#11 Das Ende eines Tyrannen
Kapitel 1 – Unerwarteter Besuch
Die Küche war still – abgesehen vom rhythmischen Schneiden
des Gemüses und dem gelegentlichen leisen Brutzeln in der Pfanne.
Asera stand am Herd, die langen schwarzen Haare locker
gebunden, den
dunklen Kampfanzug abgelegt, nur in einem einfachen
violetten Oberteil und Hose. Es war einer dieser seltenen Momente des Friedens.
„Nalli, nicht naschen“, sagte sie ruhig, ohne sich
umzudrehen.
„Hab ich nicht!“, kam es protestierend von der Tür –
gefolgt von Junus trockenem „Doch, hast du.“
Kale lachte leise, während sie den Tisch deckte.
Für einen Augenblick wirkte alles… normal.
Dann geschah es.
Asera erstarrte. Ihre Hand hielt noch das Messer, doch ihr
Blick war leer in die Ferne gerichtet. Eine Sekunde – dann die nächste – dann…
Er ist hier.
Ohne ein Wort ließ sie das Messer sinken.
Die drei jungen Saiyajin bemerkten sofort die Veränderung.
„Asera?“ Kale trat näher, besorgt. „Was ist los?“
„Bleibt hier“, sagte sie nur. Ihre Stimme war ruhig, aber so
tief durchdrungen von Schärfe, dass keine von ihnen wagte, sich zu bewegen.
Draußen am Himmel veränderte sich etwas. Ein Flackern – dann
ein Licht, so grell, dass es den Himmel über Sadala durchbrach wie eine Lanze.
Eine gewaltige Energiekugel raste auf die Hauptstadt
zu – präzise, tödlich, voller Absicht.
Doch bevor jemand am Boden reagieren konnte – war sie
bereits da.
Asera stand über der Hauptstadt. Kein Schrei, kein Zögern.
Mit einer einzigen ausgestreckten Hand fing sie die
Energieattacke auf.
Die Luft zitterte. Die Welle aus Druck breitete sich in alle
Richtungen
aus – und brach an ihrer Hand.
Die Kugel flackerte – dann zerfiel, als würde sie vom Griff
der Realität gelöst.
Nur Aseras Haare wehten im Nachhall, die Augen halb
geschlossen.
Sie sprach leise. „Frost…“
Ihre Stimme war kaum hörbar, doch sie hallte durch den
Himmel.
„Du hast einen Fehler gemacht.“
__
Kapitel 2 – Die Warnung
Frost hatte sich seiner Sache sicher gefühlt.
Seine Scanner zeigten keine besonderen Energiesignaturen auf
Sadala.
Die Schutzsysteme waren primitiv im Vergleich zu seiner
Technologie,
die königlichen Truppen verstreut, das Team von Champa nicht
vollständig
auf dem Planeten – es war die perfekte Gelegenheit.
„Meister Frosts Attacke ist unterwegs. Einschlag in drei
Sekunden“,
sagte einer der Piraten im Basisschiff.
Frost mit breitem Grinsen. „Lasst sie in Panik geraten.
Ich werde meine Rache bekommen!“
Doch in dem Moment, in dem die Kugel auf den Planeten
zuschoss, geschah etwas, das nicht einmal seine Sensoren erfassen konnten.
Plötzlich – war sie da.
Asera.
Sie schwebte über der Hauptstadt. Ihre Präsenz war wie ein
Riss im Raum selbst.
Und sie hielt die Energiekugel auf – mit einer Hand.
Frosts Augen weiteten sich.
„Unmöglich…“
Dann veränderte sich ihr Körper. Ihre dunklen Haare loderten
auf, wurden Grau, wilder, ehe sie in tiefrot-violettem Licht explodierten.
Ihre Augen waren nun weiß, nur von roten Pupillen
durchbohrt.
Ihre Aura… sie war nicht chaotisch. Sie war entschlossen.
Absolut.
Frost wollte sich zurückziehen – zu spät.
Asera war bereits vor ihm.
Sie sagte kein Wort.
Sie bewegte sich.
Was folgte, war kein Kampf. Es war ein Urteil.
Ein einziger Schlag durchschlug seine Panzerung, seine
Brust, seine Hoffnung.
Frost wurde in einer Druckwelle zerrissen, die selbst das
Vakuum erschütterte.
Keine Gnade, kein Zögern.
Die Piratenflotte reagierte verzögert – einige wollten
feuern, andere fliehen.
Asera hob den Blick.
Ihr Körper leuchtete, ihre Aura wuchs und dehnte sich aus –
ein gewaltiger Wirbel aus rot-violetter Energie, die in den Himmel schoss.
Dann breitete sie die Arme aus.
Die Aura löste sich von ihr wie eine Welle und raste durch
das All.
Jedes Schiff, das nicht augenblicklich abdrehte, wurde
getroffen –
ihre Systeme implodierten, ihre Hüllen barsten.
Explosionen rissen durch den Orbit von Sadala.
Nur wenige Kapseln entkamen – und auch das nur, weil Asera
es zuließ.
Sie wollte, dass jemand davon erzählte.
Sie schwebte still im Trümmerfeld. Kein Wort. Kein Triumph.
Nur Stille.
Dann – nur ein Satz, in den Kosmos gesprochen:
„Wenn ihr glaubt, Sadala sei schwach – erinnert euch an
diesen Moment.“
__
Kapitel 3 – Als wäre nichts gewesen
Ein Schatten fiel über das Haus.
Kale, Junu und Nalli standen draußen auf der Terrasse, noch
immer in der Nähe der kleinen Gartenbank, wo sie Asera zuletzt gesehen hatten.
Der Himmel hatte vor wenigen Minuten gebebt –
ein fernes Licht, das selbst am helllichten Tag zu sehen
war, hatte den Horizont zerrissen. Die Luft vibrierte noch immer leicht.
Und dann – kam sie zurück.
Asera landete sanft vor ihnen. Keine Explosion, kein Lärm,
nur der leise Windstoß, der von ihrer Aura übrig blieb. Ihre Haare wehten
leicht, noch immer von der Energie durchzogen, die sie gerade entfesselt hatte.
Die Augen wieder dunkel.
Die Aura verschwunden.
In ihrer Hand: ein kleiner Beutel mit Gewürzen.
„Der Laden hatte gerade offen“, sagte sie ruhig, als wäre
sie nur kurz fort gewesen.
Die drei standen mit offenem Mund da. Nalli zeigte mit dem
Finger auf sie, versuchte etwas zu sagen – brachte nur ein ersticktes Geräusch
hervor.
„Du… das da oben… das warst du…“, stammelte Junu.
Asera blickte zu ihr – nicht ungeduldig, nicht überheblich,
einfach… gelassen.
„Ich wollte nicht, dass das Essen anbrennt“,
sagte sie und ging an ihnen vorbei ins Haus.
Kale sah ihr nach, flüsterte leise: „Sie hat ihn… wirklich
getötet…“
Nalli murmelte: „Und seine Flotte… sie hat die ganze
Flotte…“
Im Inneren der Küche hörte man das leise Klingen von
Tellern, das Zischen der Pfanne.
Asera stand wieder am Herd, als wäre nichts gewesen.
Als hätte sie nicht gerade das Universum gewarnt.
Als Kale vorsichtig zur Tür trat, drehte Asera sich halb zu
ihr um.
„Kale. Hol bitte den Reis aus dem Dampfkocher. Und ihr zwei
deckt den Tisch.“
Dann – ein winziges, kaum sichtbares Lächeln.
„Ich hab versprochen, dass es heute euer Lieblingsessen
gibt.“
__
Kapitel 4 – Der Name, den keiner kannte
Die Straßen von Sadalas Hauptstadt waren still.
Keine Sirenen, keine Truppen, keine Evakuierungen. Nur
Stille – jene Art, die entsteht, wenn eine Katastrophe angekündigt, aber nie
eingetroffen ist.
Und alle wussten, warum.
Über dem Marktplatz war es geschehen.
Ein Licht, ein Beben – und dann stand sie da.
Eine Frau, groß, muskulös, mit einer Präsenz, die den Himmel
selbst zerrissen hatte. Alle hatten es gesehen: wie sie die gewaltige Kugel mit
einer Hand aufhielt.
Wie sie verschwand. Und wie sie, Minuten später, auf dem
Platz vor dem kleinen Kräuterladen gelandet war.
Ohne Eile hatte sie ein paar Worte mit dem verdutzten
Verkäufer gewechselt, bezahlt – und war wieder aufgestiegen, in Richtung
Westen.
Die Verkäuferin nebenan hatte das Gemüse fallen lassen.
Kinder hatten sich an die Beine ihrer Eltern geklammert. Und ein alter Mann –
Veteran vergangener Kriege – hatte sich langsam gesetzt, den Blick nach oben
gerichtet.
„Frost…“, murmelte er. „Das war Frost.“
Die Leute um ihn herum hörten es. Manche flüsterten es
weiter. Und je mehr darüber nachdachten, desto klarer wurde ihnen, was sie
gerade gesehen hatten.
„Er hätte uns vernichtet“, sagte der Alte, seine Stimme nun
lauter. „Diese Kugel… so etwas hab ich nicht mal im Krieg gesehen.“
Eine Frau neben ihm presste die Hand auf den Mund. „Sie hat
uns gerettet.“
Ein junger Mann starrte noch immer in den Himmel. „Wer war
sie?“
Niemand wusste es. Niemand –
außer einer Stimme, die plötzlich durch die Menge sprach.
„Ich kenne sie“, sagte ein Botschafter in königlicher
Uniform. „Sie lebt im Westen. Abgeschieden. Man sagt… sie sei nie zur Armee
gegangen.
Niemand weiß, was sie wirklich ist.“
Der Veteran erhob sich, langsam, würdevoll. „Ich weiß, was
sie ist“, sagte er.
Alle Blicke richteten sich auf ihn.
„Sie ist das, was wir immer geglaubt haben, nur ein Mythos
sei. Kein König. Kein General. Kein Held aus alten Liedern. Sie ist… eine
Antwort.“
Stille.
Dann begannen erste Stimmen, ihren Namen zu suchen.
„Wie heißt sie?“
„Wer kennt sie?“
Doch niemand wusste es.
Nur einer – der König von Sadala, der diesen Moment aus der
Ferne beobachtete – sprach den Namen leise vor sich hin,
während er auf die Trümmer der zerstörten Flotte blickte:
„Asera.“
Ein Name, den bald das ganze Universum kennen würde.
__
Kapitel 5 – Die Mauer bröckelt
Im Thronsaal von Sadala herrschte gespannte Stille.
Der König stand an der breiten Fensterfront, die Hände auf
dem Rücken verschränkt, den Blick auf den fernen Himmel gerichtet, wo noch
immer einzelne glühende Wrackteile der zerstörten Flotte zu sehen waren.
Hinter ihm trat Königin Mirella ein. Ihre Haltung war wie
immer aufrecht, ihre Schritte ruhig, doch ihre Augen sprachen von einem klaren
Gedanken:
„Es beginnt.“
Ralvek nickte langsam. „Es war nur eine Frage der Zeit.“
„Wir wussten, dass sie mehr ist. Aber wir haben
unterschätzt,
wie sehr ihre Präsenz den Planeten verändert hat.“
Sie drehte sich zum Raum. Die Höflinge, Berater, Soldaten –
alle flüsterten bereits. Nur Tarro, still am Rand, wusste mehr. Doch er
schwieg.
„Seit sie hier ist, haben selbst unsere stärksten Krieger
begonnen, sich zu verändern. Selbst alte kommen wieder zu Kräften. Verletzungen
heilen schneller.
Unsere Leute… werden stärker.“
Ralvek sagte nichts.
Mirella fuhr fort: „Und nun hat jeder gesehen, wozu sie
wirklich fähig ist.
Sie hat den Planeten gerettet. Und keiner weiß, wer sie
ist.“
Ein Hauptmann eilte herein. „Majestät – Unruhe auf dem
Marktplatz. Die Bürger versammeln sich. Sie wollen wissen, was passiert ist –
wer diese Frau war.“
„Noch halten die Wachen sie zurück“, fügte er hinzu.
„Aber… nicht mehr lange.“
Tarro trat nun hervor. Zum ersten Mal an diesem Tag sprach
er laut: „Sie werden fordern, dass wir Stellung beziehen. Und wenn wir es nicht
tun…
werden sie selbst nach ihr suchen.“
Mirella schwieg einen Moment.
Dann drehte sie sich zu einem jungen Soldaten an der Tür.
„Bring ihr eine Nachricht“, sagte sie mit ruhiger Stimme.
„Flieg. Sofort. Sag ihr…“
Sie hielt kurz inne. Dann formulierte sie langsam:
„Sag ihr, dass ich sie bitte, zu kommen. Bevor das Volk
es einfordert.“
Der Soldat salutierte. „Wird gemacht, Hoheit!“
Und dann – verschwand er mit einem Rausch aus Energie
durch die Kuppel des Palasts.
Zurück im Raum blieb nur die Erkenntnis, die keiner
aussprechen wollte:
Die Zeit, in der Asera nur eine stille Fremde war, war
vorbei.
__
Kapitel 6 – Zwischen Hoffnung und Pflicht
Der Tisch war gedeckt, der Duft des Essens erfüllte das
kleine Haus. Asera saß ruhig an ihrem Platz, eine dampfende Schüssel in den
Händen, während Kale, Junu und Nalli ihr gegenüber kaum einen Bissen
herunterbekamen.
Nalli starrte immer wieder verstohlen zur Tür. Junu spielte
mit den Essstäbchen. Kale blickte Asera gelegentlich an – als müsste sie sich
jedes Mal neu vergewissern, dass sie wirklich hier saß. Asera selbst wirkte
unbewegt.
Doch innerlich spürte sie es: den Wandel.
Sie hatte gehofft… wirklich gehofft, dass es anders laufen
würde. Dass sie dem Volk keine Erklärungen schuldig sein würde. Dass diese Welt
– so lebendig, so hoffnungsvoll – ihre Kraft einfach akzeptieren würde, wie die
Wärme einer Sonne. Ungesehen. Und doch unersetzlich.
Aber das war naiv gewesen. Das wusste sie jetzt.
Ein hoher, klarer Klang durchschnitt plötzlich die Luft –
das Signal eines Ankömmlings.
Der Bote landete vor dem Haus, die Tür öffnete sich, noch
bevor er anklopfen konnte. Asera stand bereits da.
„Majestät Mirella bittet um ein Gespräch“, sagte er, mit
Respekt in der Stimme – aber auch mit einer gewissen Dringlichkeit.
„Das Volk versammelt sich.“
Asera antwortete nicht sofort. Sie blickte über die Schulter
zu Kale, Nalli und Junu.
Kale wollte aufstehen, etwas sagen, doch Asera hob nur sanft
die Hand.
„Es ist in Ordnung“, sagte sie ruhig. „Es musste irgendwann
so kommen.“
Sie drehte sich wieder zum Boten. „Führ mich.“
Der Flug zum Palast war kurz. Die Welt unter ihnen schien
Asera mit anderen Augen zu sehen. Wo früher neugierige Blicke nur den
Kampfanzug oder ihre ruhige Art betrachteten, hafteten nun Ehrfurcht, Staunen –
und Furcht.
Als sie durch das große Nordtor zum Palast flog, war klar:
Das Versteckspiel war vorbei.
Die Frau, deren Aura den Planeten verändert hatte. Die Frau,
die Frost vernichtet hatte. Die Frau, die niemand kannte. Sie war
nun die Frau, die alle sehen wollten.
Und der Palast wartete bereits.
__
Kapitel 7 – Der erste Schritt ins Licht
Die großen Tore des Palasts öffneten sich langsam, begleitet
vom metallischen Klang sich verschiebender Sicherheitsplatten. Zwei Reihen
Palastwachen standen stramm, doch man konnte das Flimmern ihrer Aura nicht
übersehen – einige hielten den Atem an, andere wagten kaum, den Blick zu heben.
Asera trat ein. Kein Prunk. Keine Pose. Sie ging ruhig, mit
geradem Rücken, in ihrer einfachen Kleidung – ohne Rüstung, ohne sichtbare
Macht. Und doch füllte sie den Raum mit etwas, das sich wie Schwerkraft
anfühlte.
Die Blicke der Wachen, der Berater, selbst die der Adligen
richteten sich auf sie. Manche voller Ehrfurcht. Andere voller Unsicherheit.
Und einige – voller Furcht.
„Das ist sie…“, flüsterte jemand.
„Die aus dem Westen…“
„Die mit der Aura…“
„Die Frost vernichtet hat…“
Sie spürte es. Ihre Schritte hallten über den polierten
Boden wie Donner in einem leeren Tal. Doch sie ging weiter – ohne Hast. Ohne
Eile.
Vor dem Thron warteten bereits drei Personen.
König Ralvek – aufrecht, mit verschränkten Armen. Tarro –
nervös, aber bemüht, Haltung zu bewahren. Und Königin Mirella – ruhig, wachsam,
mit einem Ausdruck in den Augen, den Asera gut kannte: Entschlossenheit,
gemischt mit Erwartung.
Asera blieb wenige Schritte entfernt stehen. Senkte leicht
den Kopf –
nicht aus Unterwerfung, sondern aus Respekt.
„Majestäten.“
Ralvek antwortete nicht sofort. Er musterte sie.
Dann sagte er mit leiser, tiefer Stimme:
„Du bist also bereit, dass sie dich sehen.“
Asera hob den Blick. „Es war nie mein Wunsch, gesehen zu
werden.“
Mirella trat einen Schritt näher. „Und doch wurdest du es.“
Stille.
Dann wandte sich die Königin halb zu ihrem Gemahl und ihrem
Sohn.
„Ich möchte mit ihr allein sprechen.“
Ralvek nickte. Tarro zögerte – dann ging auch er,
gefolgt von den Wachen und Beratern.
Die Tore schlossen sich lautlos hinter ihnen.
Zurück blieben nur Asera und Mirella.
Ein Moment zwischen zwei Frauen, zwischen Vergangenheit und
Gegenwart,
zwischen Pflicht und Selbstbestimmung.
__
Kapitel 8 – Das Gespräch mit der Königin
Die Stille nach dem Schließen der Türen war dicht.
Mirella stand einige Schritte vor dem Thron, den Rücken
gerade, die Hände gefaltet. Asera ihr gegenüber, die Arme locker an der Seite.
Zwei Frauen, verschieden in Herkunft, gleich in Ernst.
„Ich danke dir, dass du gekommen bist“, begann Mirella.
„Ich bin nicht hier, um gefeiert zu werden“, erwiderte Asera
ruhig.
Mirella nickte leicht. „Das glaube ich dir. Aber das spielt
jetzt keine Rolle mehr.“
Asera schwieg.
Die Königin trat näher. „Du bist seit über einem Jahr hier.
In aller Stille. Du hast niemandem deine Geschichte aufgezwungen, dich nicht
eingemischt, kein Aufsehen erregt. Und trotzdem… hat sich der gesamte Planet
durch dich verändert.“
Sie machte eine kleine Geste zum Fenster,
wo der Himmel noch vom letzten Licht des Tages glühte.
„Die Kämpferinnen werden stärker. Kinder zeigen Kräfte, die
früher erst mit zwanzig erwachten. Selbst ich… spüre es. In meinem Blut.“
„Ich wollte nur… bleiben dürfen“, sagte Asera leise.
Ihre Stimme war fester als sonst – fast rau.
Mirella sah sie lange an. „Du hast es verdient. Aber du
weißt, dass es nicht so einfach bleibt. Heute hat jeder gesehen, wer du
wirklich bist. Nicht was. Wer.“
Ein Moment verging. Dann sprach sie weiter, ruhiger:
„Der König hat das Volk beruhigt. Immer wieder.
Gesagt, diese Kraft sei keine Gefahr. Dass sie uns schützt.“
„Er hat nicht gelogen.“
„Nein“, sagte Mirella, „aber er hat auch nie gesagt, wer
du bist.“
Asera sah zur Seite. „Es hätte nichts verändert.“
„Du irrst dich“, entgegnete Mirella. „Aber ich verstehe,
warum du es geglaubt hast.“
Ein paar Schritte trennten sie nun nur noch. Mirella blickte
Asera direkt an.
„Du hast diesen Planeten gerettet. Nicht mit Worten. Nicht
mit Diplomatie.
Sondern… mit allem, was du bist.“
Asera hob den Blick. Ihre Augen – dunkel, ruhig – trafen auf
den klaren,
bestimmenden Blick der Königin.
„Also frag ich dich nicht als Königin. Nicht einmal als
Mutter,
die ihr eigenes Kind in deiner Nähe weiß.“
Pause.
„Ich frage dich als Frau, die ihre Welt beschützt: Wirst du
dem Volk begegnen?
Oder willst du, dass ich sie belüge?“
Ein leiser Atemzug. Dann sagte Asera nur:
„Wenn du mich rufst – werde ich kommen.“
Mirella nickte. „Dann rufe ich dich.“
__
Kapitel 9 – Die Wahrheit vor allen Augen
Asera sah noch einen Moment lang in Mirellas Gesicht, dann
glitt ihr Blick tiefer.
Sie zog eine Augenbraue leicht hoch.
„Du hast es mir zwar gesagt, aber… jetzt sieht man es.“
Mirella lächelte fast unmerklich, legte eine Hand auf ihren
Bauch.
„Es wird schwieriger, es zu verstecken.“
„Dann solltest du bald nicht mehr zu mir kommen“, sagte
Asera leise.
„Nalli und Junu werden dich nie wieder in Ruhe lassen, wenn
sie es sehen.“
„Ich weiß.“ Ein sachter Seufzer. „Deshalb hast du wohl recht –
vielleicht ist es besser, wenn du zu uns kommst.“
Asera nickte. Dann wandte sie sich zur Tür.
Vor dem Palast
Ein Meer aus Stimmen füllte den Platz. Hunderte, vielleicht
tausende Saiyajin hatten sich versammelt – manche mit Fragen, manche mit Sorge,
manche mit auflodernder Hoffnung. Soldaten hielten die Linien, versuchten, Ruhe
zu wahren,
doch es war spürbar: Das Volk wollte eine Antwort.
Dann geschah es.
Die Palasttore öffneten sich erneut –
Asera trat hinaus.
Ein Raunen ging durch die Menge. Manche wichen einen Schritt
zurück.
Andere traten näher. Viele verstummten.
Sie ging langsam nach vorn, blieb auf der obersten Stufe
stehen. Der Himmel war klar, die Luft gespannt. Und dann – sprach sie.
Ihre Stimme war ruhig, aber sie trug weit.
„Ich bin eine von euch. Eine Saiyajin.“
Stille.
„Aber ich komme nicht von Sadala. Ich stamme aus einem
anderen Universum.“
Ein Schock ging durch die Reihen. Keiner sprach es aus –
aber es lag in der Luft:
Es gibt noch andere Universen?
Asera fuhr fort.
„In meinem Universum wurde unsere Heimatwelt –Planet
Vegeta – durch Frosts Spiegelbild zerstört. Einen Tyrannen, den ihr nicht
kennt: Freezer.“
Sie ließ ihre Worte wirken. Keine Dramatik – nur Wahrheit.
„Nur eine Handvoll überlebte. Damals. Auch heute hätte es
so enden können – aber
diesmal war ich da. Und diesmal… habe ich es verhindert.“
Die Menge war stumm.
„Ich werde es wieder tun, wenn es nötig ist. Nicht weil
es meine Pflicht ist –
sondern weil ich hier etwas habe, das ich nie hatte.“
Sie drehte sich leicht, blickte zurück – dorthin, wo hinter
ihr auf der Balustrade Ralvek, Tarro und Mirella standen.
„Ich habe eine Familie. Freunde. Eine Welt, die ich
beschützen will.“
Dann wandte sie sich wieder dem Volk zu.
„Ich werde keine Titel tragen. Keine Befehle geben.
Ich werde einfach weiterleben wie bisher. Ruhig. Still.
In meinem Haus, fern von der Stadt. Aber wenn ihr mich
braucht – bin ich da.“
Ein leiser Windhauch ging durch die Reihen. Und in diesem
Moment – war keine Angst mehr zu spüren. Keine Unruhe. Nur Respekt.
Und etwas, das die Saiyajin nicht oft so offen zeigten:
Vertrauen.
__
Kapitel 10 – Das Echo
Im Inneren des Trainingsraums von Vados schwebte
der Stab der Engel über dem flachen Steinpodest.
Das Bild darin war glasklar: Asera, inmitten der zerstörten
Flotte, ihre Aura wie ein Sturm aus kontrollierter Gewalt. Dann ihr ruhiger
Gang durch den Markt, der Moment im Palast, und schließlich – ihre Rede an das
Volk.
Der Moment, in dem sie sagte, sie sei eine von ihnen.
Keiner sprach.
Caulifla saß auf der Kante eines Felsvorsprungs, die Beine
überkreuzt, die Ellbogen auf die Knie gestützt. Ihre Augen waren weit offen,
und sie blinzelte nicht einmal.
„Verdammt…“, flüsterte sie schließlich. „Das war
einfach… krass.“
Cabba stand mit verschränkten Armen da, das Kinn leicht
gesenkt. Doch in seinen Augen glomm kein Schock – sondern Stolz. Und etwas
anderes: Entschlossenheit.
Reka hingegen saß ruhig, aufrecht, die Hände auf den
Oberschenkeln. Sie hatte jedes Wort genau verfolgt. Nicht nur was Asera
gesagt hatte – sondern wie.
„Sie hat nicht einmal gezögert“, sagte Reka schließlich
leise.
„Nicht im Kampf. Nicht vor dem Volk.“
Vados trat neben sie. Ihr Blick lag sanft auf dem
leuchtenden Stab.
„Frost war überzeugt, dass Asera nicht auf dem Planeten
ist“, sagte sie.
„Sie unterdrückt ihre Aura nun fast vollständig.
So sehr, dass selbst ich sie kaum noch spüre, wenn sie es
wirklich will.“
Cabba nickte langsam. „Das erklärt, warum er es gewagt hat.“
„Sein letzter Fehler“, fügte Reka trocken hinzu.
Caulifla sprang auf. „Ich wusste, dass sie was tut, wenn’s
ernst wird – aber DAS?! Ich… ich kann’s kaum erwarten, ihr zu zeigen, wie weit
wir gekommen sind!“
Sie ballte die Fäuste.
„Ich will, dass sie sieht, was wir in den letzten Monaten
geschafft haben!“
Cabba trat neben sie, ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Ich auch.“
Reka stand nun ebenfalls auf, ihre dunklen Haare wehten
leicht in der leichten Aura, die um sie flimmerte.
„Wir sind nicht mehr dieselben wie damals“, sagte sie. „Und
sie wird es sehen.“
Caulifla grinste. „Und diesmal kämpfen wir nicht nur, um zu
lernen.
Sondern um zu zeigen, dass wir dazugehören.“
Vados schloss die Projektion des Stabes.
Das Licht erlosch, aber die Energie im Raum blieb.
„Bald“, sagte sie ruhig. „Bald kehren wir zurück.“
Und in ihren Augen lag ein unausgesprochener Gedanke:
Dieses Team ist nicht mehr Aseras Schatten. Es ist ihr
Echo.