Asera in One Piece Teil 1
Szene – Ankunft auf Kokos
Kokos, East Blue – eine Woche nach Arlongs Fall
Die Sonne steht hoch am Himmel, aber die Narben des letzten Sturms – und des Krieges gegen Arlong
– liegen noch sichtbar über dem kleinen Dorf. Häuser mit zerbrochenen Fenstern, verbrannte Felder,
reparierte Dächer. Und dennoch: Hoffnung liegt in der Luft. Kinder lachen wieder. Hämmer klopfen.
Leben kehrt zurück.
Am Waldrand flackert plötzlich ein Licht – kaum sichtbar im Sonnenschein, aber mit spürbarer Kraft.
Ein Riss, kaum eine Sekunde geöffnet, doch aus ihm tritt eine Gestalt: groß, athletisch, lange schwarze
Haare, schwarzrote Kleidung, die in dieser Welt fremd wirkt. Asera.
Sie blinzelt gegen das Licht, schaut sich um. Keine Aura, keine Bedrohung – nur Wind, Vögel, das
entfernte Rufen der Dorfbewohner. Sie atmet tief durch.
„…Nicht Sadala“, murmelt sie.
Ein paar Minuten später, auf dem Weg ins Dorf, wird sie von einer Frau mit kurzen blauen Haaren und
einem ernsten, aber sanften Blick angesprochen.
Die junge Frau steht auf dem Weg, einem Korb mit Orangen in der Hand,
sieht Asera an wie eine, die das Fremde gewohnt ist –
es dennoch prüft.
„Du bist nicht von hier, oder?“
Asera mustert sie. Keine Bedrohung, aber auch keine Angst. „Nein.“
Sie nickt langsam. „Dachte ich mir. Du wirkst… stark. Und ehrlich gesagt: Wir könnten jemanden
wie dich gebrauchen.“
Asera schweigt.
„Die Marine hat Arlong letzte Woche mitgenommen. Wir bauen gerade alles wieder auf. Die Leute…
sie haben genug verloren.“ Die junge Frau mustert die Fremde, dann senkt sie die Stimme.
„Wenn du nicht weißt, wohin mit dir – bleib bei mir. Wenn du mit anpackst.“
Ein kurzer Moment vergeht.
Asera nickt. „In Ordnung.“
Sie lächelt kaum merklich. „Ich bin Nojiko.“
„Asera.“
Ein neues Kapitel beginnt – nicht mit einem Kampf, sondern mit einem Dach, das repariert werden
muss. Doch der Himmel über Kokos hat sich verändert. Und irgendwann wird man merken:
Etwas Außergewöhnliches ist hier gelandet.
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Szene – Asera auf Kokos, beim Wiederaufbau
Die Nachmittagssonne taucht Kokos in goldenes Licht. Der Geruch von Salz und frischem Holz liegt in
der Luft. Stimmen hallen durch das Dorf – Rufe, Hämmern, Lachen. Leben kehrt zurück.
Asera steht neben einem halbfertigen Haus. Die Planken sind alt, aber stabil. Sie hält ein Brett an die
Wand, zieht eine kleine Kiste mit Nägeln zu sich heran. Kein Werkzeug. Kein Hammer.
Nojiko, ein paar Meter entfernt, sortiert Ziegel für ein anderes Haus. Als sie den Blick hebt, sieht sie
gerade noch, wie Asera das erste Brett fest ansetzt – und dann mit einem leisen Knirschen
einen Nagel mit dem Zeigefinger direkt ins Holz drückt.
Zack.
Ein zweiter Nagel. Zack.
Dritter. Zack.
Die Wand hält.
Nojiko runzelt die Stirn, geht langsam näher. „…Die meisten benutzen dafür einen Hammer…“
Asera blickt kurz auf. „Brauche keinen.“
Nojiko beobachtet, wie Asera das nächste Brett ansetzt – mit der linken Hand hält, mit der rechten
die Nägel wie durch Butter ins Holz drückt. Kein Zögern, kein Schwung. Nur Druck. Präzise.
„Okay…“, sagt Nojiko langsam, leicht überfordert. „Ich frag einfach nicht weiter.“
Asera schaut sie an, beinahe amüsiert. „Ist schneller so.“
„Ja, und ich dachte ich bin stark, wenn ich drei Ziegel auf einmal tragen kann…“ Nojiko schnaubt,
dann lacht. „Na gut, Superfrau. Heute Abend gibt’s Essen bei mir. Du hast’s dir verdient.“
Asera nickt. Wieder ein Brett. Wieder ein Nagel. Zack.
Sie wusste nicht, wo sie war – aber sie wusste, dass sie hier gebraucht wurde.
Und vielleicht war das genug. Für jetzt.
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Szene – Abendessen bei Nojiko
Der Tag endet in leuchtenden Orange- und Rottönen. Das Meer rauscht leise, die Hitze ist gewichen.
In Nojikos Haus flackert warmes Licht. Es ist klein – nur drei Räume, aber sauber, gepflegt, voller
Leben. Die Wände aus Holz, der Boden knarzt angenehm bei jedem Schritt. Ein Topf mit Eintopf
köchelt noch leise auf dem Herd, der Duft von Gemüse, Kräutern und etwas Fisch liegt in der Luft.
Asera sitzt auf einem einfachen Stuhl am kleinen Tisch. Der Raum ist schlicht: ein Regal mit alten
Büchern, ein paar Pflanzen am Fenster, ein paar Werkzeuge an Haken an der Wand –
aber auch etwas, das ihre Aufmerksamkeit fesselt.
Ein gerahmtes Foto, leicht vergilbt, hängt über dem kleinen Regal.
Darauf:
Ein junges Mädchen mit kurzen blauen Haaren – Nojiko.
Neben ihr: ein freches Kind mit leuchtend orangen Haaren,
lachend, eine Hand in die Hüfte gestemmt.
Und hinter beiden: eine große, kräftige Frau mit einem wilden, aber warmen Blick –
rote Haare, ein Zopf, die Seiten rasiert, ein Arm um beide Mädchen gelegt.
Asera steht langsam auf, tritt näher. Ihre Augen bleiben an dem Bild hängen.
Nojiko bemerkt ihren Blick, sagt nichts. Erst nach ein paar Sekunden:
„Belle-Mère. Unsere Mutter.“
Asera dreht leicht den Kopf.
Nojiko tritt neben sie. „Nicht unsere leibliche. Aber… unsere Familie.
Sie hat uns gerettet. Großgezogen. Bis Arlong kam.“
Ein Moment der Stille.
„Und das Mädchen?“ fragt Asera leise.
„Meine kleine Schwester. Nami. Sie ist vor einer Woche aufgebrochen.
Die Strohhüte haben Arlong besiegt… aber sie ist mit ihnen weitergezogen.“
Asera nickt langsam. Der Blick auf das Bild bleibt ruhig, doch etwas zieht in ihrem Inneren. Keine
Erinnerung, aber ein Echo. Familie. Schutz. Verlust.
Nojiko atmet tief durch. „Ich hab mich gefragt, warum so jemand wie du plötzlich auftaucht.
Aber vielleicht… nicht ohne Grund.“
Asera antwortet nicht sofort. Dann, ruhig:
„Vielleicht. Ich bleibe. So lange, wie ihr mich braucht.“
Nojiko lächelt schwach. „Dann iss, bevor der Eintopf kalt wird.“
Und für einen Moment – zwischen dem Dampf des Essens, dem leisen Prasseln der Laterne und dem
Bild an der Wand – ist Asera einfach nur da. In Frieden.
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Szene – Der Fall des Arlong Parks
Ein neuer Tag bricht an – hell, klar, ohne das Gefühl von Bedrohung, das so lange über Kokos lag. Die
Dächer sind gedeckt, die Felder bepflanzt, Kinder laufen wieder barfuß durch die Gassen. Was noch
bleibt, ist ein einziger Ort, der wie eine Narbe im Herzen des Dorfes steht: Arlong Park.
Die Ruine des einstigen Terrors erhebt sich noch immer über dem Strand. Massive Stützpfeiler, aus
Stein und Eisen, halten ein Konstrukt, das einst unzerstörbar schien. Das Tor, das einst verschlossen
war, steht offen. Kein Feind mehr. Nur Vergangenheit.
Heute soll es verschwinden.
Die Dorfbewohner haben sich versammelt – Männer, Frauen, Kinder, alte und junge Gesichter.
Werkzeuge in der Hand, manche mit Tränen in den Augen.
Es ist kein Fest, aber auch keine Trauer. Es ist Befreiung.
Nojiko steht mit verschränkten Armen am Rand der Menge, neben ihr: Asera.
Ihre Aura ist ruhig, zurückgenommen, aber jeder spürt sie trotzdem – diese Kraft, die
nicht von hier ist.
Der Bürgermeister spricht ein paar Worte. Über das Ende. Über Neuanfang. Dann: „Reißt es ein.“
Die Menschen beginnen. Hämmer schwingen, Seile werden gespannt. Die Mauer bröckelt – doch
dann stockt es. Die massiven Stützpfeiler, tief im Boden verankert, bewegen sich kein Stück.
Junge Männer versuchen es mit Brecheisen – vergeblich.
„Die Dinger sind wie aus einem Guss mit dem Boden…“
Nojiko wirft Asera einen Blick zu. Ohne ein Wort geht Asera vor.
Sie legt ihre Hand an einen der Pfeiler. Schließt kurz die Augen. Dann:
Ein Knacken.
Mit einem einzigen Ruck hebt sie den gesamten Stützpfeiler aus dem Boden, als wäre er aus
trockenem Holz. Der Boden splittert, Staub fliegt. Die Menge verstummt.
Sie wirft ihn achtlos zur Seite – ein dumpfer Aufprall in der Ferne.
Dann der nächste. Und der übernächste. Jeder fällt.
Keine Aura, keine Wut. Nur Kraft. Kontrolle. Gnade.
Als der letzte Pfeiler fällt, weicht die Stille einem erleichterten Jubel. Kinder schreien, die Älteren
klatschen. Einige lachen, andere weinen. Nojiko senkt den Kopf – lächelnd.
Asera steht noch einen Moment zwischen den Trümmern, blickt dann zum Himmel.
Die Vergangenheit ist gefallen.
Und der Ort, der einst versklavt war, atmet zum ersten Mal wieder frei.
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Szene – Abschied von Kokos
Der Morgen ist still. Keine Arbeit ruft mehr. Nur ein letzter Moment, der schwer in der Luft liegt.
Am Rand des Dorfes, dort wo der alte Trampelpfad zum Meer führt, steht Asera. Ihre Arme
verschränkt, der Blick auf das ruhige Wasser gerichtet. Hinter ihr: das Dorf, das sie nicht kannte, aber
beschützt hat. Vor ihr: das Meer, das sie nicht kennt, aber betreten wird.
Nojiko kommt aus dem Haus, ein kleiner, runder Gegenstand in der Hand – metallisch glänzend mit
einer kleinen Glaskuppel.
Sie bleibt neben Asera stehen, hält ihr den Gegenstand hin.
„Ein Log-Port“, sagt sie. „Du wirst ihn brauchen – auf der Grandline.“
Asera nimmt ihn vorsichtig, dreht ihn zwischen den Fingern. „Grandline?“
Nojiko schmunzelt. „Habe ich mir gedacht, dass du das nicht kennst.“
Sie zeigt aufs Meer hinaus. „Die Grandline ist… eine andere Welt. Sturm, Wahnsinn, Monster.
Und viele, die dorthin aufbrechen, kommen nie zurück.“
Asera blickt ruhig ins Wasser. „Und deine Schwester ist dort?“
„Ja“, sagt Nojiko leise. „Mit den Strohhüten. Sie hat ein Ziel.
Und wenn du sie wirklich treffen willst, wirst du ihren Kurs kreuzen müssen.“
Ein Moment vergeht.
Dann steckt Asera den Log-Port an ihrem Gürtel fest. „Und bis dahin einfach in diese Richtung.“
Nojiko nickt langsam – doch ihr Blick wird fragend, als Asera keine Schritte zum Hafen macht.
„Warte mal… wo ist dein Boot?“
Asera hebt eine Augenbraue. „Ich brauche keines.“
„…Was meinst du mit–“
Asera hebt leicht vom Boden ab. Nur wenige Zentimeter. Dann ein starker Luftstoß – der Staub
wirbelt um ihre Füße, der Wind drückt gegen Nojikos Kleidung. Asera schwebt nun einige Meter in die
Höhe. Die Sonne bricht hinter ihr durch die Wolken, taucht sie in silbernes Licht.
Die Dorfbewohner, die es sehen, verstummen. Einige starren. Ein Kind ruft: „Sie fliegt!!“
Nojiko steht da mit offenem Mund. „Du… kannst fliegen?!“
Asera schwebt langsam weiter auf das Meer hinaus, dreht sich noch einmal um.
„Danke, Nojiko. Für das, was du mir gegeben hast.“
Ihre Stimme trägt über den Wind.
Nojiko ruft: „Du bist hier jederzeit willkommen.“
Asera nickt. Dann: ein Zucken in der Luft –
und sie schießt davon, ein dunkler Streifen vor dem Himmel, schneller als jeder Vogel, jeder Wind.
Der Horizont verschlingt sie in wenigen Sekunden.
Und zurück bleibt ein Dorf, das nicht nur von einem Tyrannen befreit wurde – sondern auch Zeugin
wurde von etwas, das größer war als ihre Welt.
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Szene – Ankunft in Loguetown
Die Wolken hängen tief über der Stadt am Ende der East Blue. Loguetown –
der Ort, wo der Piratenkönig geboren wurde. Und wo er starb.
Die Strohhüte sind längst wieder aufgebrochen. Nur Gerüchte bleiben zurück: vom Blitz, vom Schwert
des Himmels, von einem Mann namens Ruffy, der lächelnd dem Tod ins Auge sah.
Und während die letzten Spuren ihrer Reise verwehen,
senkt sich eine neue Präsenz über die Stadt – aus der Luft.
Asera landet auf einem Dach nahe des Marktplatzes. Keine Staubwolke, kein Knall. Nur ein Schatten,
ein Druck in der Luft, der kurz alle innehalten lässt. Sie beobachtet – prüft.
Noch kennt sie diese Welt kaum.
Dann: Aufruhr. Schreie.
Aus einer der Seitengassen stürzt ein Clown-artiger Mann – Buggy, das Gesicht verzerrt vor Panik, die
Hände fest um ein zappelndes Kind. Eine Geisel. Marineoffiziere rufen ihm nach,
aber kommen nicht durch die Menge.
Buggy keucht: „Zurück! Oder ich bring das Gör um!!“
Das Kind schreit, Menschen weichen entsetzt zurück.
Oben auf dem Dach: Asera.
Sie springt. Lautlos. Schnell.
Ein Flackern – und in dem Moment, in dem Buggy das Kind heben will, steht Asera vor ihm.
Ihr Arm zuckt.
Ein Treffer. Direkt an die Seite des Halses.
Buggy sackt zusammen, bevor er weiß, was ihn getroffen hat.
Asera fängt das Kind in der Luft, stellt es sanft ab. „Alles gut“, sagt sie leise. Das Kind nickt mit großen
Augen – und rennt zur Mutter zurück.
Die Marine stürmt heran. Der Vizeoffizier bleibt abrupt stehen, als er Asera ansieht.
„Das war… beeindruckend.“
Zwei Soldaten legen Buggy Fesseln an – noch benommen, kaum bei Bewusstsein.
„Das war Buggy der Clown. 15 Millionen Barry Kopfgeld“, sagt der Offizier, sichtlich beeindruckt.
„Das steht euch zu. Name?“
Asera sieht ihn ruhig an. Dann: „Schickt es an das Dorf Kokos. Sie haben es nötiger als ich.“
Der Offizier blinzelt. „Ihr… wollt auf die Belohnung verzichten?“
Asera nickt. Dreht sich um. „Gebt es Nojiko, auf Kokos.“
Und ohne ein weiteres Wort hebt sie wieder vom Boden ab, verschwindet über den Dächern
Loguetowns – wie ein Schatten, wie ein Versprechen.
Zurück bleibt ein wachsender Ruf.
Nicht als Piratin.
Nicht als Heldin.
Aber als jemand, die kam – half – und weiterzog.
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Szene – Begegnung im Schatten
Ein Gewitter zieht langsam über Loguetown hinweg. Der Wind frischt auf, die Straßen leeren sich. Die
Marine hat Buggy abtransportiert, der Trubel ist verebbt. Asera steht allein auf einem der Dächer der
Stadt, den Blick auf das Meer gerichtet, wo sich die Grandline am Horizont wie ein ferner Schleier
abzeichnet.
Dann – Schritte hinter ihr. Kaum hörbar, aber zu spüren.
Sie dreht sich langsam um.
Ein Mann steht auf dem Dach – in einem dunklen Mantel mit hohem Kragen, das Gesicht teilweise im
Schatten einer Kapuze verborgen. Nur ein Teil seines Gesichts ist sichtbar: eine Tätowierung, die sich
über seine linke Gesichtshälfte zieht. Lange schwarze Haare wehen im Wind.
Seine Präsenz ist ruhig, aber drückend. Er spricht mit tiefer Stimme.
„Du bist nicht von hier.“
Asera bleibt gelassen.
Der Mann tritt einen Schritt näher. „Ich beobachte diese Welt. Und ich habe dich beobachtet, seit du
in Loguetown gelandet bist. Du bist… ungewöhnlich. Deine Kraft. Deine Ruhe. Deine Absicht.“
Er lässt eine Pause.
„Ich bin Dragon.“
Asera mustert ihn. Keine erkennbare Aura. Keine Angst. Aber ein Gefühl, das sie selten spürt:
Vorsicht. Kontrolle. Wie jemand, der weiß, wie man Kriege gewinnt.
„Du sagst das als sollte ich dich kennen“, sagt sie ehrlich.
Dragon verzieht kaum das Gesicht.
Asera lässt ihren Blick nicht von ihm. Dann fragt sie direkt:
„Weißt du zufällig, wohin die Strohhutbande aufgebrochen ist?“
Dragon verengt leicht die Augen. Der Wind zerrt an seinem Mantel. Die Frage lässt ihn stutzen.
Misstrauen flackert auf.
„Warum willst du das wissen?“
Ein Moment Stille. Dann antwortet Asera ruhig, aber mit Nachdruck:
„Weil ich jemandem versprochen habe, auf ihre Schwester aufzupassen.
Wenn sie mit ihnen unterwegs ist, will ich wissen, wo sie sind.“
Dragon beobachtet sie lange, regungslos. Sein Blick durchdringt sie – aber Asera weicht nicht zurück.
Ihre Worte sind ehrlich. Und das spürt er.
„Du bist nicht Teil der Weltregierung“, sagt er schließlich.
Asera schnaubt leise. „Ganz sicher nicht.“
Ein kurzes, kaum sichtbares Nicken. Dann sagt Dragon ruhig:
„Sie sind in See gestochen. Ihr Ziel ist die Grandline. Mehr kann – oder will – ich dir nicht sagen.“
Asera akzeptiert es. „Das reicht.“
Dragon macht einen Schritt zurück. „Du bist stark. Aber diese Welt hat Regeln. Und Mächte, die du
vielleicht noch nicht kennst.“
Asera antwortet leise: „Ich lerne schnell.“
Der Wind zerrt an den Wolken. Ein Blitz zuckt am Horizont. Als Asera sich noch einmal umsieht – ist
Dragon verschwunden.
Nur der Regen beginnt zu fallen. Und Asera?
Sie steht still.
Dann geht sie los.
In Richtung Grandline.
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Szene – Der Aufstieg zur Grandline
Der Regen hat längst aufgehört. Die Sonne bricht durch die Wolken – doch der Wind bleibt wild, das
Meer unruhig. Asera steht auf einem verlassenen Ausguck am Rand des Reverse Mountain, wo sich
mehrere Piratenschiffe versammelt haben.
Die Crews rufen, sichern ihre Ladung, prüfen ihre Log Ports.
Sie beobachtet. Die Richtung ist klar.
Alle streben zur Grandline.
Mit einem letzten Blick auf die wehenden Flaggen – manche stolz, manche blutig – hebt sie ab. Ihre
Silhouette schießt über die Schiffe hinweg, dem riesigen Felsmassiv entgegen.
Dort, wo der Reverse Mountain aufragt wie eine Wand aus Stein, branden Strömungen senkrecht
nach oben. Ein gewaltiger Anblick. Das Wasser rauscht mit ungeheurer Kraft die Bergflanke empor –
als wolle das Meer selbst sich gegen den Himmel stemmen.
Asera schwebt darüber, ruhig, prüfend.
Dann – ein tiefes, vibrierendes Geräusch. Fast wie Donner.
Ein gigantisches Wesen durchbricht die Wasseroberfläche.
Ein Wal, riesig wie ein Hügel, mit Narben auf der Stirn – und über diesen Narben:
ein schief gezeichneter Totenkopf, grob aufgemalt,
als hätte ein Kind mit zitternder Hand versucht, etwas nie Gesehenes zu imitieren.
Der Wal brüllt – doch es ist kein Angriff. Es ist… Aufmerksamkeit.
Von einer hölzernen Plattform am Fuß des Berges ruft ein alter Mann mit einer Art
pinkem Hut und dicker Pfeife:
„He! Du da oben! Komm runter, bevor La Boum denkt, du willst ihn herausfordern!“
Asera sinkt langsam zu Boden, landet mit einem dumpfen Schritt vor dem Mann.
„La Boum?“ fragt sie ruhig.
Der Mann klopft mit seiner Pfeife gegen den Wal. „Genau. So heißt er. Und er ist neugierig, wenn
jemand wie du plötzlich über seinem Zuhause schwebt.“
Asera sieht den Wal an – seine Augen sind groß, neugierig. Und trotz seiner Größe wirkt er nicht
bedrohlich. Eher… suchend.
Der Mann streckt die Hand aus. „Krokus. Arzt, gelegentlich Leuchtturmwärter. Und irgendwie… auch
so etwas wie La Boums Freund.“
Asera schüttelt die Hand – fest, aber respektvoll. „Asera.“
La Boum senkt den Kopf näher zu ihr. Ein gewaltiges Auge mustert sie. Dann gibt er einen tiefen, fast
sanften Laut von sich. Krokus lächelt.
„Er mag dich.“
Asera hebt eine Augenbraue. „Er spricht?“
„Nur für die, die zuhören können.“
Ein Moment vergeht. Asera legt eine Hand an La Boums Stirn – direkt auf die Narbe.
„Du hast viel gesehen, hm?“
Der Wal brummt leise. Und für einen Moment ist da etwas zwischen ihnen –
kein Wort, aber ein Verstehen.
Krokus nickt. „Wenn du wirklich auf die Grandline willst – das ist der Weg. Aber es ist kein einfacher.“
Asera sieht wieder zur Strömung empor. Dann zum Wal. Und wieder zu Krokus.
„Dann wird es Zeit.“
Und während die Wellen toben und der Berg emporruft, ist es nicht ein Schiff, das sich ihm stellt –
sondern Asera.
Allein.
Bereit.
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Szene – Der Kurs ist gesetzt
Die Sonne steht tief, das Wasser tobt. Asera steht wieder am Rand der Plattform, der Log-Port an
ihrem Gürtel beginnt zu pulsieren – ein leises, rhythmisches Klicken im Inneren der Glaskuppel. Die
Nadel hat sich ausgerichtet. Ein klarer Kurs.
Krokus tritt neben sie. „Der Log-Port hat das Magnetfeld der ersten Insel gespeichert. Von jetzt
an… führt er dich Schritt für Schritt tiefer in die Grandline.“
Asera blickt auf die Nadel. Sie zittert nicht. Sie zögert nicht.
Sie zeigt nach Osten.
„Was erwartet mich dort?“ fragt sie ruhig.
Krokus schmunzelt. „Jede Insel ist anders. Klima, Zeit, sogar die Gesetze der Natur. Es gibt Inseln, auf
denen es nur regnet. Andere, auf denen es ewig Tag ist. Du wirst alles infrage stellen müssen, was du
über die Welt zu wissen glaubst.“
Asera sieht ihn einen Moment lang ruhig an. Dann hebt sie ab – langsam, aber bestimmt. Der Wind
peitscht ihr durchs Haar, das Meer gischtet unter ihr, aber sie fliegt, ohne Schiff, ohne
Mannschaft. Nur die Nadel und ihr Wille.
La Boum brummt leise hinter ihr, als wolle er ihr Glück wünschen.
Krokus schaut ihr nach. Die Silhouette wird kleiner. Doch der Eindruck, den sie hinterlässt, hallt nach.
„Noch so ein Monster auf der Grandline…“, murmelt er. Dann zieht er an seiner Pfeife.
„Aber auf der richtigen Seite.“
Und irgendwo, jenseits des Horizonts, wartet bereits die nächste Insel –
voller Gefahren.
Voller Geheimnisse.
Und vielleicht:
eine Spur der Strohhutbande.
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Szene – Whiskey Peak
Die Sonne scheint grell auf die Felseninsel, deren zerklüftete Silhouette wie Zähne aus dem Meer
ragt. Die Strömungen waren wild, der Flug mühsam. Doch nun steht sie auf festem Boden.
Whiskey Peak.
Eine Stadt inmitten von Kakteen und staubigen Steinen, deren Häuser an den Felsen lehnen wie
trinkfreudige Gäste an einer Theke.
Als Asera landet, wird sie sofort bemerkt.
„Willkommen! Willkommen in Whiskey Peak!“ ruft ein Mann mit übergroßem Hut und ausgestreckten
Armen. Andere folgen, winken, lachen. „Ihr seid sicher erschöpft! Kommt, ruht euch aus!
Wir feiern oft und gern – und heute besonders!“
Asera bleibt stehen, mustert die Gruppe. Ihre Aura ist ruhig,
aber unter der Oberfläche flackert Wachsamkeit.
Ein Festplatz wird ihr gezeigt. Musik erklingt. Tische voller Essen. Lachen. Kinder tanzen. Eine sehr
muskulöse Frau reicht ihr ein Getränk. Asera lehnt nicht ab – aber sie trinkt nicht.
Der Mann mit dem Hut – ein scheinbar überfreundlicher Gastgeber – setzt sich neben sie. „Ihr kommt
allein? Mutig! Die Grandline ist kein Ort für Einzelgänger. Aber ihr wirkt… stark.“
Asera sagt nichts. Ihre Augen wandern. Zu viele Waffen an der Wand. Zu viele Blicke, die zu rasch
wegsehen, wenn sie sich umdreht.
Dann – ein kurzes Zucken in der Luft. Ein Schatten hinter ihr, zu schnell.
Ein Messer. Zielt auf ihren Hals.
Doch bevor es auch nur nahekommt, dreht Asera sich blitzschnell – greift den Angreifer am Arm,
drückt ihn nieder. Krach. Der Tisch splittert. Stille.
Die Musik verstummt.
Alle „Gastgeber“ greifen zu Waffen.
Asera steht auf. „Ein Hinterhalt also.“
Der Mann mit dem Hut verzieht das Gesicht. „Nicht übel. Aber du bist allein. Und wir sind viele.“
Asera schreitet langsam nach vorn. Ihre Schritte sind leise, aber schwer. Der Boden vibriert. Die Luft
wird drückend. Ihre Aura flackert auf – nicht einmal in voller Kraft, doch stark genug, dass die ersten
Angreifer zurückweichen.
„Dann seid ihr eben viele, die dumm genug sind, mich anzugreifen.“
Die ersten rennen. Die Mutigen zögern.
Und Whiskey Peak?
Wird in wenigen Minuten begreifen, dass sie sich den falschen Gast ausgesucht haben.
__
Szene – Whiskey Peak zerbricht
Die wenigen, die sich trotz der wachsenden Bedrohung in Bewegung setzen, tun es aus blindem
Pflichtgefühl oder überschätztem Mut. Männer und Frauen mit Äxten, Musketen, Keulen – muskulös,
breit, voller Selbstsicherheit.
Doch gegen Asera zählt das alles nicht.
Der Erste stürmt mit einem Schwert. Asera weicht nicht aus – sie fängt die Klinge mit zwei Fingern
ab, dreht das Handgelenk des Angreifers, knack, und schickt ihn flach in den Boden. Bewusstlos.
Der Zweite kommt von der Seite, ein Riese von einem Mann. Asera tritt einen Schritt zur Seite, legt
ihm die Hand auf die Brust – und stößt ihn meterweit durch die Luft. Er kracht gegen eine Hauswand.
Bleibt liegen.
Drei weitere versuchen es gemeinsam. Einer von ihnen springt.
Asera hebt die Faust. Ein Schlag in die Luft – eine Druckwelle schleudert sie alle wie Puppen
auseinander.
Stille. Nur noch Stöhnen und Scherben.
Asera atmet ruhig. Ihre Haare wehen leicht im Wind,
der nach dem Aufruhr plötzlich durchs Dorf streicht.
Langsam hebt sie Nojikos Log-Port, betrachtet ihn. Die Nadel dreht sich noch – ohne Richtung.
„Noch nicht“, murmelt sie.
Sie schnallt ihn behutsam wieder an ihren Gürtel. Vorsichtig.
Als wäre es ein Stück Zuhause, das sie nie verlieren will.
Dann geht sie durch die Trümmer – ihre Schritte leicht, aber zielgerichtet.
Ein bewusstloser Pirat liegt auf der Straße. An seinem Handgelenk:
ein Log-Port. Aktiv. Eingeschwungen.
Asera kniet sich hin. Sie löst den Riemen, ohne Hast, nimmt das Gerät,
prüft die Richtung – die Nadel ist stabil.
Sie nickt.
„Den leihe ich mir.“
Dann schnallt sie auch diesen Log-Port an – neben Nojikos. Ein neuer Weg.
Der vielleicht zu den Strohhüten führt.
Asera richtet sich auf. Whiskey Peak liegt hinter ihr – besiegt, aber unversehrt. Sie hat niemanden
getötet. Nur eine Lektion erteilt.
Ohne ein weiteres Wort steigt sie in die Luft –
und folgt dem neuen Kurs.
Weiter in das Herz der Grandline.
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Szene – Die Insel der Giganten
Die Wolken hängen tief, als Asera auf der nächsten Insel landet. Der Boden ist weich, feucht, mit
dichter Vegetation bedeckt. Riesige Bäume ragen in den Himmel, so hoch, dass selbst sie den Blick
heben muss. Der Log-Port zeigt eindeutig hierher.
Und dann: Donnernde Stimmen.
Nicht vom Himmel, sondern von irgendwo zwischen den Baumkronen.
„DU HAST GESCHUMMELT, WOOGEY!!“
„UND DU BIST IMMER NOCH SCHLECHT IM ZIELEN, BOOGEY!!“
Ein dumpfes Beben durchzieht die Erde. Asera bleibt ruhig, steigt über einen zertrampelten Pfad –
und dann sieht sie sie:
Zwei Riesen, größer als jedes Lebewesen, das sie bisher auf dieser Welt gesehen hat. Der eine trägt
eine riesige Doppelaxt, der andere ein mächtiges Schwert. Beide sind muskulös, laut, aber nicht
feindselig – eher wie zwei bockige Kinder in übergroßen Körpern.
Boogey und Woogey.
Sie stehen sich gegenüber – durch ein riesiges Felsfeld voneinander getrennt, das offensichtlich von
früheren Schlägen gezeichnet ist.
Asera beobachtet sie einen Moment. Dann knackt ein Ast unter ihrem Fuß.
Beide Riesen drehen sich gleichzeitig um.
„Hm?!“ – Boogey beugt sich herunter.
„Ein Mensch?“ – Woogey reibt sich das Kinn.
Asera hebt die Hand zum Gruß. „Ich will keinen Streit. Ich bin nur auf der Durchreise.“
Boogey lacht dröhnend. „Niemand kommt einfach HIERHER und ist nicht auf Streit aus!“
Woogey beugt sich tiefer, mustert sie. „Aber sie sieht stark aus. Klein, aber… stark.“
Asera verschränkt die Arme. „Wenn ihr kämpfen wollt, warnt mich wenigstens vorher.“
Ein Moment Stille – dann lachen beide gleichzeitig. Laut, herzlich, wie zwei alte Freunde.
Boogey zeigt mit dem Daumen auf sich. „Ich bin Boogey. Das ist Woogey. Wir kämpfen seit…“
„…Einhundert Jahren“, ergänzt Woogey.
Asera blinzelt. „Einhundert Jahre… gegeneinander?“
Boogey nickt. „Bis das Duell entschieden ist. Aber heute ist Ruhepause. Feiertag.“
Asera hebt eine Augenbraue. „Feiertag?“
Woogey grinst. „Der einzige Tag, an dem wir nicht kämpfen.
Da teilen wir Essen. Willst du mit uns essen?“
Asera denkt einen Moment nach. Dann nickt sie.
Und so, zwischen zwei Giganten, an einem provisorischen Lagerfeuer, sitzt Asera – und isst geröstetes
Fleisch auf der Insel der Giganten. Der Log-Port dreht seine Runden. Für heute… ist es ruhig.
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Szene – Der Vorschlag
Die Flammen knistern, der Abend senkt sich über die Insel der Giganten. Asera sitzt zwischen den
beiden Riesen, auf einem gefällten Baumstamm, während über ihr ein Fleischstück in der Größe eines
Hauses über dem Feuer brät.
Boogey nimmt einen tiefen Schluck aus einem gigantischen Becher. „Also, der Log-Port braucht hier
ein Jahr, um sich neu auszurichten. Ist halt so. Diese Insel ist zickig.“
Asera hebt langsam den Blick. „Ein Jahr?“
Woogey nickt. „Jupp. So lange bleiben alle, die hier landen, erst mal stecken. Es sei denn, du hast
einen Eternal-Port oder ein Wunder.“
Asera blickt auf das kleine Gerät an ihrem Gürtel. Kein neuer Kurs.
Das passt ihr ganz und gar nicht.
Aber sie bleibt ruhig. „Dann sag mir eins: Warum kämpft ihr zwei eigentlich seit hundert Jahren
gegeneinander?“
Boogey grinst, schlägt sich auf die Brust. „Ganz einfach. Wir sind Krieger von Elban, der Heimat der
Riesen. Und unser Duell muss den Stärkeren ermitteln.“
Woogey lehnt sich zurück und lacht. „Und bisher hat keiner gewonnen. Also… kämpfen wir weiter.“
Asera steht langsam auf. Ihr Blick ist ruhig, doch in ihrer Stimme liegt eine gewisse Entschlossenheit.
„Dann lasst mich einen Vorschlag machen.“
Beide schauen zu ihr herunter.
„Ihr wollt wissen, wer der Stärkere ist? Testet es an mir. Wenn ich euch beide besiege – dann ist die
Sache entschieden. Dann bin ich die Stärkste. Und ihr beide könnt heimkehren. Kein Sieger, kein
Verlierer.“
Einen Moment lang ist es still. Dann:
Boogey bricht in schallendes Gelächter aus. Woogey klopft sich auf den Bauch.
„DIE da? Gegen UNS?!“
„Du bist zäh, das seh ich. Aber das ist doch kein Vergleich!“
Asera bleibt ungerührt. „Dann lehnt ab. Oder beweist es mir.“
Boogey und Woogey tauschen einen Blick. Sie nehmen sie nicht ganz ernst – aber ein Angebot zur
Herausforderung schlägt man auf Elban nie aus.
Boogey zeigt mit dem Daumen auf sich. „Na gut, kleines Ding. Wenn du morgen früh noch genauso
mutig bist – dann sehen wir, was du draufhast!“
Woogey grinst. „Aber iss ordentlich. Wir hauen dich nicht mit leerem Magen aus den Stiefeln.“
Asera nickt. „Bis morgen.“
Und während die Riesen wieder lachen, legt sich Asera unter einen Baum am Rand des Lagers. Sie
blickt in den Himmel. Der Log-Port an ihrem Gürtel. Ein Jahr…?
Nein. So lange bleibt sie nicht.
Morgen wird sich alles ändern.
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Szene – Der Kampf beginnt
Der Morgen dämmert mit feuchtem Dunst über der Insel. Nebel hängt zwischen den uralten Bäumen,
das erste Licht flackert durch das Laub wie flüsternde Schemen. Vögel schweigen. Tiere fliehen in alle
Richtungen – denn heute zittert der Boden schon beim ersten Schritt.
Auf einer weiten Ebene, groß wie ein Tal, stehen Boogey und Woogey. Die Erde unter ihnen ist
gezeichnet – eingerissene Baumstämme, Krater, Spuren eines Jahrhunderts voller Duelle. Dies ist ihr
Schlachtfeld. Ihre Heimat fern von Elban.
Und heute: ihre Prüfung.
Asera steht ihnen gegenüber. Winzig – im Vergleich. Aber unerschütterlich. Die Arme locker an den
Seiten. Kein sichtbares Ki, keine Aura. Nur Präsenz.
Boogey lässt die Schultern kreisen, der Griff seiner riesigen Doppelaxt knackt.
„Bist du sicher, dass du das willst, Winzling?“
Woogey schwingt sein Schwert – das Surren allein lässt mehrere Bäume kippen.
„Wir sind nett, wenn du vorher aufgibst.“
Asera hebt das Kinn leicht. „Ich bin bereit.“
Ein kurzes Nicken zwischen den beiden Riesen.
Dann explodiert die Erde unter Boogeys ersten Schritten –
er stürmt los, mit der Wucht eines rollenden Berges.
Die Axt saust herab.
Doch in dem Moment –
ist Asera nicht mehr da.
Ein Knall.
Staub wirbelt auf.
Asera steht hinter ihm, ruhig, ein Bein noch ausgestreckt.
Boogey taumelt –
ein Tritt in die Seite.
Der Riese hebt ab.
Er fliegt.
Zwanzig Meter Fleisch, Muskeln und Metall – wie ein Projektil durch die Luft.
Er kracht mitten durch einen Hügel, der einstürzend eine Staubwolke erzeugt, die halb den Horizont
verdeckt.
Woogey starrt entgeistert. „Was…?!“
Asera wendet sich ihm zu. „Du bist dran.“
Er brüllt – ein wilder Schrei.
Das Schwert saust in einem gewaltigen Bogen heran, zerteilt halbe Baumreihen.
Asera weicht nicht. Sie geht. Ihm entgegen.
Ein Moment, ein Schlag – und sie hebt die Hand.
Das gewaltige Schwert kracht auf ihre bloße Handfläche –
und stoppt.
Woogeys Augen weiten sich. „Un–“
Bumm.
Ein Faustschlag in den Bauch.
Kurz, präzise.
Der Riese fliegt.
Er reißt ganze Wälder mit sich, durchbricht Felsen, knallt gegen eine Klippe –
und bleibt keuchend liegen, halb im Geröll, halb im Dunst.
Boogey kriecht hustend aus den Trümmern.
Woogey versucht sich aufzurichten.
Und beide blicken in die Mitte des zerstörten Tals –
dorthin, wo Asera jetzt sitzt, auf einem flachen Felsen,
die Arme verschränkt. Gelassen. Kein Schweiß. Kein Zorn.
Dann –
Boogey lacht.
Tief. Laut. Donnernd.
Woogey stimmt ein. Ein uraltes, ehrliches Gelächter, das durch die Bäume hallt und die Luft reinigt.
„Du bist die Stärkste!“, keucht Boogey und hält sich die Seite.
Woogey nickt, aufrichtig. „Das war eindeutig.“
Asera erhebt sich. Ein leichtes Nicken. „Dann kehrt heim.“
__
Szene – Der Weg geht weiter
Die drei stehen nun am Rand der Lichtung. Die Luft ist klarer, leichter – als hätte sich etwas gelöst. Der
Log-Port an Aseras Gürtel zeigt noch immer nichts.
„Ich habe eine letzte Frage“, sagt sie ruhig. „Wenn ihr wüsstet, wo die nächste Insel ungefähr liegt –
wohin würdet ihr zeigen?“
Boogey kratzt sich am Bart. Woogey deutet über das Meer.
„Da drüben. Südwestlich. Ich glaube, die Strohhüte sind auch in die Richtung. War’n bisschen Wind
im Westen, ne?“
„Und etwas Rauch in der Ferne vorgestern“, ergänzt Boogey. „Könnte passen.“
Asera blickt in die Richtung. Dann lächelt sie kaum merklich.
„Ich fliege hoch genug. Ich werde sie finden.“
Sie hebt ab. Leise, ohne Druckwelle. Nur ein Streifen dunkler Schatten, der über die Lichtung zieht.
Die Sonne bricht durch – und für einen Moment ist der Himmel über der Insel klarer als je zuvor.
Boogey schaut ihr nach.
„Die da… war kein Mensch.“
Woogey nickt. „Und verdammt stark.“
Und Asera?
Sie fliegt dem Horizont entgegen –
wo neue Inseln warten.
Und vielleicht… eine Strohhütin mit orangen Haaren.
__
Szene – Willkommen auf Drumm
Die eisigen Winde von Drumm fegen über die Schneefelder, peitschen durch die Bäume, die unter der
Last des Schnees ächzen. Die meisten Schiffe meiden diese Insel, vor allem jetzt, im tiefsten Winter.
Doch heute fällt ein Schatten vom Himmel.
Asera landet ruhig im knietiefen Schnee. Dünne, körpernahe Kleidung – kein Mantel,
keine Handschuhe. Die Luft friert jedem anderen das Blut in den
Adern. Aber sie steht ruhig. Unberührt.
Einige Dorfbewohner beobachten sie fassungslos, doch sie weichen nicht zurück – zu oft haben sie in
den letzten Tagen Wunder gesehen.
Dann taucht ein kräftiger Mann im Mantel auf, sein Blick wachsam, aber freundlich.
„Willkommen auf Drumm,“ sagt er, tritt durch den Schnee auf sie zu. „Ich bin Dalton.“
Asera neigt leicht den Kopf. „Danke. Ich suche jemanden.“
Dalton mustert sie kurz. „Du frierst nicht?“
Asera antwortet ruhig. „Nein.“
Noch bevor er etwas sagen kann, erklingt eine zweite Stimme von einem Schlitten, der gerade am
Dorfrand zum Stehen kommt:
„Dann bist du genauso verrückt wie ich.“
Dr. Kuleha, zierlich, zäh, über neunzig – und ebenfalls viel zu leicht bekleidet für das Klima. In
knappen Shorts und offenem Hemd springt sie vom Schlitten, zieht an ihrer Flasche und mustert
Asera mit einem Grinsen.
„Was führt dich her“, sagt sie, die Worte wehen wie Rauch durch die Kälte.
Asera nickt. „Ich suche die Strohhutpiraten.“
Kuleha zieht die Augenbraue hoch. „Die sind seit über einer Woche weg.
Sie haben meinen Schüler mitgenommen.“
Stolz liegt in ihrer Stimme, auch wenn sie es nicht zugibt.
Asera wirft einen Blick auf ihren Log-Port. Die Nadel beginnt sich langsam, sehr langsam, neu
auszurichten.
Kuleha sieht’s sofort. „Du hast Glück. Auf Drumm dauert das keine zwei Tage. Bald zeigt er
dir die nächste Insel.“
Asera nickt. „Ich warte.“
Kuleha zieht eine Augenbraue hoch. „Du willst hier draußen im Schnee stehen bleiben?“
Ein Grinsen folgt.
„Komm mit mir aufs Schloss. Unterhalten wir uns ein wenig.“
Dalton lächelt leicht. „Wenn sie dich einlädt, solltest du annehmen. Sie lädt nicht viele ein.“
Asera schaut auf die weiße Landschaft, dann auf die beiden. Und nickt.
„In Ordnung.“
__
Szene – Auf dem Schloss von Dr. Kuleha
Das alte Schloss thront auf einem der höchsten Gipfel Drums, von Schneeverwehungen umtost, aber
fest wie die Berge selbst. Innen ist es erstaunlich warm – ein riesiger Kamin lodert, medizinische
Geräte stehen kreuz und quer, überall Bücher, Flaschen, Instrumente.
Das Herz einer chaotischen, aber brillanten Ärztin.
Asera steht am Fenster, während der Wind an den Scheiben rüttelt. Hinter ihr sitzt Dr. Kuleha auf
einem Ledersessel, eine Flasche in der Hand, ein Glas in der anderen. Ihre Beine baumeln lässig über
die Lehne, der Blick scharf wie immer.
„Also, Mädchen… du fliegst aus dem Nichts auf Drumm, frierst nicht, siehst aus, als könntest du mit
bloßen Händen Häuser versetzen, und fragst nach Ruffy und seiner Bande.“
Sie trinkt einen Schluck.
„Sag mir, wer du bist. Und warum du sie suchst.“
Asera wendet sich langsam um. Ihre Stimme ist ruhig, aber klar.
„Mein Name ist Asera.“
Asera geht ein paar Schritte in den Raum, stellt sich in den Lichtkreis des Kamins. Ihre Haltung ist
aufrecht, ihre Augen ruhig.
„Ich komme nicht von hier. Nicht von dieser Welt. Ich weiß nicht, wie ich hier gelandet bin. Aber seit
ich hier bin, habe ich nur eines gespürt – dass es Menschen gibt, die beschützt werden müssen. Und
andere, die sie führen.“
Kuleha lauscht, schweigt, die Flasche halb vergessen.
„Ich habe ein Versprechen gegeben. An jemandem, der mir vertraut.“
Ein kurzer Blick zur Seite.
„Ihre Schwester reist mit den Strohhüten. Ihr Name ist Nami.“
Kuleha lehnt sich zurück. Ein paar Sekunden vergeht nur das Knistern des Feuers.
Dann grinst sie. Breit, fast wie ein Kind.
„Du bist seltsam. Aber mir gefällt’s.“
Sie hebt das Glas.
„Auf Nami. Und auf Leute, die ihre Versprechen halten.“
__
Szene – Aufbruch am Morgen
Die Nacht auf Drumm ist still. Selbst der Wind schläft für ein paar Stunden. Das Schloss liegt ruhig in
der Dunkelheit, nur das leise Knistern aus dem Kamin hallt durch die Gänge.
Kuleha hat nicht viele Gäste – und noch weniger, denen sie ein Bett anbietet.
Doch für Asera hat sie eines zurechtgemacht. Schlicht, aber warm. Kein Schnickschnack – nur Decken,
ein Fenster mit Blick auf die Berge und die klare Nacht.
Asera liegt ruhig da, die Augen offen, den Blick nach draußen gerichtet.
Am nächsten Morgen
Die Sonne bricht in silbrigen Streifen durch die Wolken, der Schnee glitzert. Über den höchsten
Gipfeln fliegen weiße Vögel, der Wind trägt die Ruhe eines neuen Tages.
Asera steht bereits auf, vollständig bereit, als Dr. Kuleha mit einem
dampfenden Becher ins Zimmer kommt.
„Du hast wirklich geschlafen wie ein Stein. Ich hätte gedacht, du meditierst im Stehen oder so.“
Asera schmunzelt kaum merklich. „Danke. Es war… ungewohnt ruhig.“
Kuleha reicht ihr den Becher. „Kräutertee. Kein Gift, versprochen.“
Asera nimmt ihn, trinkt. Dann geht ihr Blick zum Log-Port an ihrem Gürtel.
Die Nadel hat sich stabilisiert – sie zeigt klar nach Süden, ruhig und entschlossen.
„Er hat seinen Kurs gefunden“, sagt Asera.
Kuleha nickt. „Dann ist es Zeit.“
Asera geht zur Tür, bleibt aber noch einmal stehen. Ihr Blick trifft den der alten Ärztin.
Kuleha verschränkt die Arme. „Wenn du meinen kleinen Rentier-Schüler siehst…“
Ein kurzer Moment. Kein Lächeln, aber ihre Stimme wird leiser.
„…sag ihm, dass ich stolz auf ihn bin. Und dass er ruhig mehr schreiben kann.“
Asera nickt. „Ich werde es ihm ausrichten.“
Kuleha hebt die Hand. „Mach’s gut, Fremde. Und lass dich nicht von dieser Welt fressen.“
Asera tritt hinaus. Der Wind empfängt sie mit frostigem Willkommensgruß.
Sie hebt ab, steigt ruhig in den Himmel über Drumm.
Und dann – schießt sie in Richtung Süden.
Dorthin, wo die nächste Insel wartet.
Dorthin, wo irgendwann die Strohhüte sind.
Und vielleicht… ein kleiner Arzt mit großem Herzen.
__
Szene – Ankunft in Alabasta
Die sengende Hitze liegt wie ein brennender Schleier über der goldenen Stadt Alubarna, Hauptstadt
des Wüstenreichs Alabasta. Händler rufen in den Gassen, Kamele ziehen langsam durch das Tor,
Staub flimmert über den Straßen. Über allem thront der Palast – weit sichtbar, eine Bastion aus
hellem Stein und königlicher Ordnung.
Dann: Ein Schatten fällt auf den Innenhof.
Ein Windstoß, gewaltig, aber gezügelt.
Sand wirbelt auf, Wachen schrecken zurück, ihre Hände an den Waffen – denn aus dem Himmel
landet eine Frau, muskulös, ruhig, in schwarzer Kleidung mit roten Akzenten.
Keine Waffe. Kein Banner. Aber sie flog. Das allein reicht, um Nervosität zu entfachen.
„W-Wer ist das?!“ – „Eine Angreiferin?“ – „Was ist das für eine Kraft?!“
Die Wachen stellen sich schützend vor den Eingang des Palastes, doch niemand wagt den ersten
Schritt. Ihre Ausstrahlung… lässt sie zögern.
Da betritt ein Mann mit hoher Perücke und wehendem Umhang eiligen Schrittes den Hof. Ein
höfisches Lächeln, das misstrauisch prüft.
„Ich bin Igaram, königlicher Berater. Ihr betretet den Hof von König Cobra.
Nennt euren Namen – und den Grund eures Besuches.“
Asera steht ruhig. Ihre Stimme ist klar.
„Ich bin Asera. Ich suche die Strohhutpiraten.“
Die Wachen spannen sofort wieder an. Igaram verzieht das Gesicht. „Die Strohhüte?!“
Doch noch bevor er weiterfragen kann, öffnet sich das Tor hinter ihm. Eine Frau tritt heraus – schlank,
aufrecht, mit langer blauer Mähne und einem ernsten Blick.
Vivi.
Sie erkennt den Namen – Strohhüte.
Aber nicht die Frau, die ihn ausspricht.
Asera schaut sie direkt an. Ihre Stimme ist ruhig, aber fest.
„Ich will ihnen nichts Böses. Ich kenne niemanden in diesem Land.
Ich suche nur eine Person, die mit ihnen reist.“
Vivi bleibt stehen. Ihre Augen verengen sich leicht.
„Wen genau?“
„Nami.“
Ein Moment Stille.
Igaram tritt zwischen sie. „Wie kommt Ihr zu diesem Namen? Was ist euer Ziel?“
Asera senkt den Blick nur leicht.
„Ich habe jemandem versprochen, sie zu finden. Das ist alles.“
Vivi sagt nichts. Ihre Haltung bleibt wachsam – aber nicht feindlich.
Sie schaut Asera an.
Diese Muskeln. Diese Ruhe. Diese… Kraft. Keine normale Frau. Kein Kopfgeldjäger. Kein Soldat.
Aber ist sie eine Bedrohung? Oder ein Schild?
„Ich weiß nicht, ob ich dir trauen kann“, sagt Vivi ehrlich.
Asera nickt. „Das musst du auch nicht. Ich verlange nichts. Ich frage nur.“
Ein langer Moment vergeht. Dann sagt Vivi langsam:
„Die Strohhüte sind nicht mehr hier. Sie sind vor einigen Tagen weitergezogen. Aber
wohin genau… das weiß ich nicht.“
Asera neigt leicht den Kopf. „Danke.“
Vivi sieht ihr hinterher.
Und fragt sich, wer diese Frau wirklich ist.
__
Szene – Zwei Tage in Alabasta
Asera hatte sich bereits zum Gehen gewandt, der Blick zum Horizont, bereit weiterzuziehen – doch
dann hallt eine Stimme über den heißen Stein des Palasthofs:
„Warte!“
Asera bleibt stehen, dreht sich langsam um.
Vivi tritt einen Schritt vor. Selbstsicher, aber mit Nachdruck. Ihre Augen sind ernst, aber nicht kalt.
„Der Log-Port… wird dir ohnehin noch nichts nützen. In Alabasta braucht er mindestens zwei
Tage, bis er sich neu ausrichtet.“
Asera blickt auf den Log-Port an ihrem Gürtel.
Die Nadel dreht sich noch. Unentschlossen. Vivi hat recht.
„Dann warte ich eben zwei Tage.“
Sie will sich schon abwenden, als Vivi erneut spricht – leiser diesmal, aber direkt:
„Warte. Ich… möchte dich kennenlernen.“
Neben ihr hebt Igaram schockiert die Arme. „Prinzessin Vivi, das ist ein Fehler! Diese Frau ist
unregistriert, unüberwacht, fliegt einfach in den Palasthof! Sie könnte… sie könnte alles sein!“
Vivi dreht den Kopf leicht zu ihm. Ihre Stimme bleibt ruhig.
„Und trotzdem hat sie sich weder bedrohend verhalten noch gelogen. Ich entscheide das, Igaram.“
Asera hebt eine Augenbraue. „Ich brauche kein Quartier. Ich kann draußen bleiben.“
„Unsinn“, sagt Vivi, jetzt mit einem leichten Lächeln. „Du wirst eh beobachtet, egal wo du schläfst.
Dann lieber im Palast, mit echtem Essen.“
Igaram schnaubt und zieht sich schmollend zurück, murmelnd über „verrückte Gäste“ und „Regeln,
die keine mehr sind“.
Vivi geht ein paar Schritte auf Asera zu. „Ich habe Fragen. Du bist anders. Und du kommst wegen
Nami. Das reicht für mich, um es zu versuchen.“
Asera nickt. Keine Umstände. Keine Zweifel.
„Dann bin ich zwei Tage lang gerne euer Gast.“
Und so beginnt ein kurzes Verweilen im Palast von Alabasta –
zwischen Hitze, Sand und königlicher Neugier.
__
Szene – Begegnung mit König Cobra
Der Nachmittag senkt sich langsam über Alubarna. Goldener Staub tanzt im Licht, während die hohen
Fenster des Palastes das Sonnenlicht auf polierte Mosaikböden werfen. In einem der ruhigen
Innenhöfe, abgeschirmt vom Trubel, sitzt König Cobra auf einer Bank aus hellem Stein – ein Mann mit
leicht ergrautem Haar, klarem Blick und der Ausstrahlung eines Herrschers,
der schon zu viel gesehen hat.
Asera wird von Vivi selbst dorthin geführt. Sie geht ruhig, respektvoll, ihre Haltung aufrecht, aber
nicht stolz. Als sie sich nähert, hebt Cobra langsam den Blick.
Vivi verbeugt sich leicht. „Vater – das ist Asera. Unsere… ungewöhnliche Besucherin.“
Cobra mustert sie mit Interesse, aber ohne Misstrauen. „Also die Frau, die geflogen kam.“
Asera verneigt sich mit einem kurzen, stillen Nicken. „König Cobra.“
„Setz dich“, sagt er ruhig und deutet neben sich auf die Bank.
„Ich bevorzuge Gespräche auf Augenhöhe.“
Asera tut es. Der Stein ist warm von der Sonne.
Ein paar Sekunden vergeht nur Stille. Dann fragt Cobra sanft:
„Du suchst die Strohhüte. Warum interessieren dich ausgerechnet sie?“
Asera antwortet leise, ohne Ausweichen:
„Weil jemand, der mir wichtig ist, ihnen vertraut.
Und ich möchte verstehen, wem dieses Vertrauen gehört.“
Cobra nickt. Langsam. Bedächtig. „Ein guter Grund.“
Dann schweigt er erneut – aber nicht lange.
„Sie haben uns gerettet. Mein Land war innerlich zerbrochen. Von außen wirkte alles friedlich, aber in
Wahrheit stand Alabasta kurz vor dem Bürgerkrieg.“
Seine Stimme wird schwerer.
„Ein Mann namens Crocodile, einst ein gefeierter Held, hatte das Volk mit Lügen und Gewalt in seine
Kontrolle gebracht. Die Strohhüte waren jene, die das Netz zerschnitten haben – mit Mut, Chaos…
und einem unbestechlichen Herzen.“
Asera hört ruhig zu. Keine Mimik, aber ihre Augen verraten: Sie speichert jedes Wort.
„Ruffy… ist vielleicht der Verrückteste unter ihnen“, fährt Cobra fort, ein leichtes Schmunzeln in der
Stimme. „Aber er hat meinem Land Frieden zurückgegeben. Und meiner Tochter ihre Stimme.“
Vivi, die an einer Säule steht, senkt kurz den Blick.
„Und Nami?“ fragt Asera schließlich.
Cobra nickt. „Klug. Hart verhandelt. Sie war skeptisch – misstrauisch. Aber loyal.
Als es darauf ankam, war sie da. Ohne zu zögern.“
Ein Moment Stille.
Dann sagt Asera: „Danke. Ich wollte nicht nur ihrer Spur folgen. Ich wollte verstehen, warum jemand
wie Nojiko auf sie vertraut.“
Cobra sieht sie an. „Jetzt weißt du es.“
Asera steht langsam auf.
„Ich werde weiterziehen, sobald der Log-Port es zulässt. Ich werde sie finden.“
Cobra nickt.
„Und wenn du wieder über unseren Himmel fliegst –
tu es das nächste Mal bitte etwas unauffälliger.“
__
Szene – Fragen in der Morgensonne
Der nächste Morgen beginnt ruhig. Die Sonne steht tief, wirft lange Schatten auf die kühlen
Steinterrassen des Palastes. Palmen rascheln im warmen Wind,
Diener tragen Wasserkrüge durch die Höfe.
Asera sitzt im Schatten einer Arkade, den Blick auf die Stadt gerichtet. Neben ihr –
neugierig wie am ersten Tag – Vivi.
„Du bist also… hergeschickt worden?“ fragt Vivi und blickt Asera mit prüfendem Blick an. „Von wem?
Und warum?“
Asera bleibt ruhig. Ihre Stimme ist ruhig wie immer.
„Ich weiß nicht, ob du ihr glauben würdest. Sie heißt Vados. Sie ist… kein Mensch. Sie hat mich in
diese Welt gebracht, weil sie glaubte, dass ich hier gebraucht werde.“
„Und seitdem? Was hast du getan?“
Asera atmet kurz durch. Dann beginnt sie, ohne Pathos.
„Ich war auf Kokos. Habe geholfen, ein Dorf wieder aufzubauen. Dann in Loguetown – habe ein Kind
gerettet, einen Piraten ausgeschaltet. Danach… war ich auf einer Insel, auf der zwei Krieger
gegeneinander kämpften. Riesen.“
Vivi hebt den Kopf. „Warte. Riesen?“
Asera nickt. „Sie hießen Boogey und Woogey. Ich habe ihnen angeboten, gegen mich zu kämpfen –
damit sie entscheiden können, wer der Stärkste ist. Ich habe beide besiegt.
Jetzt können sie nach Elban zurückgekehrt.“
Ein Moment völliger Stille.
Vivi starrt sie an.
„Die Boogey und Woogey?! Die Krieger Elbans, die sich seit einem Jahrhundert
duellieren…? Du willst mir sagen, du hast sie beide besiegt?!“
Asera schaut sie ruhig an. „Ja.“
Vivi stockt. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, halb ungläubig, halb ehrfürchtig.
„Und ich dachte schon, Ruffy wäre unmöglich.“
Szene – Abschied
Der Tag darauf bringt Bewegung in den Palast. Der Log-Port an Aseras Gürtel hat sich ausgerichtet –
klar, fest, eine neue Richtung.
Vivi steht vor dem Tor, diesmal allein. Keine Wachen. Keine Formalitäten. Nur sie – und Asera, bereit
zum Aufbruch.
„Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit gehabt, dich kennenzulernen“, sagt Vivi ehrlich. „Ich weiß noch
immer nicht, ob du real bist oder nur ein besonders verrückter Traum.“
Asera schmunzelt leicht. „Vielleicht. Beides.“
Sie tritt einen Schritt zurück, hebt leicht vom Boden ab – doch Vivi ruft noch einmal:
„Wenn du die Strohhüte findest…“
Asera bleibt schwebend stehen, über dem Sand.
„…sag ihnen, sie sollen auf sich aufpassen. Sag Nami, dass ihre Schwester auf sie vertraut. Und sag
Ruffy…“
Sie lacht kurz. „…dass Alabasta ihn nie vergessen wird.“
Asera nickt.
„Ich richte es aus.“
Dann steigt sie höher, der Wind spielt mit ihrem Haar, die Sonne blendet über den Mauern.
Und mit einem Schlag ist sie fort.
Ein dunkler Punkt am Himmel.
Ein fremder Wind, der durch Alabasta geflogen ist –
und Spuren hinterlässt, auch ohne je eine Flagge zu hissen.
__
Szene – Jaya: Begegnung im Dreck
Die Insel Jaya stinkt nach Alkohol, Gier und gescheiterten Träumen. Piraten jeglicher Art tummeln sich
in den staubigen Straßen von Mock Town – sie trinken, prahlen, lügen. Am Hafen liegen Schiffe, halb
auseinandergefallen, teils gestohlen. Und inmitten all dessen:
Marshall D. Teach – auch bekannt als Blackbeard.
Er sitzt vor einer Taverne, lacht grollend in den Himmel, umgeben von seiner Bande. In seiner Hand
eine Flasche, auf seinem Kopf ein zerbeulter Hut, und in seinen Augen: Größenwahn.
„Zehahaha! Der Strohhut ist mir entwischt! Aber das war nicht das Ende! Nein, nein!
Heute… hat das Schicksal mir etwas Besseres geschickt!“
Sein Finger zeigt in die Straße –
dorthin, wo Asera gerade langsam durch das Getümmel geht,
staubige Luft, Gelächter, Spucke auf den Boden –
und sie mittendrin, ruhig, unberührt, die Augen vorwärts gerichtet.
„He, Schönheit!“ ruft Teach und steht auf, breitbeinig, mit offener Jacke.
„So eine wie du sollte nicht allein durch diese Welt ziehen! Was hältst du davon, die Braut des
zukünftigen Königs zu werden?! Zehahaha!“
Asera bleibt stehen. Kurz. Dreht leicht den Kopf.
Dann geht sie weiter. Kein Wort.
Seine Männer johlen, doch Teach’ Blick verengt sich.
„Was?! Du wagst es, mich zu ignorieren?!“
Er hebt die Hand, eine finstere, brodelnde Aura beginnt sich in seiner Faust zu sammeln –
Schwarze Schlingen aus Dunkelheit greifen nach der Umgebung, der Boden wird rissig, Flaschen
zerbersten, die Luft vibriert.
„Ich hab dir was angeboten, Weib! Du wirst gleich lernen, wer hier der Stärkste ist!“
Doch noch bevor sich die Dunkelheit ganz ausbreiten kann –
ist Asera direkt vor ihm.
Niemand hat gesehen, wie sie sich bewegte. Kein Schritt. Kein Geräusch.
Nur eine Faust. Ein einziger Treffer.
Ein explosives Krachen reißt die Straße auf –
und Blackbeard wird mit voller Wucht durch die Wand der Taverne geschleudert.
Tische zerbrechen, Holz splittert, Fenster zerspringen.
Er bleibt in einem Trümmerhaufen liegen, röchelnd, das Gesicht verbeult, die Aura zitternd.
Stille. Keiner seiner Männer rührt sich.
Asera dreht sich ruhig um, geht weiter – als sei nichts geschehen.
Ein Mann flüstert: „Sie hat… sie hat Blackbeard mit einem Schlag…“
Und während Teach blutend im Dreck liegt und sein Schatten flackert,
verschwindet Asera –
weiter auf dem Weg, der sie zu jenen führen soll,
die nicht nur reden, sondern handeln.
__
Szene – Der Mann, der nach oben zeigte
Die Sonne brennt durch das dichte Blätterdach des Dschungels. Insekten surren, irgendwo in der
Ferne kräht ein Vogel – doch Asera schenkt dem keine Beachtung.
Sie steht auf einer kleinen Anhöhe, nur wenige Schritte von einer alten Holzhütte entfernt. Der Log
Port an ihrem Gürtel… zeigt nach oben. Nicht schräg. Nicht unklar. Senkrecht.
Asera hebt ihn, dreht ihn prüfend. Die Nadel bleibt starr.
Ihr Blick verengt sich.
„Vielleicht ist er kaputt…“, murmelt sie.
Doch in ihrer Stimme liegt kein Zweifel – nur nüchterne Überprüfung.
Da knarzt die Tür der Hütte. Ein kräftiger Mann mit wettergegerbtem Gesicht, muskulösem
Oberkörper und einer Art… Frucht auf dem Kopf tritt heraus.
Er mustert sie, als hätte er sie erwartet.
Montblanc Cricket.
„Er ist nicht kaputt.“
Asera wendet sich zu ihm, ohne Überraschung.
„Du kennst dieses Verhalten?“
Cricket nickt, kommt näher, ein Seil in der Hand, an dem er gerade ein Netz flickte.
„Wenn der Log-Port nach oben zeigt, bedeutet das: Eine Himmelsinsel ist über uns.
Und der Knock-Up-Stream ist nahe.“
Asera sieht ihn an. „Du meinst das ernst?“
„So ernst wie eine Seeschlange mit Seekrankheit“, sagt Cricket trocken.
„Die Strohhutbande ist dorthin aufgebrochen. Durch eine riesige Wassersäule“
Asera schweigt einen Moment, dann blickt sie ruhig gen Himmel. Die Wolken sind hoch, weiß,
harmlos – doch der Log-Port bleibt starr.
„Und wenn man nicht auf ein Schiff angewiesen ist?“
Cricket hebt eine Augenbraue. „Wie meinst du das…?“
Asera antwortet nicht – sie schwebt einfach langsam empor, bis sie auf Augenhöhe mit dem
Hüttendach ist. Dann landet sie wieder. Leise.
Cricket pfeift durch die Zähne. „Na, dann hast du den einfacheren Weg erwischt.“
„Wenn die Strohhüte dort oben sind, werde ich sie finden“, sagt Asera ruhig.
Cricket kratzt sich am Kinn. „Flieg nicht einfach blind hoch. Der Knock-Up-Stream ist ein
Naturmonster. Selbst wenn du fliegen kannst – näher ran solltest du erst, wenn du den Druck spürst.
Sonst verlierst du die Spur.“
Asera nickt.
„Danke.“
Sie schnallt den Log-Port wieder fest an den Gürtel. Dann ein letzter Blick in die Höhe.
Noch ist nichts zu sehen. Aber bald.
Und dann – fliegt sie.
Gezielt. Kontrolliert. Entschlossen.
Cricket bleibt stehen, die Hände in die Hüften gestemmt.
„Strohhüte, was für Leute zieht ihr da bloß an…?“ murmelt er.
Und grinst.
__
Szene – Die Flagge mit der Zunge
Der Himmel über Jaya ist nicht mehr ruhig. Wolken sammeln sich, der Wind frischt auf – der Knock
Up-Stream rührt sich. Die Luft wird dichter, das Meer unruhiger.
Asera schwebt hoch über dem Rand des Dschungels, der Blick weit über die Küste. Ihre Augen
erfassen jedes Schiff, jede Bewegung.
Und dann – etwas Ungewöhnliches.
Ein Piratenschiff, größer als die meisten, mit auffälligen Segeln und seltsamen Verstärkungen am
Rumpf.
Doch es ist nicht das Schiff selbst, das sie innehalten lässt – sondern die Flagge:
Ein roter Mund, offen, grotesk lächelnd – und eine lange Zunge, die heraushängt wie eine
Herausforderung. Keine klassische Jolly Roger. Kein Totenkopf.
Aber eindeutig Pirat. Und eindeutig… verrückt.
Asera beobachtet, wie die Crew hektisch Vorbereitungen trifft – Taue werden verstärkt, Fässer
verzurrt, Segel eingeholt, Männer rufen einander zu. Sie tragen seltsame Kleidung, grelle Muster, metallene Masken.
„Sie wollen auch nach oben“, murmelt Asera.
Sie bleibt in der Luft, schwebt hoch genug, um nicht gesehen zu werden, aber tief genug, um alles zu
erfassen.
Ihre Gedanken sind klar.
„Wenn sie sich in den Knock-Up-Stream werfen, werde ich ihnen folgen. Vielleicht führt ihr Weg
zum selben Ziel wie meiner.“
Sie spannt leicht die Finger, der Wind zerrt an ihrem Haar.
Wenn diese Piraten einen Plan haben – oder dorthin gehören, wo die Strohhüte sind –
dann wird sie mitfliegen.
Nicht blind. Nicht als Verbündete.
Sondern als Schatten am Himmel.
Und wenn nötig – als Warnung,
die sie nie kommen sehen.
__
Szene – Der Himmel öffnet sich
Die Luft über Jaya beginnt zu beben. Ein leises, tiefes Grollen dringt aus dem Ozean, als würde die
Welt selbst den Atem anhalten. Die Möwen sind längst verschwunden, das Wasser zieht sich zurück –
und dann bricht es los.
Der Knock-Up-Stream.
Mit einem ohrenbetäubenden Krachen schießt eine gewaltige Wassersäule aus dem Meer – breit wie
ein Dorf, hoch wie ein Gebirge. Ein Naturphänomen von unkontrollierbarer Kraft. Der Ozean
explodiert nach oben.
Und mittendrin:
Das Piratenschiff mit der grotesken Zungen-Flagge.
Die Besatzung kreischt, jubelt, klammert sich an die Reling. Das Schiff wird erfasst – hochgerissen,
wie ein Spielzeug in einem Geysir. Wasser spritzt in alle Richtungen,
Blitze zucken durch die feuchte Luft.
Und über all dem – Asera.
Sie fliegt. Ruhig. Kontrolliert. Die Augen fest auf das Schiff gerichtet,
das in wilder Fahrt dem Himmel entgegenrast.
Als die ersten Gischtkronen auf sie zuströmen, beschleunigt sie. Kein Zittern, kein Zögern. Sie
durchbricht die tobende Wassersäule mit Leichtigkeit, gleitet an der Strömung entlang wie ein Pfeil,
der sein Ziel nie aus den Augen verliert.
Der Wind peitscht, das Wasser donnert – aber Asera bleibt auf Kurs.
Sie folgt dem Schiff.
Dorthin, wo der Log-Port hinzeigt.
Dorthin, wo die Strohhüte sein könnten.
Und als die Wassersäule langsam verblasst,
verschwinden das Piratenschiff –
und Asera –
im Nebel über den Wolken.
Auf dem Weg zur Himmelsinsel.
__
Szene – Ankunft auf Skypia
Wolken. Weiß, weich, unendlich. Kein Meer, aber Land – und Himmel.
Sie schwebt langsam durch eine schimmernde Wolkendecke und taucht in eine Welt ein, wie sie sie
noch nie gesehen hat: Inseln auf Wolken, fliegende Fische, Gebäude auf Wolken, riesige Bäume.
Skypia.
Asera landet lautlos am Rand eines kleinen Dorfes. Die Menschen dort bemerken sie schnell – aber
statt Angst oder Misstrauen begegnet man ihr mit einem seltsamen Lächeln. Ein junger Mann mit
rundem Gesicht und auffälligem Haarschopf ruft als Erster:
„Nabel!“
Dann folgen andere. Alte, Junge, Frauen, Kinder – alle begrüßen sie mit dem gleichen Wort:
„Nabel!“
Asera bleibt stehen, hebt leicht eine Augenbraue.
„Was bedeutet das…?“
Da tritt ein älterer, freundlicher Mann aus der Menge – barfuß, mit lockerem Gewand und einem
ruhigen Lächeln.
„Es bedeutet ‚Hallo‘ auf Skypia,“ sagt er.
„Ich bin Pagaya. Und das ist meine Tochter, Conis.“
Neben ihm verbeugt sich ein junges Mädchen mit sanften Augen und langen blonden Haaren.
„Nabel! Willkommen auf Skypia.“
Asera nickt. „Ich bin Asera. Ich folge einer Spur. Vielleicht wart ihr vor Kurzem Gastgeber einer
bestimmten Piratenbande?“
Pagaya überlegt nicht lange. „Du meinst sicher die Strohhüte. Ja – sie waren hier. Mutig, laut… und
voller Chaos.“
Conis lächelt. „Sie haben uns geholfen. Sehr sogar. Aber sie sind weitergezogen.“
Asera senkt leicht den Blick. Wieder zu spät.
Doch sie wirkt nicht enttäuscht – nur entschlossener.
„Wisst ihr, wohin sie gegangen sind?“
Pagaya schüttelt den Kopf. „Leider nicht genau. Aber sie sprachen von der Rückkehr ins Blaumeer.“
Conis schaut sie an, neugierig. „Du bist nicht wie sie. Du wirkst… ernster.“
Asera nickt. „Ich bin nicht hier, um Abenteuer zu suchen. Ich bin hier, um jemanden zu finden.“
Pagaya schaut in den Himmel, als würde er durch die Wolken blicken.
„Dann ruh dich aus, Asera. Der Himmel ist weit – aber wer sucht mit offenem Herzen, wird nicht
umsonst gehen.“
Asera blickt still über die Wolkeninseln.
Die Spur ist kalt – doch die Reise geht weiter.
Und Skypia?
Begrüßt sie mit einem Lächeln. Und einem letzten:
„Nabel!“
__
Szene – Der gefallene Gott
Die Wolkeninseln liegen still unter einem weiten, goldenen Himmel. Asera steht am Rand eines
hochgelegenen Plateaus, den Log-Port in der Hand.
Die Nadel dreht sich. Endlos. Ohne Richtung.
Unentschlossen wie der Wind.
„Er findet keinen Kurs…“
Neben ihr steht Conis, mit einem sanften Ausdruck, doch verständnisvoller Stimme:
„Das ist normal. Hier oben gibt es kein Magnetfeld wie im Blaumeer. Der Log-Port funktioniert
nur unten wieder. Sobald du zurückkehrst, wird er sich neu ausrichten.“
Asera nickt. „Dann ist es Zeit, aufzubrechen.“
Doch irgendetwas hält sie zurück. Eine Ahnung. Eine Störung.
Später – außerhalb des Dorfes
Asera erkundet die oberen Wolkenschichten – Orte, an die nur wenige Menschen oder Engel sich
wagen. Und dort, verborgen hinter einem von Ruinen übersäten Wolkenberg, stößt sie auf etwas
Ungewöhnliches:
Ein riesiges Schiff.
Metallisch, massiv, unfertig. Halb Wolkenholz, halb Gold, mit
ausgebreiteten Flügeln aus Metall.
Asera landet lautlos auf dem oberen Deck. Alles ist still.
Dann – ein Geräusch.
Ein Schritt.
Ein metallischer Nachhall.
Sie dreht sich um – und sieht ihn:
Ein hochgewachsener Mann, hager, mit langen Ohrläppchen, kahlem Kopf und auffälligem weißen
Gewand. Um ihn weht eine Restspannung von elektrischer Kraft, doch sie ist schwach, verloren.
Sein Blick ist müde, gezeichnet, aber nicht weniger hochmütig.
Enel.
Er mustert sie mit einem Ausdruck aus Überlegenheit und Erschöpfung.
„Du bist kein Skypianer. Und keiner vom Blaumeer. Und du verbeugst dich nicht.“
Er hustet leise, eine Hand an der Seite.
„Interessant.“
Asera bleibt ruhig. „Du bist verletzt.“
„Ich bin enttäuscht“, sagt Enel.
„Von dieser Welt. Von diesen Menschen. Von ihrem Mangel an Ehrfurcht.“
Er hebt die Hand, Blitze zucken kurz auf – dann verlöschen sie.
„Ich werde diesen Planeten verlassen.“
Asera mustert ihn. „Du willst fliehen.“
„Ich will steigen“, korrigiert Enel. „Zu den Sternen. Dorthin, wo keine Insekten kreischen. Kein Lärm.
Keine Dummheit.“
Ein Moment der Stille.
Asera schaut sich das riesige Schiff an. Ihre Stimme ist ruhig:
„Und was wirst du dort finden?“
Enel blickt zum Himmel.
„Stille. Oder… das, was ich verdient habe.“
Asera sagt nichts. Doch ihre Augen verraten, was sie denkt.
Nicht Wut. Nicht Mitleid.
Nur Erkenntnis: Dies ist ein König, der gefallen ist – und sich selbst nicht eingesteht,
dass er gestürzt wurde.
Sie wendet sich ab.
„Dann flieg. Aber verschwinde nicht, weil du verloren hast – sondern weil du verstanden hast.“
Enel antwortet nicht.
Und Asera?
Sie verlässt das Schiff –
und überlässt den selbsternannten Gott seinem Himmel.
Der Log-Port wartet.
Die Erde ruft.
Und der Weg der Strohhüte führt weiter.
__
Szene – Rückkehr ins Blaumeer
Die Wolken brechen auf, als Asera langsam absteigt.
Über ihr verblasst Skypia – eine Insel aus Licht, Nebel und Erinnerungen,
schon jetzt nur noch ein Schatten am Himmel.
Der Himmel schweigt. Keine Spur mehr von goldenen Kuppeln oder geflügelten Menschen.
Skypia ist weitergezogen.
Wie ein Traum, der weiß, wann er enden muss.
Unter ihr breitet sich das Blaumeer aus – endlos, tief, flüssiges Azur.
Die Sonne spiegelt sich auf den Wellen, Möwen schreien, und der Wind riecht nach Salz, nach Erde,
nach Welt.
Asera fliegt ruhig, kontrolliert – und doch:
Etwas hat sich verändert.
Der Log-Port.
Er kreist nicht mehr ziellos.
Die Nadel tanzt nicht mehr im Kreis.
Sie beginnt sich zu beruhigen –
schwingt in einem immer engeren Bereich,
als würde sie einen Ort spüren,
einen Kurs finden.
Asera bleibt kurz in der Luft stehen, hoch über dem Meer.
Der Wind streicht durch ihr Haar, das Wasser glitzert unter ihr,
und der Weg vor ihr formt sich – langsam, aber sicher.
Sie atmet tief durch.
Die Jagd geht weiter.
__
Szene – Die falsche Wahl
Longring Longland – eine endlose Reihe von grünen Inselringen, die bei Ebbe zu einem einzigen
Landstrich verschmelzen. Die Luft ist frisch, das Gras weich, und aus der Ferne hört man Möwen und
das leise Stampfen großer Tiere. Eine idyllische Landschaft… die bald gestört wird.
Asera landet ruhig am Rand eines Küstenhügels. Unter ihren Füßen das sanfte Gras, an ihrer Seite
zwei Log-Ports.
Sie hebt beide nacheinander an.
Beide Nadelspitzen drehen sich.
Wieder.
„Schon wieder kein Kurs…“
Da erklingt eine Stimme – theatralisch, laut, nasal.
„Ohohoho! Na, was haben wir denn da?! Eine verlorene Schönheit auf meinem Trainingsfeld?“
Asera dreht sich langsam um.
Ein großer Mann mit violettem Mantel, spitzem Kinn und viel zu viel Selbstvertrauen steht da:
Foxy, der Silberfuchs, umringt von ein paar seiner nutzlosen Handlanger. Neben ihm eine Frau mit
Spitzer Nase und genervtem Blick – Porche.
„Der Log-Port braucht hier sieben Tage, um sich auszurichten“, erklärt Porche halb desinteressiert.
„Zu viel Nebel, zu wenig Magnetkraft.“
Asera sagt nichts. Ihr Blick wandert zu Foxys Handgelenk –
dort trägt er einen vollständig ausgerichteten Log-Port. Stabil. Ruhig.
Foxy grinst. „Aber weißt du was, Kleine? Tritt doch einfach meiner Piratenbande bei!
Ich bin ein… wie soll ich sagen… großherziger Kapitän! Und hübsche
Gesichter sind immer willkommen!“
Ein Zwinkern. Schleimig.
Asera tritt ruhig näher.
„Ich brauche deinen Log-Port.“
„Oho? Da musst du wohl erst bei einem Davy Back Fight mitmachen! Oder heiraten! Oder…“
Zack.
Asera ist direkt vor ihm. Foxy zuckt zusammen.
Mit einem Handgriff nimmt sie ihm den Log-Port vom Arm.
„Ich geb dir was dafür“, sagt sie kühl – und wirft ihm den alten Log-Port von Whiskey Peak zu, den sie
sich damals „ausgeliehen“ hatte.
„Er zeigt auch irgendwann irgendwohin.“
Foxy starrt auf das alte Gerät. „Was zum…?! So läuft das aber nicht!“
Sein Gesicht wird wütend, die Lippen zittern, dann zieht er plötzlich zwei Finger hoch.
„Slow… Beam!“
Ein träger, glitzernder Lichtstrahl fliegt auf Asera zu – zu langsam, um gefährlich zu wirken.
Doch als er trifft, umhüllt ihn sofort die Wirkung seiner Teufelsfrucht:
Verlangsamung.
Auch Asera wird getroffen.
Ein Moment Stille. Foxy grinst schon.
Doch dann…
Asera bewegt sich trotzdem.
Langsam? Ja.
Aber ihre verlangsamte Bewegung ist schneller als alles, was Foxy je gesehen hat.
Denn wenn man sich eigentlich mit Schallgeschwindigkeit bewegt…
…macht selbst ein Slow Beam nur einen marginalen Unterschied.
Knack.
Sie steht wieder vor ihm.
Ein kurzer Luftstoß weht sein Haar durcheinander.
Asera beugt sich leicht vor.
„Falsche Entscheidung.“
Foxy kippt rückwärts in den Sand. Porche weicht mit einem Sprung zurück. Die Crew ist
verschwunden.
Asera schnallt den ausgerichteten Log-Port an – direkt neben Nojikos.
Ein Blick gen Horizont. Der neue Kurs steht.
Die Jagd kann weitergehen.
Und Foxy?
Der flüstert noch immer: „…ohoho… vielleicht war sie doch ein bisschen zu schnell…“
Bevor er endgültig das Bewusstsein verliert.
__
Szene – Water 7: Schatten zwischen den Wellen
Eine Stadt auf dem Wasser, lebendig und stolz. Schiffswerften singen vom Klang der Hämmer, Kanäle
durchziehen die Stadt wie Adern. Überall herrscht geschäftiges Treiben – Handwerker rufen, Händler
handeln, Kinder springen von Steg zu Steg.
Asera betritt die Stadt über eine der langen Stege. Ihre Schritte sind ruhig, kontrolliert, aber ihre
Augen scannen bereits das Umfeld.
Holz. Stein. Wasser. Menschen.
Und etwas anderes.
Sie geht vorbei an einem Marktstand, ein paar Händler nicken ihr zu. Ihre Erscheinung fällt auf – zu
muskulös, zu ruhig, zu fremd. Doch sie ignoriert die Blicke. Zunächst.
Dann – ein Gefühl.
Nicht fremd. Nicht gefährlich. Aber wachsam.
Sie wird beobachtet.
Asera bleibt stehen, den Blick auf ein vorbeifahrendes Wasserschiff gerichtet. Aber ihr Gehör, ihr
Instinkt – alles warnt sie.
Jemand folgt ihr. Nicht nah. Nicht laut. Aber präzise.
Sie biegt in eine Seitengasse, ruhig, als würde sie sich nur umsehen. Die Sonne spiegelt sich auf den
Kanälen, der Wind trägt Stimmen.
Dann bleibt sie stehen. Dreht sich langsam um.
Nichts. Kein Schatten, kein Geräusch.
Doch sie sagt laut:
„Wer immer du bist – überlege dir gut was du tust.“
Ein Moment Stille.
Dann – das leise Knirschen von Schuhen auf Stein.
Ein Schatten zieht sich zurück. Zu schnell für einen normalen Menschen.
Zu langsam für jemanden wie Asera.
Sie sagt nichts weiter. Ihre Hand ruht locker an der Hüfte, bereit – aber nicht drohend.
Water 7 ist anders.
Hier fließen Geld, Macht, Informationen – und etwas, das sich in den Schatten bewegt.
__
Szene – Im Herzen von Water 7
Die Kanäle glitzern, das Geräusch von Hämmern und Sägen hallt durch die Docks.
Die Galley-La Company, Water 7s berühmteste Schiffswerft, pulsiert vor Leben.
Arbeiter rufen durcheinander,
Kräne quietschen, Seile spannen sich.
Asera schreitet ruhig durch das Hauptareal – eine schmale Metallbrücke führt zwischen zwei Docks
hindurch. Ein alter Vorarbeiter, die Stirn schweißbedeckt, zeigt mit dem Daumen über die Schulter.
„Wenn du was von den Strohhüten willst, dann sprich mit Eisberg. Der weiß, wer zuletzt hier war.“
Asera nickt knapp, geht weiter. Ihr Blick bleibt ruhig, doch ihr Instinkt ist geschärft.
Links von ihr: ein gewaltiges Trockendock, in dem ein halbfertiges Schiff auf einem Kran schwebt. Ein
Meisterstück aus Holz und Stahl, Tonnen schwer. Arbeiter wuseln unten umher, sichern,
messen, hämmern.
Dann – ein Knacken.
Ein Ruck geht durch den Kran.
Ein Seil reißt.
Ein metallisches Heulen.
Das Schiff kippt.
Schräge. Masse. Todesschatten. Schreie.
Die Arbeiter unter dem Kran schauen nach oben – keine Zeit mehr zu rennen.
Asera reagiert.
ZACK.
Ein Sprung – der Boden bebt, als sie abhebt. In der Luft wirbelt ihr Haar auf, der Staub um sie
zerreißt.
Sie fängt das Schiff.
Mit beiden Armen, fest unter die Kielbalken gegriffen. Die Wucht lässt den Boden unter ihr knacken,
ihre Füße graben sich ein. Aber sie hält es.
Stille.
Nur das Knarren des schwebenden Schiffes.
Und das Ringen der Arbeiter mit dem Verstand.
Asera blickt zu ihnen. „Geht weiter. Ich hab’s.“
Einer der Männer starrt.
Ein anderer: „Das Ding wiegt… das kann man nicht…“
Sie hebt das Schiff ganz leicht an – genug, dass die Arbeiter darunter hervorkommen. Einer
stolpert, ein anderer hilft ihm. Keiner wagt es zu zweifeln.
Als der letzte in Sicherheit ist, lässt Asera das Schiff sanft ab, direkt in die gepolsterte Halterung des
Docks. Kein Splitter fliegt. Kein Schaden.
Stille breitet sich aus.
Dann: ein Murmeln. Ein Flüstern.
Bis einer ruft:
„Wer ist diese Frau?!“
Doch Asera geht schon weiter. Ruhig. Keine Pose. Kein Wort.
Sie sucht Eisberg.
Und die Spur der Strohhüte.
Das Schiff war nur ein Zwischenfall.
Die Stadt beginnt erst zu ahnen, wer da gerade angekommen ist.
__
Szene – Eisberg
Die schweren Doppeltüren zum oberen Büro der Galley-La Company knarren auf. Dahinter: Marmor,
Holz, Glas. Ein Raum mit Weitblick – über die Dächer von Water 7, die Kanäle, bis zum Horizont. An
den Wänden hängen fein gearbeitete Schiffsmodelle und technische Skizzen. Hier regiert kein König –
sondern ein Baumeister.
Asera betritt den Raum ruhig. Ihre Schritte sind leise, aber bestimmt.
Kaum ist sie im Raum, stellen sich ihr zwei Galley-La-Wachen in den Weg – breite Schultern, saubere
Uniformen, die Hände an den Seitenwaffen.
„Stehenbleiben! Keine Schritte weiter!“, ruft der eine.
„Mr. Eisberg empfängt keine Fremden ohne Anmeldung“, sagt der zweite, die Augen misstrauisch
verengt. „Schon gar nicht nach dem Attentat.“
Asera bleibt stehen. Die Arme hängen locker, die Haltung aufrecht. Keine Drohung – nur Präsenz.
„Ich bin nicht gekommen, um zu verletzen. Ich suche Informationen.“
Einer der Wachen bewegt sich, sein Blick gleitet zu ihrer Hüfte – sieht den Log-Port.
Er sagt gerade: „Besser du drehst um, Fremde–“
Da ertönt eine Stimme aus dem Hintergrund: ruhig, aber bestimmt.
„Lasst sie durch.“
Die Wachen drehen sich.
Eisberg steht am Schreibtisch, Pläne in der Hand, eine Brille auf der Nase.
Sein Blick ist sachlich, aber nicht kalt.
„Ich habe gesehen, was sie getan hat“, sagt er. „Dieses Schiff hätte meine Männer
Erschlagen. Hätte sie jemandem schaden wollen… sie hätte es längst getan.“
Die Wachen treten zögernd zur Seite.
Asera geht an ihnen vorbei und tritt vor den Tisch.
Eisberg mustert sie. „Du suchst die Strohhutbande.“
Asera nickt. „Ja.“
Eisberg lehnt sich leicht zurück.
„Sie waren hier. Sie haben die CP9 verjagt, Nico Robin gerettet, Franky mitgenommen.
Ich schulde ihnen mehr, als ich öffentlich zugeben würde.“
Ein kurzer Moment Stille.
Dann: „Aber sie sind schon vor sechs Tagen aufgebrochen. Richtung florianisches Dreieck.“
Asera fragt ruhig: „Ich kann fliegen. Gibt es eine ungefähre Richtung?“
Eisberg schüttelt langsam den Kopf. „Das florianische Dreieck ist ein Albtraum. Dicker Nebel,
verwirrende Strömungen, endlose Weiten. Du wirst da draußen nichts erkennen. Und es ist riesig.“
Asera blickt kurz auf ihren Log-Port. Die Nadel zittert, hat sich noch nicht gefestigt.
Eisberg sagt: „Der Log-Port braucht hier vier Tage, um die Route zu finden.
Und du wirst sie brauchen.“
Asera überlegt kurz. Dann nickt.
„Dann warte ich.“
Eisberg grinst leicht.
„Oder du arbeitest für mich. Ich bezahle gut. Schlafplatz und Essen sind auch inbegriffen.“
Asera überlegt kurz:
„Abgemacht.“
Und so beginnt für vier Tage eine unerwartete Ruhepause –
zwischen Holz, Wasser, Schiffen und Menschen,
die langsam begreifen,
dass sie gerade mit jemandem arbeiten,
der nicht von dieser Welt ist.
__
Szene – Pauly
Der Morgen über Water 7 beginnt wie jeder andere: mit Stimmen, Wellen, dem Klang von Werkzeug
auf Holz. In Halle 3 der Galley-La Company herrscht wie immer Hochbetrieb. Neue Planken,
Werkzeuge, Docks – und heute: eine neue Helferin.
Pauly kommt mit einem Stapel Baupläne in der Hand herein. Die Zigarette im Mundwinkel, der Blick
energisch wie immer. Blaues Halstuch, dicke Lederhandschuhe – ein Mann, der Verantwortung trägt.
„Also du bist die Neue“, sagt er, ohne aufzuschauen. „Ich bin Pauly. Wenn du mit mir arbeitest, hörst
du auf meine Anweisungen. Klar? Und keine albernen Klamotten –
das ist hier eine Werft, kein Laufsteg.“
Asera, die bereits ruhig das Gelände inspiziert hat, sagt nur:
„Ich trage, was funktioniert.“
Pauly schaut kurz hoch. Hebt eine Braue.
„Zumindest eine Frau die nicht halbnackt rumläuft.
Dann holen wir mal die neue Holzlieferung vom Kai. Sind nur… sagen wir… sechs Tonnen.“
Er deutet halb im Spaß in Richtung der gestapelten Hölzer – dicke, schwere Balken, festgezurrt und
bereit, mit Maschinen hereingezogen zu werden.
Er dreht sich um, will den Gabelzug holen – doch bleibt stehen, als hinter ihm Schritte ertönen.
Ruhig. Schwer. Gleichmäßig.
Er dreht sich um – und sieht Asera, wie sie das gesamte Holz trägt.
Nicht in Teilen. Nicht mit Geräten.
Alles auf einmal.
Schulter, Arme, Rücken – nichts wankt. Kein Ächzen. Kein Schwanken. Sie trägt es einfach.
Und geht damit durch das Haupttor der Halle.
Schlagartig herrscht Stille.
Ein paar Arbeiter lassen das Werkzeug sinken.
Zwei Monteure hören auf zu fluchen.
Und eine Piratenmannschaft, die seit einer Stunde wegen Reparaturpreisen verhandelt,
verstummt mitten im Satz.
Der Kapitän, gerade noch mit drohender Stimme, sagt nur noch:
„Äh… ja. Der Preis ist okay.“
Pauly steht da mit offenem Mund. Die Zigarette fällt fast raus.
„…Das ist doch nicht euer Ernst…“
Asera steht da, mit der tonnenschweren Ladung.
„Wo soll’s hin?“
Pauly braucht einen Moment. Dann räuspert er sich.
„Äh… Abschnitt C. Da hinten.“
Sie geht los. Wie eine Naturkraft auf zwei Beinen.
Pauly schüttelt fassungslos den Kopf.
„Und ich dachte, meine Kollegen übertreiben…“
__
Szene – Beobachtet
Der dritte Tag in Halle 3 bricht an, und Water 7 beginnt zu begreifen,
was es bedeutet, wenn Asera mitarbeitet.
Was für gewöhnlich eine Woche dauert, ist durch ihre schiere Kraft und Ausdauer in drei Tagen
erledigt worden. Keine Kräne. Keine Pausen. Keine Nachtschichten.
Eisberg hat die Zahlen gesehen – und gelächelt.
Alle in Halle 3 erhalten einen Bonus.
Und Pauly?
Er steht vor der Halle, reibt sich die Nackenmuskeln und ruft in die Werkstatt:
„Hört her! Heute Abend geht’s auf meinen Deckel – na gut, Eisbergs Deckel!“
Jubel. Lachen. Schulterklopfen.
Selbst die Piraten, deren Schiff in der halben Zeit fertig geworden ist, nicken respektvoll.
Asera steht ruhig daneben, den Log-Port prüfend. Die Nadel ist fast stabil – der Kurs zur nächsten
Insel nimmt Form an. Doch noch bleibt sie.
Pauly tritt zu ihr, die Hände in die Hüften gestemmt.
„Du kommst mit. Keine Ausreden.“
Asera sieht ihn kurz an. „Ich trinke nicht.“
„Dann eben Wasser. Aber du kommst.“
Sie will gerade antworten – da verändert sich etwas.
Ein Druck in der Luft.
Leicht, kaum spürbar.
Doch für Asera deutlich.
Sie hebt den Blick. Dreht sich langsam um.
Nichts. Nur das übliche Treiben am Werfttor, ein paar Händler, eine Fischverkäuferin.
Und doch…
Wieder wird sie beobachtet.
Nicht wie bei ihrer Ankunft. Nicht neugierig. Nicht offen.
Diesmal ist es gezielt.
Ihre Augen tasten die Gassen, die Dächer. Kein Sichtkontakt. Kein Fehler im Schatten.
Aber es ist da.
Asera sagt leise: „Sie sind näher als letztes Mal.“
Pauly merkt es nicht sofort. Doch als er ihren Blick sieht, fragt er:
„Was ist?“
„Nichts, das ich nicht klären könnte“, antwortet sie.
Sie lässt den Log-Port am Gürtel.
Nojikos Gerät ruht wie ein Versprechen.
__
Szene – Die Konfrontation
Die Nacht über Water 7 ist lau und leise. Die Kanäle glitzern im Mondlicht, Gondeln treiben angetäut
am Rand. In den Gassen: Trunkenes Lachen, Musik, das gelegentliche Klirren eines Glases.
Aus der Tür einer Bar in der Nähe der Südwerft torkeln Pauly und seine Männer. Laut, gut gelaunt,
von ihrem Bonus sichtlich ermutigt.
Asera geht hinter ihnen – nicht betrunken, nicht redend. Aber dabei.
„Du bist okay, weißt du das?“, ruft Pauly, die Arme halb um zwei Kollegen gelegt.
„Schwer einschätzbar, aber okay.“
Asera antwortet nicht. Sie bleibt kurz stehen.
Da ist es wieder.
Ein Schatten.
Eine Bewegung, die zu kontrolliert ist.
Atem, der zu leise ist für Zufall.
Ihre Augen verengen sich. Sie dreht den Kopf nicht. Aber sie verschwindet.
Einen Moment lang: nichts.
Nur das Taumeln der betrunkenen Werftarbeiter.
Ein paar Gassen weiter.
Acht Gestalten in dunkler Kleidung, im Schutz der Schatten. Maskiert, bewaffnet, bewegungslos.
Bis sich die Luft hinter ihnen verändert.
Ein kaum hörbares Geräusch –
und Asera steht da.
Kein Ki. Keine Aura. Kein Ton.
Nur ihre Stimme –
ruhig, aber schneidend:
„Ihr wart es. Ihr habt dafür gesorgt, dass das Schiff fällt.“
Die Gruppe dreht sich ruckartig. Einer geht sofort in Kampfhaltung.
Doch eine Frau tritt vor – schlank, taktisch, mit Verband an der Schulter.
„Das musst du entschuldigen.“
Ihr Ton ist kühl, aber nicht spöttisch.
„Lucci war… sauer. Nach seinem letzten Kampf. Hat ein Ventil gebraucht.“
Asera schweigt. Ihre Augen wandern über die Gruppe.
Jeder einzelne trägt Verbände.
Schulter. Rippen. Kiefer. Nacken.
Sie. Alle.
„Ihr bringt Menschen in Gefahr, weil ihr einen schlechten Tag hattet?“, sagt Asera leise.
Keine Wut in der Stimme. Nur blanke, eisige Verachtung.
Die Frau antwortet nicht sofort.
Dann: „Du bist schneller, als wir dachten.“
Asera geht einen Schritt näher.
„Noch ein Zwischenfall wie dieser… und ihr braucht mehr als Verbände. Verstanden?“
Ein Mann aus der Gruppe zögert. „Wer bist du überhaupt?“
Asera tritt in den vollen Schein des Mondlichts.
„Jemand, den ihr besser nicht zu eurem Problem macht.“
Dann verschwindet sie erneut – lautlos, schneller als ihr Verstand folgen kann.
Zurück bleibt ein Trupp von Profis,
der erstmals nicht sicher ist, wer gerade wen beobachtet hat.
__
Szene – Der letzte Tag
Die Sonne steht tief über Water 7, färbt die Kanäle golden und taucht die Dächer in warmes Licht. Die
Werften singen noch einmal auf voller Lautstärke, Hämmer schlagen, Holz wird verladen – aber in
Halle 3 steht eine Gruppe Arbeiter still.
Asera steht vor ihnen. Kein Werkzeug in der Hand, aber wie immer gerade, ruhig, präsent.
Pauly tritt vor, verschränkt die Arme, seine Stimme ist rau, aber ehrlich:
„Du warst die ungewöhnlichste Aushilfe, die wir je hatten.“
Ein Raunen geht durch die Gruppe. Ein paar nicken, andere klopfen sich gegenseitig auf die Schulter,
als würden sie so verarbeiten, was sie da drei Tage lang erlebt haben.
Pauly will noch etwas sagen, doch Asera kommt ihm zuvor.
„Danke für die Zeit. Für das Vertrauen. Und für den Respekt.“
Sie nickt, kurz, aber ernst. Dann dreht sie sich um – geht in Richtung des Haupttors.
Oben, im Büro von Eisberg
Asera betritt ein letztes Mal das Büro mit dem Blick über die Stadt.
Eisberg steht am Fenster, als hätte er sie erwartet.
„Also gut. Der Log-Port hat seine Richtung gefunden?“
Asera nickt.
„Er zeigt klar. Es ist Zeit.“
Eisberg wendet sich zu ihr, legt die Pläne beiseite.
„Ich habe viele Menschen hier gesehen. Piraten, Weltregierungsagenten, Legenden… Aber du bist die
Erste, die ich gesehen habe, das nicht in ein Weltbild passt.“
Ein kurzes, sachliches Lächeln.
„Ich hoffe, du findest, was du suchst.“
Asera nickt erneut. Dann sagt sie leise:
„Und ich hoffe, eure Stadt wird wieder Frieden finden.“
Sie geht.
Draußen, vor der Halle
Die Arbeiter, Händler und sogar einige Passanten haben sich versammelt, als sie über den Platz
schreitet. Alle schauen ihr nach – keiner spricht.
Dann, ohne Ankündigung –
hebt Asera vom Boden ab.
Langsam. Schwerelos.
Wie eine Naturgewalt, die sich nicht versteckt.
Ein kollektives Keuchen.
Ein Kind ruft: „Sie… sie fliegt!!“
Asera steigt immer höher. Über Dächer. Über Türme.
Der Log-Port an ihrem Gürtel zeigt nach Osten –
und dorthin fliegt sie.
Schnell. Zielgerichtet.
Und für Water 7 – unvergessen.