

den Blick auf den Pfad gerichtet.

Dann spürte sie sie.

Eine vertraute Aura. Klar. Fokussiert.

Das leise Klopfen kam kaum eine Sekunde später.

Sie öffnete die Tür, noch bevor es ein zweites Mal nötig
war.

„Mirella“, sagte sie ruhig.

Die Königin trug ein einfaches Gewand, kein Schmuck, keine
Rüstung – nur einen dünnen Umhang,

der im Wind leicht flatterte. Ihr Blick war wach, aber nicht
streng.

Ihre Haltung: entschlossen, aber offen.

„Darf ich?“

Asera trat zur Seite.

„Natürlich.“

Sie traten ein. Die drei Jüngeren blickten auf – nicht
erschrocken, sondern überrascht.

Neugierig.

„Ist was?“, fragte Nalli direkt, ein Brotstück in der Hand.

Mirella trat näher an den Tisch. Kale nickte ihr respektvoll
zu, Junu setzte sich etwas gerader hin.

Nalli blieb sitzen, aber sah nun konzentrierter drein.

„Ich bin gekommen, um ein Gespräch zu beenden, das Asera und
ich begonnen haben“,

sagte Mirella ruhig.

Sie drehte sich zu Asera.

„Ralvek und ich haben gesprochen.“

Asera verschränkte die Arme.

Wartete.

„Wir glauben… es geht zu schnell.“

Mirellas Stimme war ruhig – aber bestimmt.

„Nicht, weil du etwas falsch machst. Sondern weil unser Volk
nicht so schnell denkt, wie es fühlt.“

Asera sagte nichts.

„Die Veränderungen auf dem Planeten sind massiv. Ja,
positiv. Aber auch… verstörend.

Alte Krieger beginnen, an sich zu zweifeln. Junge verlieren
das Maß. Einige fürchten,

was sie nicht verstehen – schweigend. Andere stürzen sich
blind hinein.“

Ein stiller Moment.

Dann sagte Nalli:

„Aber das ist doch nichts Schlechtes. Wir werden doch
stärker!“

Junu nickte zu Asera.

„Du hilfst uns allen.“

Asera sah sie an – und lächelte sanft.

„Ich weiß. Aber nicht alle empfinden es so. Und ich will
nicht, dass mein Dasein Misstrauen sät.“

Kale sah sie ernst an – mit Sorge, nicht mit Angst.

„Willst du… gehen?“

Asera schüttelte leicht den Kopf.

„Niemals. Aber ich werde meine Aura ab jetzt kontrollieren.
Ich setze sie nur noch beim Training ein –

für euch drei. Damit ihr weiter wachst. Aber außerhalb
davon… werde ich sie unterdrücken.“

Sie blickte zu Mirella.

„Damit der Rest des Planeten atmen kann. Damit er Zeit zum
Verstehen hat.“

Die Königin trat näher.

Legte ihr die Hand auf den Oberarm. Kurz. Fest.

„Danke“, sagte sie leise.

Einen Moment lang war es still. Nur das Knistern der Pfanne
in der Küche unterbrach die Luft.

Dann Kale – zögerlich, aber mit leuchtenden Augen:

„Möchtest du… bleiben? Zum Essen?“

Mirella sah überrascht auf.

Dann lächelte sie – weich, echt.

„Ja.

Sehr gern.“