Asera in One Piece Teil 2
Szene – Thriller Bark
Der Himmel verdunkelt sich mit jeder Meile. Der Nebel wird dichter, die Sonne scheint hier nie richtig
durch. Möwen? Keine. Der Wind? Still. Und auf der Wasseroberfläche: kein einziges anderes Schiff.
Asera fliegt durch die gespenstische Stille, der Log-Port zeigt unbeirrbar nach vorn. Keine Insel ist zu
sehen – bis plötzlich ein riesiger Schatten durch den Nebel bricht.
Ein massiver Rumpf. Hoch wie ein Berg, breit wie eine Stadt.
Keine Insel. Ein Schiff.
Thriller Bark.
Der Nebel weicht zurück, als Asera sich nähert.
Sie sieht Türme, zerschlissene Flaggen, steinerne Dämonengesichter, eingefallene Mauern – und doch
ist alles am Leben, wenn auch grotesk.
Sie landet auf einem der äußeren Stege. Das Holz knarzt nicht. Die Luft ist schwer.
Kein Empfang. Kein Ruf. Kein Licht.
Doch sie ist nicht allein.
Sie spürt es sofort.
Etwas lebt hier.
Etwas Beobachtet.
Und das meiste davon… ist nicht natürlich.
Asera schreitet voran – ruhig, wachsam, wie durch einen Albtraum, den sie nicht fürchtet.
Der Pfad zu den Strohhüten führt weiter.
Doch dieser Ort?
Wird nicht kampflos seine Schatten freigeben.
__
Szene – Schloss und Schatten
Der Nebel hat sich verdichtet, die Nacht wirkt hier endlos – als hätte jemand die Zeit selbst
vergraben.
Asera steht nun vor dem halb zerstörten Schloss im Zentrum von Thriller Bark. Die Türme schief, die
Fenster leer, aus den Mauern wachsen Ranken wie schwarze Adern.
An den Stufen: Wandelnde Leichen.
Ruckartig. Schlurfend.
Mit ausgerissenen Uniformen, verdrehten Gliedern –
und nichts Menschlichem mehr in den Augen.
Sie kommen auf sie zu.
Zehn. Zwanzig. Dreißig.
Asera bleibt stehen, hebt nicht mal die Arme.
Ein Knall.
Ein einziger Schritt – und der Druck ihrer Aura wirft die ersten Untoten bereits um.
Ein zweiter Schritt – und die Hälfte fällt auseinander.
Der Rest wankt – zurück.
Dann:
Eine neue Präsenz.
Vom oberen Balkon des Schlosses herab tritt eine bizarre Gestalt. Groß, in einen dunklen Mantel
gehüllt. Haut wie zusammengeflickt. Ein massives Kinn, Augenringe wie verbrannt, zwei Hörner ragen
aus dem Kopf wie groteske Dekoration.
Gecko Moria.
Er wirkt verletzt. Bandagen um Brust und Hals, eine Armschiene, sein Gang ungleichmäßig.
Doch sein Lächeln?
Breit. Selbstgefällig. Wahnsinnig.
„Na, na… was haben wir denn hier?“
Seine Stimme klingt wie durch Glas gezogen.
Asera blickt ruhig zu ihm auf.
Sagt nichts.
Moria breitet die Arme aus.
„Eine neue Seele auf meinem Schiff. Noch warm, und mit Schatten.“
Er lacht kehlig.
„Und dieser hier… der riecht nach Macht.“
Asera hebt leicht den Kopf.
„Du willst meinen Schatten stehlen?“
„Natürlich!“, faucht Moria und schleudert eine Schattensichel durch die Luft.
Doch –
sie trifft nicht.
Denn Asera ist nicht mehr da.
Sie steht nun direkt vor ihm, ein paar Steine höher, kein Geräusch bei ihrer Bewegung.
Ihre Augen kalt. Klar. Unbeeindruckt.
„Du bist verletzt“, sagt sie.
„Ich bin nicht hier, um zu kämpfen. Aber wenn du es darauf anlegst…“
Sie öffnet langsam die rechte Hand.
Der Schatten unter ihren Füßen pulsiert.
„…wirst du nichts mehr haben, was Schatten werfen kann.“
Moria erstarrt. Spürt es. Spürt sie.
Etwas in ihm – sogar in den Schatten um ihn –
will fliehen.
„Was… bist du…?“, flüstert er.
Asera antwortet nicht.
Sie dreht sich um, und der Druck verschwindet.
Und während sich der Himmel über Thriller Bark kein bisschen aufhellt,
beginnt Moria zu verstehen –
dass manche Wesen selbst den Schatten Angst machen.
__
Szene – Sabaody Archipel
Der Nebel von Thriller Bark liegt längst hinter ihr.
Doch was vor ihr liegt, ist kein gewöhnlicher Ort.
Asera fliegt über das Meer, dem Log-Port folgend. Das Wasser unter ihr glitzert friedlich – doch die
Insel, die vor ihr auftaucht, ist eine Überraschung.
Kein Fels. Kein Gebirge.
Sondern: Bäume. Riesige, leuchtende Bäume.
Sie landen nicht auf Erde, sondern auf den Kronen der gewaltigen Yarukiman-Mangroven, aus deren
Wurzeln ganze Städte wachsen.
Sabaody Archipel.
Der Ort summt vor Leben.
Händler, Reisende, Piraten, Marinesoldaten, Schmuggler, Lichter, Schiffe, Schatten –
ein Knotenpunkt, unberechenbar.
Asera landet auf einer der ruhigeren Mangroven. Ihr Blick schweift über die geschwungenen Stege,
die in das Wasser führen, über Verkaufsstände, Menschen, Fischmenschen – und über die Luftblasen,
die sich ständig vom Boden lösen und lautlos in den Himmel steigen.
Sie sieht niemanden, den sie kennt.
Aber sie spürt sofort: Hier
bewegt sich die Welt schneller. Und gefährlicher.
Sie fragt herum – nach der Strohhutbande.
Ein paar Kaufleute zucken die Schultern. Andere ziehen die Augenbrauen hoch.
Schließlich gibt ihr ein alter Mann mit Seifenblasen-Stand eine knappe Antwort:
„Wenn du ihnen wirklich nachjagst, bist du zu spät.
Ein Mann hat sie einfach verschwinden lassen.“
Asera verengt die Augen.
„Wie meinst du das?“
„Er tauchte auf, berührte sie – und puff! Weg. Einer nach dem anderen.
Die Marine war völlig überfordert.“
„Und wer war dieser Mann?“
Der Alte schüttelt den Kopf. „Ein seltsamer Typ mit einer Bibel. Groß. Wortkarg.
Kein Mensch wie du oder ich.“
Asera schweigt. Dann sieht sie auf den Log-Port.
Er dreht sich nicht.
Er zeigt.
Unverändert – dieselbe Richtung.
Und Asera weiß:
Was auch immer mit den Strohhüten passiert ist – sie ist ihnen noch nicht ganz entglitten.
Nur… hat sich das Spiel geändert.
Und Sabaody?
Wird nicht der letzte Ort sein, an dem man sich nach ihr umdreht.
__
Szene – Rayleigh
Die Luft auf dem Archipel vibriert leise.
Nicht durch Kämpfe oder Stimmen, sondern durch das Gefühl,
dass hier mehr geschieht, als man sieht.
Asera steht ruhig auf einer der breiteren Straßen von Sabaody, das Licht der schwebenden Blasen
tanzt über ihre Schultern. Die Stimmen der Händler, das Klirren von Metall, das Knarren der Stege –
alles tritt für einen Moment in den Hintergrund.
Ein alter Mann kommt ihr entgegen.
Langsam.
Sicher.
Lange graue Haare, ein Mantel locker über der Schulter geworfen, Sandalen,
ein gelassener Blick – und doch durchdringend.
Er bleibt stehen, keine drei Schritte vor ihr.
Ein feines Lächeln.
„Man hört, du suchst die Strohhutbande.“
Asera mustert ihn. Keine Bedrohung – aber auch kein gewöhnlicher Mann.
„Und wer bist du?“
Er hebt leicht die Braue.
„Ein alter Mann, der weiß, wann er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
Silvers Rayleigh. Begleite mich. Ich glaube, du verdienst ein paar Antworten.“
Asera nickt und folgt ihm wortlos.
Eine Bar. Abgelegen. Ruhig.
Gedämpftes Licht, Wände aus dunklem Holz, ein Tresen aus alter Eiche.
Keine Musik. Keine anderen Gäste. Nur Präsenz.
Hinter dem Tresen:
eine schlanke Frau, schwarzes Haar, pinkes Top, tiefer Ausschnitt –
und Augen, die mehr gesehen haben, als sie verraten.
Sie sieht Asera nur einmal an – dann Rayleigh.
Ein kurzes, wissendes Nicken.
Sie stellt wortlos eine Flasche und zwei Gläser auf den Tresen.
Kein Schnickschnack.
Asera nimmt das Glas, prüft den Duft. Leicht herb, würzig.
Ein Schluck. Kein Zucken.
Rayleigh setzt sich neben sie, verschränkt ruhig die Finger.
Ein Moment vergeht.
Dann sagt er leise:
„Ich habe von dir gehört.“
Er blickt kurz zur Barkeeperin.
Asera’s Blick verengt sich leicht.
„Was genau hast du gehört?“
Er antwortet, ohne die Stimme zu heben:
„Dass du einen Clown der Marine übergeben hast, ohne die Belohnung anzunehmen.
Dass du zwei Riesen in den Boden gestampft hast, damit sie endlich heimkehren.
Dass du in Water 7 ein fallendes Schiff aufgefangen hast –
und dann vier Tage für einen Lohn gearbeitet hast, der dir nichts bedeutet hat.“
Jetzt blickt er zu ihr.
„Und dass du jemand bist, der nicht aus dieser Welt stammt –
aber der dieser Welt vielleicht mehr geben kann, als sie begreift.“
Stille.
Nur der Klang einer platzenden Luftblase draußen.
Und Asera, deren Glas still auf dem Tresen steht.
Ihr Blick unverändert –
doch etwas in ihr weiß:
Dieser Mann hat sie durchschaut.
Und vielleicht – hat er die richtige Richtung für sie.
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Szene – Die Wahrheit über Sabaody
Rayleighs Stimme ist ruhig, aber jeder Satz wie ein gezielter Schnitt:
„Die Strohhüte… wurden getrennt.“
Aseras Stirn runzelt sich kaum merklich. Ein Schatten huscht über ihren Blick.
Rayleigh lehnt sich zurück, faltet die Hände.
„Bartholomeus Bär. Ein Mann, den du vielleicht bald selbst sehen wirst,
wenn du diesem Pfad weiter folgst.
Er hat sie berührt – und in alle Richtungen fortgeschickt. Einer nach dem anderen.“
Asera sagt nichts. Doch in ihrem Blick liegt eine Schärfe, als würde sie die Worte abtasten.
Rayleigh fährt fort, ruhig wie zuvor:
„Nicht aus Grausamkeit.
Sondern, um sie zu retten.
Ein Admiral hatte es auf sie abgesehen. Kizaru.
Die Strohhüte hätten nicht überlebt.“
Ein leiser Moment Stille.
Nur das Knacken des Holzes irgendwo im Raum.
Dann:
„Ich weiß nicht, wohin Bär sie geschickt hat. Niemand weiß das. Nicht einmal die Weltregierung.
Aber ich weiß:
Sie werden zurückkommen.
Sie sind nicht am Ende – nur verstreut.“
Die Tür hinter dem Tresen bewegt sich kaum hörbar.
Die Barkeeperin kehrt zurück, elegant wie zuvor, stellt eine neue Flasche vor Rayleigh ab.
Sie lächelt – diesmal nicht geschäftlich, sondern mit einem feinen, persönlichen Humor.
„Und ich bin Shakky. Willkommen, Asera.“
Asera dreht den Kopf langsam zu ihr. Ihre Stimme kühl, aber nicht abweisend:
„Ihr kennt meinen Namen.“
Shakky lehnt sich mit beiden Händen auf den Tresen, lässig, mit einem Hauch Spott in der Stimme:
„Natürlich. Du bist nicht gerade unauffällig unterwegs.
Ein fliegendes Kraftpaket, das Piraten, Riesen und Monster hinter sich lässt.“
Asera sagt nichts – aber ihr Blick verrät die Frage.
Woher wissen sie all das?
Shakky antwortet, als hätte sie den Gedanken gehört:
„Du hast nicht alle Beobachter entdeckt.
Und ein paar davon haben sich nicht einmal versteckt.“
Ein Moment vergeht.
Draußen platzt wieder eine Blase, der Abend senkt sich über das Archipel.
Shakky lächelt wieder, diesmal sanfter.
„Du bist hier nicht, um dich zu verstecken.
Und das ist gut so. Denn deine Geschichte beginnt gerade erst.“
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Szene – Die Auktion
Die Straßen von Sabaody sind lebendig, voller Farben, Stimmen, Bewegung – doch unter der
Oberfläche liegt etwas anderes. Etwas Kaltes.
Asera läuft langsam durch eine der geschwungeneren Gassen, das Licht der Luftblasen spiegelt sich
auf dem Kopfsteinpflaster.
Menschen, Fischmenschen, Händler, Schmuggler – alles vermischt sich. Doch ihr Blick bleibt ruhig.
Beobachtend.
Dann sieht sie ihn.
Ein Mann mit Blase auf dem Kopf.
Seine Haltung steif, seine Schritte arrogant, begleitet von mehreren Wachen in Uniform.
Sie mustert ihn nur kurz – zunächst.
Dann bleibt ihr Schritt stehen.
„Jetzt, wo die letzte entkommen ist, sollte ich mir endlich eine kaufen.“
Die Worte dringen durch den Lärm, klar und schneidend.
Aseras Augen verengen sich.
Ohne zu zögern folgt sie dem Mann.
Er geht durch ein mit Ornamenten verziertes Tor – ein großes Gebäude, bewacht, abgeschirmt.
Ein Schild prangt über dem Eingang:
„Auktionshaus – Lebende Ware willkommen.“
Asera betritt den Saal.
Es ist voll.
Gedämpftes Licht.
Polierte Stühle. Reiche Händler, Adlige, Weltaristokraten.
Und auf der Bühne: ein Moderator mit fröhlicher Stimme und falschem Lächeln.
Dann – ein schweres Klacken.
Ein rollender Wassertank wird auf die Bühne geschoben.
Darin:
Ein junges Mädchen.
Eine Meerjungfrau.
Langes, blaues Haar, große Augen voller Angst. Ihre Flosse – azurblau, glänzend.
Das Publikum wird laut.
„Zehn Millionen!“
„Zwölf!“
„Fünfzehn!!“
Die Zahlen überschlagen sich.
Asera steht noch in der Menge, unbewegt.
Aber ihre Aura… beginnt zu zittern.
Ihre Faust hebt sich leicht. Ihre Augen verengen sich.
Sie spricht noch kein Wort.
Doch sie ist da.
Und dieser Ort
hat soeben seinen letzten Verkauf begonnen.
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Szene – Entscheidung
Der Saal bebt vor Gier.
Gebote hallen durch die Reihen wie Hammerschläge.
Die kleine Meerjungfrau im Wassertank zittert – allein, ausgestellt, zum verkauft.
Asera steht wie ein Fels.
Kein Muskel zuckt.
Doch ihre Präsenz ist nicht mehr zu übersehen.
Plötzlich – eine Hand auf ihrer Schulter.
Rayleigh.
Ruhig, seine Stimme kaum hörbar.
„Wenn du jetzt eingreifst, wird ein Admiral dich jagen.“
Asera antwortet nicht sofort.
Sie sieht ihn nicht an.
Ihr Blick ruht auf der Bühne – auf dem kleinen Mädchen.
Dann:
„Dann soll er kommen.“
Rayleigh seufzt leise.
Nicht aus Ungeduld – aus Verständnis.
„Das Halsband, das sie trägt…
wird kurz nach einer Berührung explodieren.“
Ein Satz. Eine Warnung.
Doch in Aseras Augen flammt es auf.
Jetzt reicht es.
In diesem Moment fällt der Zuschlag.
Der Mann mit der Blase reckt die Hand –
doch er wird das Mädchen niemals berühren.
Denn die Bühne erbebt.
Ein Windstoß, so schnell, dass kaum jemand folgen kann –
und Asera steht bereits vor dem Tank.
Ein einziger Impuls.
Das Halsband reißt.
Noch im selben Moment schleudert Asera es in die Luft –
und hoch über der Bühne explodiert es.
Ein gleißender Blitz, eine Schockwelle –
doch niemand wird verletzt.
Nur Stille.
Asera hebt das Mädchen auf den Arm.
Sie drückt sie sanft an sich. Die Kleine klammert sich zitternd fest, zu erschöpft, um zu weinen.
Asera sieht sie an – weich, fest, unerschütterlich.
„Dir wird nichts mehr passieren.“
__
Szene – Kein Handel mehr
Die Explosion ist kaum verklungen, da erhebt sich der Käufer mit der Blase auf dem Kopf.
Wutverzerrt. Gekränkt. Laut.
„Ungeheuer! Gib mir meine Ware zurück! Sie gehört mir!!“
Er zeigt mit dem Finger auf Asera, spuckt die Worte wie Gift.
„Wachen!! Tötet sie!!“
Ein halbes Dutzend bewaffneter Männer stürmt auf die Bühne.
Klingen, Elektrostäbe, Gewehre – alles gezielt auf die Frau mit dem Kind im Arm.
Asera rührt sich kaum.
Mit einem einzigen Bewegungsimpuls aus dem freien Arm schlägt sie alle nieder.
Nicht wild. Nicht brutal. Nur endgültig.
Sie tritt keinen Schritt zurück.
Sie senkt das Mädchen nicht ab.
Sie schützt.
Die Angreifer fliegen über die Bühne, krachen gegen Requisiten, Träger und Vorhänge.
Keiner steht wieder auf.
Dann – ein metallisches Klicken.
Der Käufer zieht eine vergoldete Pistole.
Zielt direkt auf Asera – und das Kind.
Doch er kommt nicht einmal dazu, etwas zu sagen.
In einem Moment ist Asera vor ihm.
Sie greift durch die Blase –
und packt ihn am Hals.
Ein einziger Wurf.
Er fliegt wie ein Spielzeug durch die Luft –
krachte gegen die steinerne Wand hinter der Tribüne,
rutscht daran herab, bewusstlos.
Stille.
Nur Aseras Stimme bleibt.
Klar. Unumstößlich.
„Sie gehört niemandem.“
Das Kind in ihrem Arm presst sich an ihre Schulter.
Und zum ersten Mal: keine Angst mehr.
Nur Sicherheit.
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Szene – Die Flammen steigen
Marine-Hauptquartier, Kommandoebene – zur selben Zeit
Kizaru steht bereit.
Sein Blick: gelangweilt.
Seine Haltung: locker.
Doch sein Körper – bereit, sich in Licht aufzulösen.
„Soll ich mich bewegen?“, fragt er träge, den Blick auf den Monitor gerichtet, der gerade das
Auktionshaus zeigt.
Bevor jemand antworten kann, erhebt Sakazuki die Stimme.
Langsam, mit schwerem Tonfall.
„Nein.“
Kizaru blinzelt. „Oh?“
Sakazuki tritt vor. Die Zigarre im Mundwinkel glüht.
Er schaut auf den Schirm – auf die Frau, die ein Kind schützt,
auf die Bühne, auf der die Ordnung gefallen ist.
„Zuerst der Strohhut. Jetzt sie.“
Er dreht sich um, greift sich seinen Mantel.
„Dieses Mal wird niemand eingreifen.“
__
Sabaody Archipel – vor dem Auktionshaus
Menschen strömen nach draußen.
Panik. Verwirrung.
Und inmitten des Chaos: Asera.
Das Meerjungfrauenmädchen klammert sich an ihren Hals, zitternd.
Rayleigh tritt ruhig aus dem Gebäude.
Er spürt es.
Dann – eine Stimme.
Tief. Hart. Wie Lava, die langsam aus einem Vulkan steigt.
„Du.“
Sakazuki.
Der Mantel weht. Die Zigarre glimmt.
Seine Augen kalt. Sein Blick durchbohrt.
„Wir haben dich beobachtet.
Du hast dich rausgehalten.
Aber jetzt?
Hier wird dich niemand retten.“
Die Menge erstarrt.
Asera wendet sich nicht sofort um.
Sie schaut zu Rayleigh.
„Pass auf sie auf.“
Er nickt. Wortlos.
Zu dem Kind spricht sie leise, sanft, fast flüsternd:
„Keine Angst. Er ist ein Freund. Aber bitte… schau jetzt nicht hin, ok?“
Rayleigh kniet sich nieder.
Drückt die Kleine behutsam an seine Schulter.
Seine Augen bleiben auf Asera gerichtet –
und ein leises, kaum hörbares Wort entfährt ihm:
„Viel Glück.“
Asera dreht sich langsam um.
Ihre Augen – rot. Leuchtend.
Unwirklich.
Nicht mehr menschlich.
Kein Lächeln.
Sakazuki zieht den Mantel zur Seite. Seine Fäuste beginnen zu sieden.
„Ich bin Admiral Sakazuki. Und du wirst diesen Ort nicht mehr lebend verlassen.“
Asera antwortet nicht.
Denn sie muss sich nicht erklären.
__
Szene – Die Wut erwacht
Stille.
Nur das Knistern von Sakazukis Lava,
und das Zittern in der Luft.
Asera macht einen Schritt.
Dann noch einen.
Sakazuki steht bereit, seine Faust bereits brodelt.
Doch was jetzt geschieht, hat selbst er nicht erwartet.
Aseras Aura bricht hervor.
Nicht wie ein Blitz,
nicht wie ein Aufschrei –
sondern wie das Erwachen eines uralten Wesens.
Die Luft flimmert.
Der Boden reißt.
Steinplatten zerbrechen unter ihren Füßen.
„Das ist das erste Mal.“
Ihre Stimme ist ruhig.
Aber sie vibriert.
Nicht vor Lautstärke –
sondern vor Wahrheit.
„Das erste Mal, dass ihr es geschafft habt…
mich wütend zu machen.“
Ein einzelner Tropfen Lava fällt von Sakazukis Faust –
und in diesem Moment bewegt sich Asera.
Ein Schlag.
Kein Kampfschrei. Kein Anlauf.
Ein einziger Schritt –
und Sakazuki fliegt.
Durch drei hausdicke Bäume.
Sie splittern wie Zahnstocher.
Eine Druckwelle jagt durch den Wald.
Der Himmel flackert.
Und dann –
Stille.
Die Soldaten, die das Auktionshaus umstellen sollten –
zittern.
Einige werfen ihre Waffen weg.
Andere laufen.
Niemand schreit mehr Befehle.
Inmitten des Staubs steht Asera.
Die Aura lodert um sie.
Roh. Gewaltig. Klar.
Sie dreht sich langsam zu Rayleigh.
„Ist noch jemand im Auktionshaus?“
Rayleigh…
der alte, abgeklärte Silvers Rayleigh…
steht nur da.
Und schweigt einen Moment zu lange.
Dann sagt er leise:
„…Nein.“
Und selbst seine Stimme
trägt einen Hauch von Ehrfurcht.
__
Szene – Ein Ort weniger
Asera steht noch immer im Zentrum des bebenden Platzes.
Hinter ihr: Rauch, geborstene Bäume.
Vor ihr: das Auktionshaus – dieses Symbol einer grausamen Welt.
Sie wendet sich zu Rayleigh.
„Bring die Kleine weg.“
Er zögert nicht.
Er weiß, was das bedeutet.
Mit ernster Miene nimmt er das zitternde Meerjungfrauenkind behutsam auf den Arm.
Sie flüstert: „Was ist mit ihr…?“
„Sie wird etwas beenden.“, antwortet er.
Asera sieht sie nicht mehr an.
Sie springt.
Mit einem Mal ist sie in der Luft –
über dem Auktionshaus.
Keine Marine.
Keine Zuschauer.
Niemand mehr in der Nähe.
Nur sie.
Und das, was noch steht.
In diesem Moment – eine Stimme.
Vados.
Sanft. Ruhig.
Doch eindringlich.
„Führe nicht ihren Krieg, Asera.“
Ein Flüstern über die Sinne.
Eine Mahnung aus einer anderen Welt.
Asera senkt leicht den Kopf.
Und antwortet ebenso leise – fast nur für sich selbst hörbar:
„Werde ich nicht…
aber das hier…
das muss weg.“
Dann –
ihre Hand hebt sich.
Die Aura strömt nach oben,
verdichtet sich,
zieht Licht, Druck, Wärme zusammen –
und formt eine Kugel.
Schwer, vollkommen rund, ruhig in ihrer Gewalt.
Sie steht über dem Auktionshaus –
als würde die Zeit selbst den Atem anhalten.
Dann –
ein leiser Ton.
Pffft.
Und alles ist Staub.
Kein Schrei.
Keine Flammen.
Nur Licht –
und Stille.
Als sich der Staub legt, ist da nichts mehr.
Nicht einmal Trümmer.
Nur ein leerer Fleck auf der Welt,
wo einst Schande stand.
Asera landet ruhig.
Kein Triumph in ihrem Blick.
Nur Klarheit.
Und dann…
dreht sie sich um
und geht.
__
Szene – Eine Begegnung am Rand des Archipels
Der Rauch über dem ehemaligen Auktionshaus ist längst verweht.
Doch das, was geschehen ist, flüstert sich weiter –
von den Gassen bis in die verborgensten Winkel.
Asera tritt zu Rayleigh, der ruhig neben einem Gebäude steht.
Er trägt das kleine Meerjungmädchen in den Armen –
sie hat sich beruhigt, aber hält sich immer noch fest.
Asera streckt langsam die Arme aus.
Sanft, behutsam.
„Ich bringe sie nach Hause.“
Rayleigh nickt.
Doch seine Stimme ist nun wieder nüchtern:
„Dafür brauchst du ein beschichtetes Schiff.
Nur so kommt ihr unter Wasser zur Fischmenscheninsel.“
Asera sagt nichts, aber ihr Blick fragt.
„Eines steht bereit.
Im südöstlichen Hain.
Aber…“ –
Rayleighs Mundwinkel zucken kurz –
„du musst die Besitzerin überreden.“
Ein letzter Blick.
Dann hebt Asera das Mädchen auf den Arm.
Ihre Aura ist verschwunden, zurückgezogen –
jetzt ist sie wieder nur Schutz.
„Dann mache ich das.“
Ein kräftiger Sprung –
ein leiser Knall –
und Asera fliegt los, dem Pfad folgend, den Rayleigh ihr gewiesen hat.
Am Rand des Archipels, zwischen den gewundenen Wurzeln der Mangroven,
steht ein mittleres Schiff.
Grobe Konstruktion, bulliger Bug – doch um es herum:
eine Beschichtung.
Eine Blase umhüllt das komplette Schiff.
Vor dem Schiff:
eine Frau.
Rosarote Haare, Kapuze tief im Gesicht,
eine halbe Pizza in der Hand –
und ein Blick, der schärfer ist als er wirkt.
Jewelry Bonney.
Sie schaut nach oben –
und sieht Asera direkt auf sich zufliegen.
Keine Angst.
Kein Zögern.
Nur ein schiefer Blick und ein Kauen.
„Du bist die, die Akainu durch die Gegend geworfen hat.“
Asera landet sanft vor ihr.
Die Kleine auf dem Arm, halb eingeschlafen.
„Ich brauche dein Schiff.“
Bonney lehnt sich mit verschränkten Armen gegen einen der Pfähle.
„Wozu?“
„Um sie heimzubringen.
Zur Fischmenscheninsel.“
Bonney wirft einen Blick auf das Mädchen –
und dann zurück zu Asera.
„Wirst du noch mehr Marineadmiräle aus dem Weg räumen?“
Asera sagt nichts.
Ihr Blick ist ruhig, unerschütterlich.
Bonney grinst.
„Na dann.
Aber nur unter einer Bedingung.“
Asera hebt leicht eine Braue.
„Ich will wissen, wer du bist.“
__
Szene – In den Tiefen
Das beschichtete Schiff gleitet lautlos durch das dunkle Blau.
Draußen ziehen Schatten vorbei – Fischschwärme, Wracks, Ruinen alter Städte.
Ein uralter Wal, der kurz das Licht streift, bevor er wieder in der Dunkelheit verschwindet.
An den Wänden der Blase zirkulieren Ströme aus Blasen – wie Atemzüge der Tiefe.
Das Licht an Bord ist schwach. Es flackert – als würde es flüstern: „Hier unten sieht dich niemand.“
Im Bad
Die kleine Meerjungfrau liegt entspannt in einem Becken mit warmem Wasser.
Neben ihr: frisch geschnittene Früchte – süß, bunt, wie ein kleiner Festtag.
Asera kniet neben dem Becken, spricht ruhig, erzählt eine einfache Geschichte.
Die Kleine lacht.
Leise, ehrlich – ein Ton, der den ganzen Raum erhellt.
Sie spielt mit ihrer Flosse, schlägt kleine Wellen,
als würde sie sich gerade wieder erinnern, wie es sich anfühlt, Kind zu sein.
Dann wird sie ruhiger.
Ein Gähnen. Die Augen werden schwer.
Asera legt eine Decke über den Beckenrand, bleibt sitzen,
bis das Mädchen eingeschlafen ist.
Später Abend – Deck
Die Welt draußen ist Schwarz und Blau.
Das Schiff gleitet still.
Oben: Schatten. Unten: nichts.
Jewelry Bonney steht am Bug, den Mantel locker über die Schultern geworfen.
In der einen Hand ein halbes Stück Brot, in der anderen eine halbvolle Flasche.
Sie dreht sich nicht um, als Asera hinter ihr auftaucht.
„Hab schon gedacht, du kommst nicht.“
Asera bleibt stehen, den Blick auf das endlose Meer gerichtet.
„Sie schläft.“
Bonney nimmt einen Schluck.
Dann:
„Wer bist du, Asera?“
„Und woher kommst du?“
„Ich hab gesehen, was du getan hast.
Ein Admiral – Sakazuki – hatte keine Chance.“
Sie dreht sich langsam zu ihr um.
Kein Spott. Kein Zynismus. Nur echte Neugier.
„Du bist kein Mensch.
Aber auch kein Fischmensch.
Und kein Teufelsfruchtnutzer.
Also was… bist du?“
Die Szene endet offen –
mit Asera im Lichtschein,
während der Ozean um sie herum
weiter schweigt.
__
Szene – Zwei, alleine in der Tiefe
Die Dunkelheit des Meeres umfängt sie –
aber auf dem Deck bleibt es hell genug für Wahrheit.
Asera steht neben Bonney, die noch immer halb in den Schatten gehüllt ist.
Doch jetzt ist da nichts mehr von Spott. Keine Maske.
Asera spricht ruhig.
„Ich komme nicht von hier.“
„Ich bin kein Mensch. Kein Fischmensch. Ich bin… etwas anderes.“
„Eine Kriegerin aus einer anderen Welt. Eine Welt mit Göttern, mit Turnieren, mit Dingen, die dir hier
niemand glauben würde.“
„Ich wurde geschickt – nicht mit einem Auftrag. Sondern mit einem Ziel.
Das ich noch nicht ganz verstehe.“
Sie atmet tief durch, dann blickt sie zu Bonney.
Bonney sagt nichts. Aber ihre Augen sind aufmerksam. Wacher denn je.
Asera geht ein paar Schritte näher, bleibt neben ihr stehen – mit sanfter Stimme:
„Warum tust du das, Bonney?“
Bonney runzelt die Stirn.
„Was meinst du?“
Asera deutet auf sie, ohne sie zu berühren.
„Du wirkst doppelt so alt wie du wirklich bist.
Aber ich kann es spüren.
Du bist… fast gleich alt wie Sanemi, die kleine Meerjungfrau in deinem Bad.“
Ein Windstoß. Das Knacken von Holz.
Der Ozean bleibt still.
Bonneys Gesicht versteinert für einen Moment.
Dann weicht der Ausdruck – nicht in Schwäche, sondern in Echtheit.
Asera spricht weiter.
„Deine Crew weiß es offensichtlich nicht. Und ich werde es auch niemandem sagen.“
Stille.
Dann, ganz leise:
„Aber, Warum machst du das, Bonney?
Du bist doch auch noch ein Kind.
Auch wenn du wie zwanzig aussiehst.“
Bonney weicht nicht aus.
Aber sie braucht einen Moment.
Dann antwortet sie, leise – ohne Show, ohne Fassade:
„Weil mir keiner zuhört, wenn ich’s nicht tue.“
„Weil ich so reden kann, wie ich muss. Weil ich so Leute führen kann.
Weil die Welt auf kleine Mädchen tritt.
Aber nicht auf eine Frau mit scharfer Zunge.“
Sie nimmt einen tiefen Schluck aus der Flasche, blickt in die Tiefe.
„Vielleicht ist das feige.
Oder klug.
Oder beides.“
Asera nickt langsam.
„Oder es ist überlebenswichtig.“
__
Szene – Ankunft unter dem Meer
Die Lichter der Fischmenscheninsel flackern durch das Wasser wie ein ferner Traum.
Bunte Korallen, strahlende Kuppeln, riesige Wasserpflanzen,
die sich im Rhythmus des Ozeans wiegen.
Das Schiff gleitet durch das Tor – doch am äußeren Eingang stehen Wachen mit Harpunen.
Ihre Augen wandern sofort zur kleinen Meerjungfrau in Aseras Armen. Noch immer schläft sie, die
Arme leicht um Aseras Schulter gelegt, die Flosse weich und ruhig.
„Halt! Was habt ihr mit der Kleinen vor?“, ruft einer der Wächter, misstrauisch, angespannt.
Asera bleibt stehen, der Blick klar.
„Ich bringe sie zurück zu ihrer Mutter.
Niemand sonst wird sie berühren.“
Kein Zögern. Kein Spiel. Nur Wahrheit.
Die Wachen sehen sich an, flüstern etwas – dann tritt einer zur Seite und deutet mit einer
Handbewegung weiter.
„Dann geht. Und danke.“
Am Hafen:
Die ersten Bewohner schauen auf – erst erschrocken, dann erleichtert.
Ein bekanntes Gesicht in Aseras Armen.
Sanemi. Das verlorene Mädchen.
Bonney steht noch an Deck, die Arme verschränkt, ein Lächeln auf den Lippen –
aber ihre Augen sind nachdenklich.
Asera dreht sich noch einmal um, tritt zu ihr.
„Hier trennen sich unsere Wege.“
Bonney nickt.
„Ich weiß. Ich muss noch was erledigen. Allein.“
Asera:
„Wenn du Hilfe brauchst – Ruf nach mir.“
Bonney grinst, zieht etwas aus ihrer Tasche – ein unscheinbares, weißes Blatt Papier.
Es flimmert leicht. Kein Schriftzug. Kein Zeichen.
„Hier. Nimm das.“
Asera hebt eine Augenbraue.
Bonney:
„Das ist kein Papier. Es ist… was anderes.
Wenn du mich finden willst…
Es zeigt dir den Weg.“
Asera nimmt es behutsam entgegen.
„Ich werde darauf aufpassen.“
Bonney nickt – keine weiteren Worte.
Beide wissen: Dies war mehr als nur eine Begegnung.
Asera sieht ihr noch kurz nach – dann wendet sie sich um.
Die kleine Sanemi beginnt sich zu rühren.
Die Reise in die Tiefe endet.
Ein Versprechen bleibt –
und zwei Wege führen weiter.
__
Szene – Licht im Ozean
Die riesigen Wurzeln des Sonnenbaums Eve durchziehen das Meer wie Adern aus Licht.
Sie bringen Helligkeit bis auf den Meeresgrund – und dort, im warmen Schimmer, liegt das
Meerjungfrauenviertel.
Korallenhäuser, sanfte Wasserströme, Kinderflossen, die mit Blasen durch die Gassen gleiten.
Ein Ort der Farben – und der Narben, die niemand laut anspricht.
Asera tritt langsam durch die breiten Gänge, das Wasser um sie ruhig.
In ihren Armen: Sanemi, wach, mit großen Augen – und einem kleinen Lächeln.
Dann erkennt eine Meerjungfrau das Kind.
Ein spitzer Aufschrei. Freude. Tränen.
Die Nachricht verbreitet sich schneller als Worte.
Ein paar Momente später –
Sanemis Mutter taucht heran. Langes blaues Haar,
eine kräftige hellblaue Flosse mit dunklen wellenförmigen Ringen.
Ihre Hände zittern, als sie das Mädchen in die Arme nimmt.
„Sanemi… du lebst… du bist hier…“
Das Kind klammert sich an sie.
Asera tritt einen Schritt zurück, lässt die Szene wirken, sagt kein Wort.
Doch schon nähern sich neue Silhouetten.
Drei Wachen in Fischmenschenrüstung schwimmen auf sie zu – ernst, aber nicht feindlich.
„Menschin. König Neptun hat von der Rückkehr des Mädchens erfahren.“
„Und er weiß, dass es ein Mensch war, der sie zurückgebracht hat.“
„Er bittet um eine Audienz.“
Asera nickt nur.
Keine Gegenwehr. Keine Überraschung.
Sanemis Mutter blickt zu ihr –
die Augen voller Dank, aber auch Sorge.
Asera lächelt sanft, fast entschuldigend.
„Ich komme zurück. Versprochen.“
Dann wendet sie sich den Wachen zu.
Und während sie mit ihnen fortgeht, fließt das Licht weiter durch die Wurzeln –
ein lebendiger Beweis, dass ein Funke Menschlichkeit alles verändern kann.
__
Szene – Der Thronsaal von Ryugu
Ein gewaltiges Tor öffnet sich mit tiefem Grollen.
Dahinter liegt der prächtige Thronsaal des Ryugu-Palasts.
Keine Wellen, kein Druck – eine riesige Luftblase füllt den Raum,
errichtet allein für den ungewöhnlichen Gast.
Asera betritt festen Boden, umgeben von einem Wassermeer,
das sich an den durchsichtigen Wänden der Blase kräuselt.
Vor ihr: der Thron.
Darauf sitzt König Neptun, ein gewaltiger Meermann mit kräftiger Brust, breiter Flosse und einem
langen, orangen Bart, der fast bis zur Hüfte reicht.
Neben ihm stehen seine drei Söhne – Fukaboshi, der ernste Älteste,
Ryuboshi, der dramatische Sänger, und Manboshi, der gutmütige Jüngste.
Neptuns Stimme hallt kraftvoll durch die Halle:
„Du bist also der Mensch, der die kleine Sanemi gerettet hat.“
Asera nickt leicht, die Arme ruhig an der Seite.
„Ja.“
Fukaboshi tritt einen Schritt vor.
„Du bist kein Fischmensch. Kein Verwandter. Und trotzdem hast du dein Leben riskiert, um sie
zurückzubringen. Warum?“
Asera antwortet ohne Zögern:
„Weil sie Hilfe gebraucht hat.“
„Weil niemand sonst etwas getan hätte.“
„Und ich würde es jederzeit wieder tun. Immer.“
Manboshi flüstert leise etwas.
Ryuboshi sieht Asera an, als sei sie eine Figur aus einer Legende.
Doch es ist Neptun, der sich langsam aus seinem Thron erhebt und zur Mitte des Raumes schreitet –
sein gewaltiger Körper bewegt sich majestätisch, selbst ohne Wasser.
„Wir sind dir zu großem Dank verpflichtet.“
„Sag, was du willst – Gold, Schätze, ein Titel – und es soll dir gehören.“
Asera schüttelt ruhig den Kopf.
„Ich will nichts.“
„Sanemi ist zu Hause. Und das reicht.“
Einen Moment lang ist es still.
Dann hebt Neptun die Hand – ein feierliches, langsames Nicken.
Respekt. Anerkennung. Und ein stilles Eingeständnis, dass dieser Mensch…
mehr Ehre besitzt als so mancher König.
__
Szene – Das Meerjungfrauencafé
Nach dem Besuch im Palast empfiehlt König Neptun mit einem Lächeln:
„Wenn du etwas Ruhe suchst – besuche das Meerjungfrauencafé. Es ist einer unserer stolzesten
Orte. Und… du wirst dort jemanden treffen, der sich über dich freut.“
Das Café selbst ist halb geöffnet, seine Decke aus schillernden Muschelschalen, die Wände
durchsichtige Membranen, hinter denen bunte Fische vorbeiziehen.
In der Mitte: eine Plattform mit Tischen, schwebenden Sitzkissen,
Getränken in muschelartigen Gläsern.
Zwischen den Tischen bewegen sich die Meerjungfrauen – getragen von gläsernen Blasen, die wie
schimmernde Rettungsringe um ihre Hüften schweben.
Asera betritt den Raum, und sofort ruft eine helle Stimme:
„Asera!!“
Sanemi fliegt ihr förmlich entgegen – mit ausgestreckten Armen, von ihrer Blase leicht getragen.
Asera fängt sie auf, dreht sich mit ihr ein Mal im Kreis, bis Sanemi kichert und sich an sie kuschelt.
Lächelnde Blicke begleiten die Szene – doch dann bewegt sich etwas zwischen den Tischen.
In diesem Moment nähert sich eine andere Meerjungfrau –
mit langen, fließenden, blauen Haaren
und einer kräftigen hellblauen Flosse, durchzogen von dunklen, wellenförmigen Ringen.
Sie trägt ein lila Bikini-Oberteil mit einem floralen Muster und wirkt ruhig, aufrichtig –
ihre Haltung gerade, ihre Stimme weich.
Asera sieht sie an –
und erkennt sie sofort: Sanemis Mutter.
Die Frau lächelt dankbar, aufrichtig.
„Ich bin Mero. Ich wollte dir danken… schon vorhin.
Aber da kamen schon die Wachen. Sanemi… sie ist alles, was ich habe.“
Sanemi löst sich kurz von Asera und sagt stolz:
„Mama, Asera hat mich gerettet! Ganz alleine!“
Mero streicht ihrer Tochter übers Haar, dann sieht sie Asera an –
lange. Mit einem Ausdruck, den nur Mütter kennen.
„Danke, dass du sie mir zurückgebracht hast.“
Asera nickt ruhig.
„Es war das Richtige.“
Mero zögert einen Moment, dann:
„Du bist hier immer willkommen. Solange du willst.“
__
Szene – Madam Shirley
Während Mero und Asera noch sprechen, verdunkelt sich der Raum ganz leicht –
nicht durch Gefahr, sondern durch eine große, elegante Gestalt,
die sich ruhig zwischen den Tischen nähert.
Sie ist gewaltig – fast acht Meter groß, doch jede ihrer Bewegungen wirkt anmutig und kontrolliert.
Ein lila Top mit Kapuze umschließt ihren Oberkörper,
darunter eine fast schwarze Haifischflosse mit einer schneeweißen Unterseite.
Ihre Augen sind saphirblau, klar und wissend.
Ihre Stimme ist tief, ruhig.
„Asera…“
Asera blickt auf, sieht zu ihr hoch.
Die Frau lächelt freundlich und neigt leicht den Kopf.
„Ich bin Shirley. Dieses Café gehört mir.“
Sie mustert Asera mit ruhigem Blick, nicht wertend –
nur beobachtend.
„Man hat mir erzählt, was du getan hast.“
Ein kurzer Moment Stille. Dann sagt sie:
„Wenn du möchtest… ich kann in deine Zukunft sehen.“
Aseras Miene bleibt regungslos – ein kurzer Hauch von Überraschung in den Augen, dann wieder
dieser ruhige Ausdruck.
„Was meinst du mit ’sehen‘?“
Shirley tritt näher, doch ihre Größe wirkt nicht bedrohlich –
nur präsent.
„Es ist meine Gabe. Ich kann manchmal erkennen,
wohin ein Weg führt. Nicht, was du tun musst. Aber was sein wird.“
Sie senkt die Stimme leicht.
„Nur wenn du es willst.“
Asera blickt kurz zu Sanemi, die sich wieder an sie lehnt, dann zurück zu Shirley.
Ein Moment des Nachdenkens.
Dann nickt sie nur ein einziges Mal.
„Zeig mir, was du kannst.“
Shirley antwortet mit einem sanften Lächeln.
„Dann komm mit. Nur du.“
Langsam, mit Sanemi noch im Arm, richtet sich Asera auf.
„Nur kurz, Sanemi. Ich bin gleich wieder da.“
Sanemi nickt – mit großem Vertrauen.
Und Asera folgt Shirley in einen ruhigeren Raum,
bereit, zu erfahren,
was vor ihr liegt.
__
Szene – Die Prophezeiung
Der Raum hinter dem Café ist still –
von der Außenwelt getrennt wie ein abgeschlossener Gedanke.
Muscheln an den Wänden filtern das Licht,
und in der Mitte steht ein niedriger Sockel,
darauf eine große, schimmernde Kristallkugel –
wie aus Licht und Wasser zugleich.
Shirley lässt sich nieder,
ihre Hände gleiten langsam über die Oberfläche der Kugel,
ohne sie zu berühren.
Asera bleibt stehen, die Arme verschränkt –
doch ihr Blick bleibt fest auf Shirley gerichtet.
Dann beginnt die Kugel zu leuchten.
Schemenhafte Bilder formen sich:
Erst verschwommen –
dann klarer.
Man sieht Asera –
aber nicht im Kampf.
Man sieht sie lächeln,
mit jemandem,
dessen Gesicht sich nicht vollständig zeigt –
nur die Gewissheit,
dass es jemand ist, der ihr viel bedeutet.
Ein Moment voll Frieden, Nähe… Liebe.
Doch plötzlich ändert sich das Licht in der Kugel.
Es flackert – wie eine Flamme im Sturm.
Das Bild zerreißt.
Wird dunkler.
Ein Schatten breitet sich aus.
Dunkel, formlos, doch eindeutig feindlich.
Er verschlingt das Bild, verschlingt die Welt.
Asera sieht eine Freundin.
Verzweifelt kämpfend.
Rufend.
Doch niemand erreicht sie.
Sie wird verschlungen,
der Schatten löst sich auf,
nur Leere bleibt zurück.
Shirley zuckt leicht zusammen.
Ihre Hand zieht sich zurück,
die Kugel wird dunkel.
Ein langer Moment des Schweigens.
Dann blickt sie Asera an.
„Du wirst jemanden nicht retten können.“
Asera sagt nichts.
Doch ihr Blick ist anders.
Kein Schock. Kein Zorn.
Nur ein stilles, tiefes Wissen.
Shirley sagt leise:
„Manchmal… sind selbst wir nicht schnell genug.“
Asera nickt – ganz leicht.
Dann sagt sie ruhig:
„Dann werde ich noch schneller.“
Und sie geht.
__
Szene – Abschied und Aufstieg
Der letzte Tag auf der Fischmenscheninsel beginnt ruhig.
Zwischen schimmernden Korallen und dem warmen Licht der Sonnenwurzeln
steht Asera vor dem Café –
Mero neben ihr, Sanemi auf dem Arm.
Sanemi drückt sich noch einmal an sie,
die kleinen Arme um Aseras Nacken geschlungen,
die Flosse schimmert im Licht.
„Musst du wirklich gehen?“, fragt sie leise.
Asera streicht ihr übers Haar.
„Ja. Aber du bist jetzt zu Hause. Und hier wird dir nichts mehr passieren.“
Mero tritt hinzu.
Sie wirkt ruhig, doch ihre Augen verraten Dankbarkeit.
„Du hast uns mehr gegeben als nur ein Leben zurück.“
Ein letztes Lächeln, ein Nicken –
dann wendet sich Asera ab.
Ihre Schritte sind ruhig, klar,
aber man spürt – es zieht sie weiter.
Szene – Begegnung mit der Heart-Piratenbande
Im Hafen herrscht reges Treiben –
Lieferungen, Ladungen, Stimmen und Blasen.
Doch Aseras Blick bleibt an einem ungewöhnlichen Schiff hängen.
Ein U-Boot.
Groß, gelb lackiert, mit Schrammen und Dellen.
Darauf ein auffälliges Smiley-Symbol –
kein klassischer Jolly Roger.
Die Crew werkelt an der Außenhülle.
Teile liegen offen, Rohre ragen heraus,
ein provisorischer Aufbau ist gerade in Arbeit.
Asera geht ruhig auf sie zu.
„Habt ihr Platz? Ich suche eine Mitfahrgelegenheit.“
Ein Mann mit scharfen Zügen und einer Pelzmütze dreht sich zu ihr.
Kühle Augen. Tätowierte Hände. Ein Schwert an der Hüfte.
„Weißt du überhaupt, mit wem du hier redest?“, fragt er ruhig.
Asera blickt ihn an.
„Nein. Und es ändert nichts an meiner Frage.“
Ein Mitglied der Crew, ein sprechender weißer Bär, tritt hinzu.
„Das ist Trafalgar Law. Und nicht einfach ein Taxifahrer.“
Asera sieht sich das beschädigte U-Boot genauer an.
Verformte Platten. Ein offener Riss.
Es wird nicht sofort tauchfähig sein.
„Ihr habt Probleme. Ich kann helfen.“
Law mustert sie einen Moment lang –
wägt ab, beobachtet. Dann:
„Selbst dann dauert es mindestens zwei Tage.
Ohne Kran kommen wir nicht an die Unterseite.“
Asera blickt zum massiven Hafenkran,
der gerade von einer anderen Crew blockiert wird.
Sie sagt nur:
„Jetzt habt ihr einen.“
__
Szene – Schwerelos
Asera geht ruhig auf das U-Boot zu.
Ihre Schritte sind fest, konzentriert.
Die Crew weicht automatisch zur Seite –
nicht aus Angst, sondern aus dieser leisen Vorahnung,
dass etwas Ungewöhnliches gleich geschehen wird.
Law verschränkt die Arme, ein kaum sichtbares Grinsen auf den Lippen.
„Du glaubst doch nicht ernsthaft,
dass du die Polar Tang aus dem Wasser heben kannst.
Sie wiegt über 2.000 Tonnen.“
Doch Asera antwortet nicht.
Sie steht nun direkt vor dem Bug,
atmet einmal ruhig durch –
und beugt sich dann leicht nach vorn.
In dem Moment beginnt das Wasser zu zittern.
Ein tiefes Grollen geht durch den Hafenboden.
Dann:
Mit einer Bewegung, die weder angestrengt noch übertrieben wirkt,
hebt Asera das komplette U-Boot langsam aus dem Wasser.
Die Crew hält den Atem an.
Law blinzelt.
Der sprechende Bär lässt seinen Werkzeugkasten fallen.
Mit kaum sichtbarer Mühe manövriert Asera die Polar Tang
über das vorbereitete Trockendockgestell
und setzt das tonnenschwere U-Boot millimetergenau darauf ab.
Wasser rinnt ab. Metall ächzt. Absolute Stille.
Dann richtet sie sich auf, blickt zur Crew –
und fragt ganz gelassen:
„Na? Habt ihr noch Platz?“
Law braucht einen Moment. Dann:
„…Ich denke… ja.“
__
Szene – Aufstieg
Die Polar Tang taucht durch die Schleuse wieder ins dunkle Meer,
vollständig repariert, versiegelt und bereit.
Im Inneren herrscht gedämpftes Licht,
nur das leise Brummen der Maschinen und das gleichmäßige Atmen der Tiefe ist zu hören.
In einem ruhigen Bereich des Kontrollraums lehnt Asera an der Wand,
die Arme verschränkt, während die Crew ihrer Arbeit nachgeht.
Law steht nahe bei ihr, die Mütze leicht nach unten gezogen,
als wolle er nachdenken – oder sich vergewissern, dass das, was er sah, wirklich geschah.
Nach einer Weile bricht er das Schweigen.
„Weißt du… so eine Kraft, wie du sie gezeigt hast…
hätte ich höchstens einem Kaiser zugetraut.“
Asera hebt die Augenbraue, ruhig:
„Kaiser?“
Law sieht sie an, zögert kurz –
dann erklärt er sachlich:
„Die vier Kaiser der Meere. Die stärksten Piraten der Welt.
Big Mom. Kaido. Shanks und Whitebeard.“
Asera denkt kurz nach. Sie spricht ruhig:
„Also Anführer… mit eigenem Imperium?“
Law nickt knapp.
„So ähnlich. Ihre Territorien sind riesig,
ihre Crews unantastbar,
und jeder von ihnen könnte eine Marineflotte allein aufhalten.“
Asera schaut durch das Bullauge in die Dunkelheit.
„Ich habe keinen dieser Namen vorher gehört.“
„Dann sei froh. Denn jeder dieser vier könnte mit einem Finger
eine Insel in Schutt legen.“
Dann fügt Law nachdenklich hinzu:
„Aber… du…
du bist etwas anderes.“
Ein Moment Stille. Dann fragt Asera:
„Warum war euer Schiff eigentlich so beschädigt?“
Law runzelt die Stirn leicht.
„Ein Krake.“
„Ein… was?“
„Ein RIESIGER Krake. Uraltes Ding. Keine Ahnung, wie tief der gelebt hat.
Hat uns gepackt wie eine Sardinendose.“
Er legt eine Hand an den Nacken.
„Nur dank meiner Teufelskräfte konnten wir entkommen…“
__
Szene – Abschied auf hoher See
Die Polar Tang durchbricht die Wasseroberfläche.
Schaum spritzt auf, das Licht der Sonne blendet nach den Tagen in der Tiefe.
Die See ist ruhig, das Wetter klar.
Law steht an Deck, den Mantel leicht geöffnet,
ein Log-Port mit drei Nadeln an seinem Handgelenk.
Er zeigt ihn Asera.
„Sowas brauchst du in der Neuen Welt.
Drei Nadeln – drei Routen. Und jede davon kann dein Ende sein.“
Asera tritt neben ihn, blickt in die Ferne.
Das Wasser glitzert, als wäre nichts gewesen.
Law fährt fort:
„Ich bring dich noch zur nächsten Insel.
Aber dann trennen sich unsere Wege.“
Asera schüttelt den Kopf, ruhig, dankbar.
„Das ist nicht nötig.“
Law hebt eine Augenbraue.
„Du willst doch nicht ernsthaft auch noch so weit schwimmen?“
Asera wendet sich ihm zu, ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Danke fürs Mitnehmen.“
Dann – ein Sprung.
Die Luft bebt.
Ein dumpfer Knall zerreißt die Stille.
Ein Lichtstreif am Himmel zieht Richtung Osten.
Die Crew blickt hinterher.
Law sagt nichts.
Doch für einen Moment
ist niemand auf dem Schiff sicher,
ob sie gerade jemanden verabschiedet haben –
oder einer Legende begegnet sind.
__
Szene – Rückkehr in den East Blue
Die Welt rauscht an ihr vorbei.
Wolken brechen, Wellen reißen auf,
doch Asera fliegt unbeirrt –
allein durch die endlose Weite zwischen den Welten.
Vor ihr: der Calmbelt.
Kein Wind.
Keine Strömung.
Nur das schwere, unbewegte Blau –
und die Schatten darunter.
Die Seekönige spüren sie.
Sie sehen hinauf, folgen ihr.
Doch keiner rührt sich.
Keiner wagt es, ihr den Weg zu versperren.
Denn was da über ihnen fliegt,
ist keine Beute.
Kein Feind.
Kein Teil dieser Welt.
Sondern etwas, das selbst die Tiefsee zum Schweigen bringt.
Szene – Heimatgefühl
Die Sonne steht hoch,
als Asera über die ersten Inseln des East Blue hinwegfliegt.
Bekannte Küsten.
Vertraute Gerüche.
Eine Wärme, die nicht von ihrer Aura kommt,
sondern aus der Erinnerung.
Und dann sieht sie es.
Kokos.
Asera senkt ihren Flug,
langsam.
Ihr Blick wandert über die Orangenhaine,
über Dächer und schmale Wege.
Sie weiß nicht, wo Nami gerade ist.
Aber hier…
wartet jemand anderes.
Jemand,
der bei ihrer Rückkehr keine Fragen stellen wird.
Nur ein ehrliches Lächeln.
Asera atmet tief durch.
„Ich bin zu Hause.“
__
Szene – Die Nachricht
Zwei Tage voller Ruhe.
Zwei Tage, wie sie selten geworden sind.
Die Sonne steht hoch über Kokos,
der Duft reifer Orangen liegt in der Luft.
Asera steht neben Nojiko inmitten der Hänge,
die Hände voller Erde,
die Haut vom Licht gewärmt.
Sie arbeitet ruhig, schweigend –
nur manchmal trifft sich ihr Blick mit Nojikos,
und dann genügt ein kurzes Lächeln.
Bis ein heiseres Rufen die Stille zerreißt.
„Nojiko!!“
Genzo.
Er rennt, keuchend,
Die Kappe schief, die Weste offen.
In der Hand: ein zerknittertes Blatt.
Asera richtet sich auf.
Nojiko tritt ihm entgegen.
„Was ist los?“
Genzo hält ihr das Papier hin,
schnell, fast fahrig.
Ein Steckbrief.
Und darauf:
Aseras Gesicht.
Markant. Entschlossen.
Schwarz-rote Kleidung.
Die Haare wild.
Und darunter:
3.700.000.000 Berry.
Ein Moment lang ist alles still.
Nojiko blickt langsam von dem Papier zu Asera.
„Das bist du…“
Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Hauch.
Asera sagt nichts.
Sie sieht auf das Bild. Dann auf Genzo.
Dann zurück auf den Hang.
„Sie wissen, dass ich hier bin?“
Genzo schüttelt den Kopf.
„Es heißt nur… du wurdest zuletzt auf Sabaody gesehen.
Der Admiral… Sakazuki… ist schwer verletzt.“
Er zögert.
Man sieht es ihm an – er will mehr sagen,
aber traut sich nicht.
Nojiko legt sanft eine Hand auf seinen Arm.
Dann sieht sie zu Asera.
„Was ist passiert?“
Asera schließt die Augen für einen Moment.
Dann antwortet sie ruhig – fast zu ruhig.
„Ein kleines Mädchen. Eine Meerjungfrau.
Sie sollte verkauft werden.
Mit einem Halsband um den Hals – das explodiert,
wenn man es falsch berührt.“
Nojiko erschrickt sichtbar.
„Ich habe es ihr abgenommen.
Und den Käufer…“
Asera blickt zur Seite.
„Er wird sich lange daran erinnern.“
Ein kurzer Moment der Stille.
Dann:
„Sakazuki ist gekommen.
Er wollte mich aufhalten.
Oder bestrafen.
Für Gerechtigkeit, sagt er.“
Ein leises Schnauben.
„Er hat es versucht.“
Nojiko braucht einen Moment,
aber dann tritt sie näher an Asera heran.
Legt eine Hand auf ihre.
„Du hast das Richtige getan.“
Asera verliert sich für einen kurzen Moment in ihren dunklen Augen.
„Ich weiß.
Aber jetzt wissen sie auch…
dass ich nicht einfach nur beobachte.“
Nojiko drückt ihre Hand fester.
„Dann sollen sie ruhig kommen.“
Und wieder ist für einen Moment
alles ruhig
auf dem Hang
zwischen Orangenbäumen
und Wahrheit.
__
Szene – Zwei Tassen Tee
Ein Monat ist vergangen.
Die Welt hat kaum begonnen zu atmen,
nach dem Schock von Marineford.
Nach dem Tod von Ace.
Nach dem Tod von Whitebeard.
Und schon erschüttert eine neue Nachricht die Stille.
Auf der kleinen Veranda eines Hauses in Kokos
sitzt Asera still,
die Beine leicht ausgestreckt,
ein Arm auf dem Geländer.
Die Veranda selbst: neu.
Frisch verarbeitetes Holz,
einfach, aber stabil –
ein Geschenk.
Denn Asera hat sie gebaut.
In nur einer Nacht.
Kein Hammer, keine Säge.
Nur ihre Hände.
Die Nägel drückte sie mit dem Finger ins Holz,
um Nojiko nicht zu wecken.
Nojiko hatte sie so erst am nächsten Morgen entdeckt –
und war sprachlos gewesen.
Nun kommt sie mit zwei dampfenden Tassen Tee.
Setzt sich neben Asera,
atmet den Morgen ein –
und schaut dann endlich wirklich.
„Du hast das gebaut…“
Ein kurzer Blick, ein leichtes Nicken von Asera.
Ein Lächeln huscht über Nojikos Gesicht.
„…Du bist unmöglich.“
Ein Seevogel flattert heran,
landet geschäftig,
und lässt eine neue Zeitung fallen.
Nojiko stellt die Tassen ab und hebt sie auf.
Der Blick bleibt sofort an der Titelseite hängen.
Monkey D. Ruffy
steht da –
in tiefer Verbeugung,
den Strohhut vor der Brust,
die Augen geschlossen.
Hinter ihm: das zerstörte Marineford.
Und auf seinem linken Arm:
3D2Y
– das 3D durchgestrichen.
Asera sieht das Bild.
Ihr Blick wird schärfer.
Ernst.
Doch nicht sorgenvoll.
Sondern… bestimmt.
„Sie werden zurückkehren.“
sagt sie ruhig.
Fast so, als wäre es ein Naturgesetz.
Nojiko schweigt.
Reicht ihr den Tee.
Und beide blicken hinaus,
über das ruhige Meer,
auf eine Welt,
die sich bald wieder bewegen wird.
__
Brief an Nami
(abgeschickt vor mehreren Wochen – nun endlich angekommen)
Meine liebe Nami,
ich hoffe, dieser Brief erreicht dich heil – und vor allem: dich selbst, unversehrt.
Ich weiß, dass du unterwegs bist, dass du stärker wirst, dass du deinen Weg gehst.
Und ich bin so stolz auf dich. Jeden Tag.
Das Dorf ist ruhig. Genzo ist wie immer wachsam. Die Orangen gedeihen gut – und ich auch.
Vielleicht wunderst du dich über diesen Satz… aber ich meine ihn genau so.
Ich habe jemanden kennengelernt. Oder besser gesagt – sie hat mich gefunden. Plötzlich.
Ungeplant. Unbegreiflich. Aber echt.
Sie hat nicht viel gesagt am Anfang. Manchmal tut sie das immer noch nicht.
Aber wenn sie da ist, fühlt sich alles richtig an.
Ich wollte dir das sagen, weil du meine Schwester bist.
Und weil du das Recht hast zu wissen, dass mein Herz nicht mehr allein schlägt.
Ich schreibe ihren Namen nicht hier auf. Nur für den Fall.
Aber wenn du hierher zurückkommst – und ich weiß, dass du das wirst –
dann wirst du sie sowieso bemerken.
Sie ist nicht zu übersehen.
Und wenn du ihr begegnest… wirst du verstehen, warum ich so schreibe.
Pass auf dich auf, Nami.
Und komm zurück, wenn die Zeit reif ist.
In Liebe,
Nojiko